Eine Katze verschwindet auf Mallorca – und aus der verzweifelten Suche ihrer Besitzerin entsteht eine Initiative, die heute Tierhaltern in ganz Spanien hilft. Mit künstlicher Intelligenz will der Verein Mascotafind die Suche nach vermissten Hunden und Katzen jetzt deutlich erleichtern.
Es ist der Albtraum vieler Tierbesitzer: Die Katze kommt nicht mehr nach Hause, der Hund verschwindet beim Spaziergang. Was folgt, sind oft Tage voller Ungewissheit, verzweifelte Suchaktionen, unzählige Telefonate und die Hoffnung, dass irgendjemand das geliebte Tier entdeckt.
Gerade in Spanien stehen Tierhalter dabei häufig vor einem Problem: Wo soll man suchen? Wen informiert man? Und wie erreicht man möglichst schnell die Menschen, die das vermisste Tier vielleicht gesehen haben?
Eine Schweizerin auf Mallorca hat sich genau diesen Fragen angenommen. Ihre persönliche Geschichte begann mit einem Verlust, den sie bis heute nicht vergessen hat.
Als Natascha plötzlich verschwand
Auf einer Finca nahe Porto Cristo auf Mallorca lebt Connie Otto seit mehr als drei Jahrzehnten zwischen Olivenbäumen und zahlreichen Tieren. Doch vor fünf Jahren veränderte ein Ereignis ihren Alltag: Ihre neunjährige Katze Natascha verschwand spurlos.
„Sie war neun Jahre alt, als sie verschwand. Von einem Tag auf den anderen war sie einfach weg“, erinnert sich Otto.
Sie suchte überall, verteilte Flugblätter, schaltete Anzeigen und wandte sich an Experten. Doch Natascha blieb verschwunden.
Aus der Trauer entstand schließlich eine Idee. Zwei Jahre später gründete Otto den gemeinnützig ausgerichteten Verein Mascotafind, der heute Tierhaltern in ganz Spanien bei der Suche nach vermissten Haustieren hilft.
„In der Schweiz gibt es eine Tiermeldezentrale. Hier in Spanien habe ich so etwas vermisst“, erklärt die Gründerin.
Ihr Ziel: eine zentrale Anlaufstelle schaffen, die Tierbesitzer und Finder unkompliziert miteinander verbindet.
Ein Foto per WhatsApp – den Rest übernimmt zunächst die KI
Jetzt geht Mascotafind einen Schritt weiter. Der Verein hat seine Plattform um eine KI-gestützte Bilderkennung erweitert.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Wer einen herrenlosen Hund oder eine Katze entdeckt, fotografiert das Tier und schickt das Bild per WhatsApp an Mascotafind.
Eine spezielle App muss dafür nicht installiert werden. Auch eine Registrierung ist für Finder nicht erforderlich.
Die künstliche Intelligenz analysiert anschließend die sichtbaren Merkmale des Tieres und vergleicht sie mit den Fotos der bei Mascotafind als vermisst gemeldeten Hunde und Katzen.
Findet das System eine mögliche Übereinstimmung, überprüft das Team den Hinweis. Erst danach wird gegebenenfalls der Kontakt zwischen Finder und Tierhalter hergestellt.
Die KI soll dabei keine eigenständigen Entscheidungen treffen, sondern die Suche unterstützen.
Aus einem einfachen Handyfoto könnte so ein entscheidender Hinweis werden.
Gerade bei Tieren, die weit entfernt von ihrem Zuhause aufgegriffen werden, könnte dieser zusätzliche Suchweg hilfreich sein.

Warum der Mikrochip trotzdem unverzichtbar bleibt
Connie Otto betont, dass die neue Technik bewährte Methoden keineswegs ersetzen soll.
„Ein Mikrochip bleibt unverzichtbar. Unsere KI soll die bisherigen Suchaktivitäten sinnvoll ergänzen. Ebenso werden wir weiterhin Suchflyer erstellen, Vermisstmeldungen verbreiten und die sozialen Netzwerke nutzen.“
Denn auch die beste Bilderkennung hat Grenzen. Ähnlich aussehende Tiere können verwechselt werden, Fotos sind nicht immer eindeutig und das Aussehen eines Tieres kann sich verändern.
Deshalb bleibt die menschliche Überprüfung ein fester Bestandteil des Systems.
Was kostet Mascotafind?
Für Menschen, die ein gefundenes Tier melden möchten, ist der Service kostenlos.
Tierhalter können ihre Haustiere bereits vorsorglich auf der Plattform registrieren. Dafür werden Fotos und sichtbare Merkmale hinterlegt.
