Sie sind Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Intellektuelle. Sie bilden keine gemeinsame politische Bewegung und vertreten teilweise völlig unterschiedliche Positionen. Doch mehrere bekannte Persönlichkeiten, die sich selbst der Linken zuordnen, jahrelang PSOE gewählt haben oder biografisch eng mit der spanischen Linken verbunden waren, äußern inzwischen deutliche Kritik an Pedro Sánchez, seiner Regierung oder an der Entwicklung der Linken insgesamt.
Redaktion Spanien Press
Lucía Etxebarría, Javier Cercas, Antonio Resines, Joaquín Sabina, Andrés Trapiello und Fernando Savater stehen dabei für sehr unterschiedliche Entwicklungen.
Einige verstehen sich weiterhin ausdrücklich als links oder sozialdemokratisch. Andere haben sich inzwischen erheblich weiter von ihrem früheren politischen Umfeld entfernt.
Deshalb wäre es falsch, sie zu einer gemeinsamen „Anti-Sánchez-Bewegung“ zu erklären. Interessant ist vielmehr etwas anderes: Die traditionelle Verbindung zwischen einem Teil der spanischen Kulturszene und der politischen Linken bedeutet längst nicht mehr automatisch Unterstützung für die Regierung Sánchez.
Lucía Etxebarría: jahrelang sozialistisch gewählt – heute offen kritisch
Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Schriftstellerin Lucía Etxebarría.
Ihre politische Entwicklung fand nicht über Nacht statt. In einem Interview vom Mai 2026 erklärte sie selbst, dass sie trotz zunehmender Zweifel noch lange „blind“ sozialistisch gewählt habe. Als entscheidende Wendepunkte bezeichnete sie unter anderem die Entwicklung der Transgesetzgebung und die Haltung gegenüber Venezuela. Heute, so Etxebarría, entscheide sie ihre Stimme je nach Wahl und ihren Interessen als Bürgerin und Selbstständige.
Inzwischen kritisiert sie nicht nur einzelne Entscheidungen, sondern auch die Entwicklung des PSOE grundsätzlich. In einem weiteren Interview erklärte sie, die heutige Partei repräsentiere aus ihrer Sicht nicht mehr die Sozialdemokratie.
Zuletzt sorgte Etxebarría mit ihrer Position im Fall Maricarmen für erhebliche Aufmerksamkeit. Ihre Interpretation der Zwangsräumung der 87-Jährigen unterschied sich deutlich von der politischen Erzählung, die der Fall innerhalb der Mieterbewegung und Teilen der Linken ausgelöst hat.
Etxebarría steht damit für einen weit fortgeschrittenen Prozess der Entfremdung: von einer Frau, die nach eigenen Angaben jahrelang PSOE wählte, hin zu einer der öffentlich deutlich hörbaren Kritikerinnen des heutigen sozialistischen Lagers.
Javier Cercas: Kritik von einem demokratischen Sozialisten
Anders liegt der Fall beim Schriftsteller Javier Cercas.
Cercas hat sich selbst als linker Wähler und demokratischer Sozialist bezeichnet. Seine Kritik kommt also nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung der Linken.
Gerade deshalb ist seine Entwicklung politisch interessant.
Cercas unterstützte Sánchez als PSOE-Wähler, hat ihn später aber öffentlich kritisiert. Inzwischen hat er angesichts der Korruptionsaffären im Umfeld der Sozialisten sogar einen Rücktritt Sánchez‘ gefordert. Gleichzeitig positioniert er sich weiterhin gegen Nationalpopulismus und gegen eine pauschale Delegitimierung der spanischen Demokratie.
Sein Beispiel zeigt einen entscheidenden Unterschied: Kritik an Sánchez bedeutet nicht zwangsläufig eine Abkehr von der Linken.
Bei Cercas ist es vielmehr Kritik aus einem weiterhin ausdrücklich sozialdemokratischen Selbstverständnis heraus.
Antonio Resines: PSOE-Wähler und Sozialdemokrat – aber gegen die Amnestie
Auch Schauspieler Antonio Resines passt besonders gut in dieses Bild.
