Mehr als eine halbe Million Pilger – Tendenz steigend: Der Jakobsweg vor einem historischen Jahr 2027

Die Kathedrale von Santiago de Compostela ist das traditionelle Ziel des Jakobswegs, denn dort befindet sich nach christlicher Überlieferung das Grab des Apostels Jakobus.

Der Camino de Santiago steuert auf den nächsten Rekord zu. Mehr als 363.000 Pilger haben 2026 bereits Santiago de Compostela erreicht. Und mit dem Heiligen Jakobusjahr 2027 steht Spanien ein außergewöhnliches Pilgerjahr bevor

Redaktion Spanien Press

Der Jakobsweg erlebt einen Boom. Mehr als 363.000 Menschen haben seit Jahresbeginn einen der Wege nach Santiago de Compostela zurückgelegt und dort ihre Compostela abgeholt – die offizielle Pilgerurkunde.

Das sind rund sechs Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Im vergangenen Jahr wurde mit insgesamt 530.724 registrierten Pilgern erstmals die Marke von einer halben Million überschritten. Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, könnte dieser Rekord bereits 2026 wieder fallen.

Besonders interessant ist die Entwicklung mit Blick auf 2027. Dann findet in Santiago de Compostela wieder ein Heiliges Jakobusjahr statt.

Warum 2027 für Santiago so besonders ist

Ein Año Santo Jacobeo, in Spanien und besonders in Galicien auch als Xacobeo bekannt, wird immer dann gefeiert, wenn der 25. Juli, der Festtag des Apostels Jakobus, auf einen Sonntag fällt.

Das nächste Mal ist dies 2027 der Fall.

Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Während des Heiligen Jahres wird die Heilige Pforte der Kathedrale von Santiago geöffnet. Für katholische Pilger besitzt das Jahr eine besondere religiöse Bedeutung, doch der Xacobeo ist inzwischen zugleich ein großes kulturelles und touristisches Ereignis mit Veranstaltungen und Sonderprogrammen in ganz Galicien.

Das letzte Heilige Jahr begann 2021, wurde jedoch von der Corona-Pandemie überschattet und ausnahmsweise bis 2022 verlängert. 2027 wird deshalb das erste reguläre Xacobeo ohne pandemiebedingte Einschränkungen seit 2010.

 

Der Jakobsweg wird immer internationaler

Auch die Zusammensetzung der Pilger hat sich deutlich verändert. Nur noch rund 39 Prozent kommen aus Spanien.

Unter den ausländischen Pilgern liegen 2026 die USA mit 8,5 Prozent vorne, gefolgt von Italien mit 7,7 Prozent, Portugal mit 4,6 Prozent und Deutschland mit 4,3 Prozent.

Damit gehören Deutsche weiterhin zu den größten internationalen Pilgergruppen auf dem Camino.

Auch die bevorzugten Strecken verändern sich. Der berühmte Camino Francés bleibt mit 42,8 Prozent die meistgenutzte Route, hat aber deutlich an Dominanz verloren. 2016 entschieden sich noch rund zwei Drittel aller Pilger für diesen Weg.

Stark aufgeholt haben dagegen die portugiesischen Routen. Der klassische Camino Portugués und die Küstenvariante kommen zusammen inzwischen auf rund 39,1 Prozent.

Santiago spürt die Folgen des Booms

Die wachsenden Besucherzahlen bringen Galicien erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Hotels, Herbergen, Restaurants, Geschäfte und zahlreiche kleinere Orte entlang der Routen profitieren vom Pilgertourismus.

In Santiago selbst wird der Erfolg allerdings zunehmend zur Herausforderung.

Besonders während der Sommermonate sind die Straßen rund um die Kathedrale stark frequentiert, teilweise bilden sich lange Warteschlangen. Die Stadt hat deshalb Maßnahmen ergriffen, um den zunehmenden touristischen Druck auf das historische Zentrum zu begrenzen. Dazu gehören unter anderem eine Touristenabgabe auf Übernachtungen und Regelungen für bestimmte gewerbliche Nutzungen in der Altstadt.

Die Dimension des Wachstums zeigen auch die Monatszahlen: Im August 2022 wurden mit 85.755 ausgestellten Compostelas so viele Pilger innerhalb eines Monats registriert wie nie zuvor. Im September 2025 waren es 81.535, im Mai 2026 bereits 80.037.

2027 dürfte noch voller werden

Für das kommende Heilige Jahr rechnen Santiago und Galicien mit besonders vielen Besuchern. Der ohnehin wachsende internationale Pilgertourismus trifft dann auf ein Ereignis, das nur in bestimmten Jahren stattfindet.

Wer den Camino 2027 gehen möchte, sollte deshalb vor allem während der beliebten Frühlings- und Sommermonate frühzeitig planen.

Der mehr als tausend Jahre alte Pilgerweg hat sich längst von einer vorwiegend religiösen Route zu einem internationalen Phänomen entwickelt. Menschen kommen heute aus aller Welt nach Santiago – aus Glauben, aus sportlichem Ehrgeiz, auf der Suche nach einer persönlichen Auszeit oder einfach, um einen der berühmtesten Wege Europas selbst zu erleben.

Und 2027 könnte dabei zu einem der außergewöhnlichsten Jahre in der Geschichte des modernen Camino de Santiago werden.

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