Weihnachten in Spanien ist kein einzelnes Fest, sondern ein langer, intensiver Prozess. Er beginnt Wochen vor dem 24. Dezember und endet erst nach dem Dreikönigstag. Wer die Feiertage wirklich wie ein Spanier erleben möchte, sollte diese Abfolge kennen
Redaktion Spanien Press
1. Eine Krippe aufstellen – egal wie klein
Weihnachten beginnt in Spanien mit dem Aufbau der Belén. Größe und Perfektion spielen keine Rolle. Selbst eine kleine Krippe auf einem Regal reicht aus. Das Jesuskind erscheint traditionell erst am Abend des 24. Dezember.

2. Weihnachtslotterie kaufen – „nur für den Fall“
Auch wer sonst nie spielt, kauft im Dezember ein Los. Ein ganzes, ein Zehntel oder eine gemeinsame Teilnahme. Hauptsache dabei sein. Man weiß ja nie.

3. An drei oder vier Weihnachtsessen vor dem 24. teilnehmen
Die Essensphase beginnt früh. Treffen mit Schulfreunden, Kollegen, Cousins oder dem Sportverein – der Anlass ist egal. Ziel ist es, am Heiligabend satt und mit mindestens drei Kilo mehr anzukommen.
4. Geschenke auf den letzten Drücker kaufen
Trotz aller guten Vorsätze werden die Geschenke spät gekauft. Überfüllte Einkaufszentren, volle Straßen, kaum Platz zum Gehen. Man beschwert sich lautstark und schwört: Nächstes Jahr kaufe ich alles früher.
Natürlich passiert das nie.

5. Trauben für die Mitternachtsglocken besorgen
Die Trauben sind wichtig. Sie sollten klein, kernlos und leicht zu essen sein. Zu Hause wird diskutiert, ob sie „für die Glockenschläge taugen“. Jedes Jahr verspricht jemand, sie zu schälen. Es passiert nie.
6. Am 22. Dezember mit Hoffnung aufwachen
Der große Tag der Weihnachtslotterie. Man hört die Kinder von San Ildefonso, prüft Lose und denkt: Vielleicht ja dieses Jahr. Falls nicht, sagt man den klassischen Satz: Hauptsache gesund.

7. Ein großes Heiligabendessen organisieren – mit Gästen in letzter Minute
Das Abendessen am 24. Dezember ist nie klein. Auch wenn zehn Personen geplant sind, werden es am Ende fünfzehn. Kurz vorher ruft noch jemand an: ein Freund, ein Cousin, jemand allein. Kein Problem – ein Stuhl mehr.
8. Sehr spät zu Abend essen
In Spanien beginnt das Heiligabendessen spät und endet noch später. Um zehn Uhr werden oft erst die Vorspeisen serviert. Niemand hat es eilig, die Gespräche dauern Stunden.
9. Um 21 Uhr den Fernseher einschalten – die Weihnachtsansprache des Königs
Auch wenn sie als lang oder wenig spannend empfunden wird: Die Ansprache des Königs gehört dazu. Man hört halb zu, kommentiert, kritisiert – aber man schaut sie.
10. Tage lang diskutieren, wo Silvester gefeiert wird
Ausgehen oder zu Hause bleiben? Ab einem gewissen Alter gewinnt das Sofa, aber bis etwa 38 oder 40 ist die Party noch ein ernstes Thema. Man diskutiert, ändert Pläne mehrfach und entscheidet sich – wie immer – erst in letzter Minute.
11. Streiten, auf welchem Sender man die Glockenschläge sieht
Ein nationaler Klassiker:
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La 1, traditionell und nüchtern.
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Antena 3, bekannt für Cristina Pedroche und ihre spektakulären Outfits.
Einig wird man sich selten.
12. Die Trauben falsch essen – trotz jahrelanger Erfahrung
Jemand ist zu früh, jemand zu spät, jemand bleibt mit Trauben übrig. Egal. Es wird angestoßen und ein gutes neues Jahr gewünscht.
13. Geschenke in zwei Runden verteilen
In Spanien gibt es zwei Bescherungen:
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Am 25. Dezember, oft mit Geschenken vom Weihnachtsmann.
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Am 6. Januar, die wichtigsten – von den Heiligen Drei Königen.
14. Zur Dreikönigsparade gehen – mit Tüte für Bonbons und wenig Hoffnung
Am Abend des 5. Januar geht man zur Cabalgata de Reyes. In großen Städten sucht man verzweifelt einen Platz mit wenig Menschen – ohne Erfolg. Wichtig ist, eine Tüte mitzunehmen, um die Bonbons aufzufangen, die von den Wagen geworfen werden, und innerlich zu hoffen, keinen Bonbon ins Gesicht zu bekommen.

15. Den Roscón kaufen, darüber streiten – und am 6. Januar alles abschließen
Zum Schluss kommt der Roscón de Reyes. Man diskutiert, welchen man kauft, wo er am besten ist und ob er Sahne haben darf oder nicht. Am 6. Januar wird er mit der ganzen Familie gegessen, während die Kinder ihre Geschenke auspacken.

Es ist der Moment, in dem viele – müde, satt und aufgebläht nach fast einem Monat voller Familienessen und Treffen mit Freunden – innerlich dafür beten, dass endlich wieder Normalität einkehrt.
Bis zur nächsten Weihnachten.