Resines bezeichnete sich in einem Interview bei RTVE als langjährigen Sozialdemokraten und PSOE-Wähler. Gleichzeitig äußerte er erhebliches Unbehagen über den politischen Umgang mit den katalanischen Unabhängigkeitsparteien.
Besonders entschieden wandte er sich gegen die Amnestie für Beteiligte des katalanischen procés. Bereits die vorausgegangenen Begnadigungen hatte er kritisch gesehen.
Dabei machte Resines ausdrücklich deutlich, dass er seine Position gerade als Sozialdemokrat und PSOE-Wählervertrete. Seine Vorstellung von linker Politik bestehe darin, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern – daraus folge für ihn aber nicht, dass zur Sicherung einer Regierung jede politische Vereinbarung akzeptabel sei.
Resines ist damit vielleicht eines der deutlichsten Beispiele für das Phänomen: Er hat seine sozialdemokratische Selbstdefinition keineswegs aufgegeben.
Aber sie führt bei ihm nicht automatisch zur Unterstützung aller Entscheidungen der von Sánchez geführten Regierung.
Joaquín Sabina: „Nicht mehr so links wie früher“
Noch symbolträchtiger ist Joaquín Sabina.
Kaum ein spanischer Musiker seiner Generation wurde über Jahrzehnte so selbstverständlich mit dem kulturellen Milieu der Linken verbunden.
Doch Sabina selbst erklärte bereits 2022, er sei heute nicht mehr so links wie früher. Seine Enttäuschung bezog sich vor allem auf die Entwicklung der lateinamerikanischen Linken und auf das, was er als Scheitern des Kommunismus bezeichnete. Gleichzeitig hob er beispielsweise den Wahlsieg des linken brasilianischen Präsidenten Lula positiv hervor. Cadena SER
Seine Aussagen sind deshalb nicht als spezifische Abrechnung mit Pedro Sánchez zu verstehen.
Sie zeigen vielmehr einen tiefergehenden Wandel: Eine kulturelle Persönlichkeit, die sich über Jahrzehnte selbstverständlich mit der Linken identifizierte, empfindet diese Zugehörigkeit heute wesentlich weniger eindeutig.
Sabina steht damit für eine politische Entfremdung von Teilen der heutigen Linken, nicht einfach für Opposition gegen einen einzelnen Regierungschef.
Andrés Trapiello: eine wesentlich weitergehende Abkehr
Noch weiter geht der Schriftsteller Andrés Trapiello.
Seine Entwicklung lässt sich kaum noch als bloße Kritik an Pedro Sánchez beschreiben. Trapiello hat sich inzwischen grundsätzlich von weiten Teilen der heutigen spanischen Linken distanziert.
In einem Interview im Sommer 2026 erklärte er, viele Menschen hätten die Linke verlassen, weil diese seiner Ansicht nach „reaktionär, rechthaberisch und verlogen“ geworden sei. Gleichzeitig äußerte er offen Sympathie für die konservative Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.
Trapiello unterscheidet sich damit deutlich von einem Antonio Resines oder Javier Cercas.
Während diese ihre sozialdemokratische beziehungsweise linke Identität ausdrücklich beibehalten, steht Trapiello für eine wesentlich umfassendere politische und intellektuelle Abkehr.
Fernando Savater: von der antifranquistischen Linken zum entschiedenen Sánchez-Kritiker
Noch ausgeprägter ist die Entwicklung des Philosophen und Schriftstellers Fernando Savater.
Savater hat eine lange politische Biografie, die ursprünglich eng mit der antifranquistischen und libertären Linken verbunden war. Seine Distanzierung von der heutigen Linken begann allerdings lange vor Pedro Sánchez.
Besonders prägend war dabei seine Auseinandersetzung mit dem baskischen Nationalismus und dem Terrorismus der ETA. Im Laufe der Jahre bewegte sich Savater zunehmend in Richtung liberaler und später auch konservativerer Positionen.
Heute gehört er zu den schärfsten Kritikern des politischen Kurses von Sánchez.