Die Registrierung kostet zehn Euro pro Tier und Jahr. Mit diesem Beitrag finanziert der Verein unter anderem den Betrieb und die Weiterentwicklung seiner technischen Infrastruktur.
Wer sein Tier nicht vorsorglich registriert hat, kann dies auch noch nach dessen Verschwinden tun.
Die Vereinsmitgliedschaft ohne Tierregistrierung ist kostenlos.
Besonderen Wert legt Mascotafind auf den Datenschutz: Namen, Anschriften und Telefonnummern der Tierhalter werden nicht öffentlich angezeigt. Die Kontaktvermittlung erfolgt über die Zentrale des Vereins.
Künftig sollen auch Tierheime eingebunden werden
Die nächste Entwicklungsstufe ist bereits geplant.
Mascotafind möchte künftig mit Tierheimen und Tierschutzorganisationen in ganz Spanien zusammenarbeiten – und zwar möglichst ohne zusätzlichen Aufwand für deren Mitarbeiter.
„Wir möchten mit Mascotafind Tierheimen und Tierschutzorganisationen eine kostenlose Zusammenarbeit anbieten“, sagt Otto.
Die Idee dahinter: Wenn ein Tierheim einen gefundenen Hund oder eine Katze aufnimmt und fotografiert, könnte dieses Bild künftig automatisch mit den Vermisstenmeldungen abgeglichen werden.
Dazu soll die Bilderkennung langfristig mit bestehenden Websites oder Computersystemen der Tierheime verbunden werden.
Für die Einrichtungen wäre das ein zusätzlicher Service, ohne ihre gewohnten Arbeitsabläufe verändern zu müssen.
Noch handelt es sich dabei um einen geplanten Ausbau, nicht um eine bereits flächendeckend bestehende Vernetzung.
Vom persönlichen Schicksal zum ehrenamtlichen Engagement
Mascotafind ist für Connie Otto längst mehr als ein Projekt geworden.
Nach Angaben des Vereins konnten durch die bisherigen Suchmaßnahmen bereits vermisste Tiere wiedergefunden werden. Die neue Bilderkennung soll diese Arbeit nun ergänzen.
Unterstützt wird Otto von ehrenamtlichen Helfern, die Suchmeldungen verbreiten, soziale Netzwerke betreuen und Tierhaltern zur Seite stehen.
„Es ist eigentlich ein Fulltime-Job“, sagt Otto lachend. „Nur ohne Gehalt.“
Dass Tiere in ihrem Leben eine besondere Rolle spielen, zeigt sich auch auf ihrer Finca auf Mallorca. Dort leben inzwischen drei Esel, ein Pferd, vier Hunde und zehn Katzen.
„Wenn man damit zu tun hat, dann stolpert man immer wieder über so ein paar arme Geschöpfe, die ein Plätzchen suchen. Aber ich muss ein wenig aufpassen, dass ich nicht irgendwann zu viele habe.“
Neben Hunden und Katzen können auf der Plattform auch andere Tiere registriert werden, darunter Vögel, Nagetiere und Huftiere. Die neue KI-Bilderkennung konzentriert sich derzeit allerdings auf Hunde und Katzen.
Eine kleine Idee mit großem Potenzial
Was mit der verzweifelten Suche nach einer verschwundenen Katze begann, könnte künftig vielen Tierhaltern in Spanien helfen.
Denn häufig scheitert die Rückkehr eines gefundenen Tieres nicht daran, dass niemand helfen möchte, sondern daran, dass Finder und Besitzer nicht zueinanderfinden.
Genau hier setzt Mascotafind an.
„Niemand sollte stundenlang überlegen müssen, wie er einem gefundenen Tier helfen kann“, sagt Connie Otto.
Ob die künstliche Intelligenz tatsächlich zu deutlich mehr erfolgreichen Wiedervereinigungen führen wird, muss sich in der Praxis zeigen.
Doch die Idee ist vielversprechend: Ein Mensch entdeckt ein Tier, macht ein Foto und übermittelt es per WhatsApp. Im Hintergrund beginnt die Suche nach einer möglichen Übereinstimmung.
Für einen verzweifelten Tierhalter könnte genau dieses Foto den entscheidenden Unterschied machen.
Kontakt zu Mascotafind
Website: www.mascotafind.es
Telefon: +34 971 65 48 15 / +34 652 21 75 96
E-Mail: connie@mascotafind.es
Die Meldung eines gefundenen Tieres ist kostenlos.
