von Elsa Ibanez
Der 5. Januar ist in Spanien ein besonderer Tag. Festlich, emotional, voller Vorfreude – und gleichzeitig einer dieser Tage, an denen man sehr genau überlegen sollte, ob man wirklich noch „kurz etwas erledigen“ möchte.
Schon am Vormittag liegt eine gewisse Spannung in der Luft. Die Städte wirken dichter als sonst, als hätten sich alle abgesprochen, exakt zur gleichen Zeit loszugehen. Vor den Geschäften bilden sich Schlangen, die Geduld ist begrenzt, und im öffentlichen Nahverkehr rückt man Menschen näher, als es gesellschaftlich vorgesehen ist.
Zwischendurch sieht man sie: verzweifelte Eltern, die Verkäuferinnen und Verkäufern die Wunschzettel ihrer Kinder zeigen. Originale Briefe an die Heiligen Drei Könige, leicht zerknittert, mit der leisen Hoffnung, dass „dieses eine Spielzeug“ vielleicht doch noch irgendwo im Lager liegt. Man spürt förmlich das Stoßgebet: Irgendjemand muss das doch noch haben.
Für die Erwachsenen selbst ist die Lage meist überschaubarer. Die Geschenke folgen bewährten Mustern.
Für sie: Parfum – sicher ist sicher.
Für ihn: Socken, die kann man immer gebrauchen.
Mit etwas Glück ein Pyjama.
Keine großen Überraschungen, keine Risiken. Erfahrung schlägt Kreativität.
Wer dann denkt, ein Einkaufszentrum sei der ruhigere Ort, irrt. Dort verdichtet sich alles: letzte Hoffnungen, müde Kinder, volle Restaurants und diese spezielle Nervosität, die entsteht, wenn man weiß, dass die Uhr tickt und der Plan A längst nicht mehr existiert.
Am Nachmittag kommen die Cabalgatas dazu. Wunderschön, ohne Frage. Aber auch mit Straßensperren, Umleitungen und Bussen, die sich anfühlen wie sehr gut besuchte Wohnzimmer.
Ich mag den 5. Januar. Sehr sogar. Aber ich habe gelernt, ihn nicht mit Effizienz zu verwechseln. Es ist ein Tag fürs Beobachten, fürs Schmunzeln – und für den klugen Entschluss, das Chaos anderen zu überlassen.
Denn eines ist sicher: Die Geschenke kommen trotzdem. Und ein Paar Socken hat noch niemandem geschadet.