Besonders entschieden wendet er sich gegen die Zusammenarbeit des PSOE mit separatistischen Parteien sowie gegen die Amnestie. In seinen eigenen Texten hat Savater dabei nicht nur Sánchez persönlich kritisiert, sondern auch Sozialisten, die dessen Politik ablehnen, ihn seiner Ansicht nach letztlich aber aus Loyalität zur Linken weiter unterstützen. El País
Savater ist deshalb kein Beispiel für einen erst kürzlich enttäuschten Sánchez-Anhänger.
Seine Biografie zeigt vielmehr einen jahrzehntelangen politischen Weg: von der antifranquistischen Linken über liberale Positionen bis hin zu einer fundamentalen Kritik an großen Teilen der heutigen spanischen Linken.
Eduardo Madina: harte Kritik aus dem sozialistischen Lager
Und dann gibt es noch einen anderen Fall: Eduardo Madina.
Er gehört nicht zur Kulturszene, sondern war selbst einer der führenden Politiker des PSOE und trat 2014 gegen Pedro Sánchez um den Parteivorsitz an.
Seine jüngsten Äußerungen sind gerade deshalb bemerkenswert.
Während der aktuellen Krise von Ceuta übte Madina ungewöhnlich scharfe Kritik am Vorgehen der Regierung. Im Radiosender Cadena SER sagte er, es schmerze ihn, dies auszusprechen, doch er könne keinen einzigen Schritt der Regierung in dieser Krise nachvollziehen.
Gleichzeitig machte er eine wichtige Unterscheidung.
Seine Kritik richte sich nicht gegen den PSOE selbst, sondern gegen die Art, wie die derzeitige Koalitionsregierung aufgebaut sei und agiere.
Madina steht deshalb für eine weitere Variante dieses Phänomens: Kritik an Sánchez aus dem Inneren der sozialistischen Tradition heraus, ohne mit dieser Tradition zu brechen.
Keine gemeinsame Front – aber eine sichtbare Veränderung
All diese Namen in einen gemeinsamen politischen Block einzuordnen, wäre falsch.
Lucía Etxebarría hat sich nach jahrelanger PSOE-Wahl zunehmend vom sozialistischen Lager entfernt. Javier Cercas versteht sich weiterhin als demokratischer Sozialist. Antonio Resines bezeichnet sich als Sozialdemokrat und PSOE-Wähler, lehnt aber zentrale Entscheidungen der Regierung ab.
Joaquín Sabinas Enttäuschung betrifft eine wesentlich umfassendere Entwicklung der internationalen Linken. Andrés Trapiello hat sich inzwischen deutlich weiter entfernt. Fernando Savaters Bruch reicht Jahrzehnte zurück. Eduardo Madina wiederum bleibt dem sozialistischen politischen Raum verbunden, kritisiert aber konkrete Entscheidungen der aktuellen Regierung scharf.
Eine organisierte Bewegung dieser Persönlichkeiten gegen Pedro Sánchez gibt es nicht.
Und auch von einer allgemeinen „Flucht der Kulturszene von der Linken“ zu sprechen, wäre angesichts dieser einzelnen Beispiele eine zu weitreichende Schlussfolgerung.
Zu beobachten ist jedoch, dass mehrere prominente Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen linken oder sozialdemokratischen Biografien ihre Differenzen heute öffentlich und teilweise ausgesprochen deutlich formulieren.
Die Gründe dafür sind ebenso unterschiedlich.
Es geht um die Amnestie und die Zusammenarbeit mit separatistischen Parteien, um Korruptionsaffären, den Umgang mit institutionellen Krisen, gesellschaftspolitische Fragen oder – wie bei Sabina – um eine grundsätzlichere Enttäuschung über die Entwicklung der Linken.
Einige haben sich weit von ihrem früheren politischen Umfeld entfernt.
Andere überhaupt nicht.
Was ihre Beispiele aber zeigen: Eine linke oder sozialdemokratische Biografie bedeutet in Spanien heute keineswegs automatisch Unterstützung für Pedro Sánchez und seine Regierung.
