Seit 26 Jahren lebt der Schweizer Tobias Heyden in Spanien. Was einst mit dem Wunsch begann, Spanisch zu lernen, entwickelte sich zu einem neuen Lebensmittelpunkt. Heute arbeitet er in Marbella als Vermögensberater und engagiert sich im deutschsprachigen Lions Club Marbella.
von Dana
Redaktion Spanien Press
Manche Entscheidungen erscheinen zunächst wie ein kleiner Umweg und erweisen sich rückblickend als entscheidende Wendepunkte im Leben. Bei Tobias Heyden begann alles mit einem vergleichsweise einfachen Wunsch: Er wollte Spanisch lernen.
Der gebürtige Zürcher absolvierte in der Schweiz eine Bankausbildung und arbeitete anschließend mehrere Jahre bei einer Schweizer Bank in Zürich, bevor ihn sein beruflicher Weg 1997 nach Köln führte.
Dort nahm eine Idee Gestalt an, die ihn schon länger beschäftigte: Heyden wollte Spanisch lernen und eine Zeit im Ausland verbringen. Während eines Sprachkurses in Málaga lernte er schließlich nicht nur die spanische Sprache näher kennen, sondern auch seine damalige Partnerin, eine Spanierin.
Drei Jahre später bot sich ihm die Möglichkeit, für die Schweizer Bank in Gibraltar zu arbeiten. Heyden zog nach Estepona. Was zunächst als beruflicher Auslandsaufenthalt begann, entwickelte sich zu einem neuen Lebensabschnitt. Heute, rund 26 Jahre später, ist die Costa del Sol für ihn längst weit mehr als nur ein Wohnort.
Anfangs, erzählt Heyden, habe er sich an manches gewöhnen müssen. Spanien erschien ihm zunächst laut, spontan und bisweilen improvisiert. Nicht immer funktionierte alles so zuverlässig und planbar, wie er es aus der Schweiz gewohnt war.
Doch mit den Jahren veränderte sich seine Wahrnehmung. Was ihm früher fremd erschien, wurde vertraut. Und manches, das zunächst gewöhnungsbedürftig war, gehört heute zu den Dingen, die er an Spanien besonders schätzt.
Neben Familie und beruflichen Kontakten ist es vor allem die Mentalität, die er nicht mehr missen möchte.
„Was ich sehr schätze, ist die Kommunikation, die einfach so in der Luft liegt“, sagt er. „Ob im Café, auf der Straße oder im Alltag – die Menschen sind deutlich kommunikativer als in der Schweiz.“
Es ist diese Selbstverständlichkeit des sozialen Miteinanders, die für ihn einen wesentlichen Teil des spanischen Lebensgefühls ausmacht.
Und dennoch ist die Schweiz stets ein Teil seines Lebens geblieben. Auch die Verbindung nach Deutschland besteht weiterhin. Heute fühlt sich Heyden in allen drei Ländern heimisch und schätzt ihre unterschiedlichen Eigenheiten.
Vielleicht ist es gerade diese Verbindung verschiedener Lebenswelten, die seinen persönlichen Weg so besonders macht.
Zwischen Marbella und der deutschsprachigen Gemeinschaft
Seine beruflichen und privaten Kontakte haben Heyden tief im internationalen Leben der Costa del Sol verwurzelt. Gleichzeitig ist ihm die Verbindung zur deutschsprachigen Gemeinschaft wichtig geblieben.
Seit 2010 gehört er dem deutschsprachigen Lions Club Marbella an. Dort engagierte er sich zunächst als Schatzmeister und übernahm später für zwei Jahre das Amt des Präsidenten.
Besonders verbunden fühlt er sich einem Projekt, das mittlerweile auf eine lange Tradition zurückblickt. Bereits 2014 begann er, ein Golfturnier zu organisieren. Bis heute ist er im Organisationsteam aktiv, auch wenn er inzwischen einen Teil der Hauptverantwortung abgegeben hat.
Für Heyden ist dieses Engagement Ausdruck gelebter Gemeinschaft und zugleich eine Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was ihm seine Wahlheimat über die Jahre gegeben hat.
Die Finanzwelt blieb sein berufliches Zuhause
Auch beruflich ist Heyden seinen Wurzeln treu geblieben. Seit 2018 arbeitet er in Marbella in der unabhängigen Vermögensberatung für die deutsche Finanz- und Vermögensberatungsgruppe Nowinta.
Die internationale Klientel der Costa del Sol macht den Standort für ihn besonders interessant. Hier treffen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Lebensgeschichten und Vorstellungen von Vermögen und Zukunft aufeinander.
Wenn es um Geldanlagen geht, plädiert Heyden vor allem für Geduld und eine breite Streuung des Vermögens.
„Man sollte nicht nur auf einen Bereich setzen“, sagt er.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit sei Vorsicht verständlich. Wer eine größere Summe investieren möchte, könne beispielsweise schrittweise vorgehen, anstatt das gesamte Kapital auf einmal anzulegen.
Auch beim derzeit viel diskutierten Thema künstliche Intelligenz bleibt Heyden zurückhaltend. Er sieht darin eine technologische Entwicklung von langfristiger Bedeutung, vergleichbar mit früheren großen Umbrüchen. Gleichzeitig warnt er davor, den gesamten Anlagefokus auf diesen Bereich zu richten.
„Man sollte ein Portfolio nicht ausschließlich auf KI ausrichten, sondern verschiedene Branchen und Regionen berücksichtigen“, rät er.
Sein beruflicher Rat lässt sich beinahe wie eine Beschreibung seines eigenen Lebens lesen: nicht alles auf eine Karte setzen, offen bleiben für Veränderungen und unterschiedliche Perspektiven miteinander verbinden.
Aus dem Schweizer Bankfachmann wurde ein international tätiger Vermögensberater in Marbella. Aus einem Sprachkurs entstand eine neue Heimat. Und aus einem ursprünglich zeitlich begrenzten Aufenthalt entwickelte sich ein Leben zwischen verschiedenen Kulturen.
„Es sind wie zwei Leben“, sagt Tobias Heyden rückblickend über seine Jahre in Spanien. Ein Leben in der Schweiz und eines in Spanien.
„Inzwischen gehören beide zu mir.“
