Valencia arbeitet nach einem heftigen Unwetter an der Rückkehr zur Normalität. Intensive Regenfälle hatten am vergangenen Mittwoch in der Stadt und ihrem Umland Straßen überflutet, Bäume zu Fall gebracht und den Verkehr erheblich beeinträchtigt. Die Auswirkungen waren auch am Donnerstag noch deutlich spürbar: Fast 95.000 Schülerinnen und Schüler konnten nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Insgesamt registrierten die Einsatzkräfte mehr als 1.000 Vorfälle. Neben überfluteten Straßen und Gebäuden mussten sie sich um blockierte Verkehrswege, Wassereinbrüche und Schäden an der Infrastruktur kümmern. Gleichzeitig wurde der öffentliche Verkehr schrittweise wieder aufgenommen.
1.084 Vorfälle in Valencia und Umgebung
Die Stadt Valencia und ihr Umland verzeichneten während des Unwetters zahlreiche Einsätze. Nach Angaben des Notfall-Koordinationszentrums der Regionalregierung wurden zwischen Mittwoch, 14 Uhr, und Donnerstag, 18 Uhr, insgesamt 1.084 Vorfälle im Zusammenhang mit den heftigen Regenfällen bearbeitet. Davon entfielen 684 auf die Stadt Valencia.
In der Stadt selbst mussten die Feuerwehr und die örtliche Polizei zahlreiche Meldungen bearbeiten. Die Feuerwehr rückte zu rund 250 Einsätzen aus, während die Policía Local 211 Meldungen erhielt.
Im Mittelpunkt standen vor allem Sachschäden im öffentlichen Raum, überflutete Gebäude, Wassereinbrüche, Verkehrsprobleme und Fahrzeuge, die im Wasser stecken geblieben waren. Auch Rettungseinsätze waren erforderlich.
Besonders viele Vorfälle wurden neben Valencia in Torrent registriert. Dort waren es 77. In Paterna wurden 30 Einsätze gezählt, in l’Eliana und Moncada jeweils 28 sowie in Bétera 26.
81 Liter Regen pro Quadratmeter
Die heftigen Niederschläge trafen Valencia am Mittwochabend mit großer Intensität. In der Stadt wurden 81 Liter Regen pro Quadratmeter registriert. In anderen Orten der Provinz fiel innerhalb kurzer Zeit noch mehr Wasser.
Besonders betroffen war die Metropolregion. In Torrent kam es zu Überschwemmungen und Rettungseinsätzen, nachdem Menschen in Fahrzeugen eingeschlossen worden waren. Auch in weiteren Gemeinden wurden Straßen und Garagen überflutet.
Der Starkregen wurde von Gewittern, Hagel und starken Windböen begleitet. Die Kombination aus den Niederschlägen und dem Wind führte zu erheblichen Beeinträchtigungen im öffentlichen Raum.
Fast 95.000 Schüler ohne Präsenzunterricht
Die Auswirkungen des Unwetters machten sich auch im Bildungsbereich bemerkbar. In insgesamt 13 Gemeinden der Provinzen Valencia und Alicante fiel der Präsenzunterricht für rund 94.800 Schülerinnen und Schüler aus. Die Maßnahmen sollten angesichts der Wetterlage und möglicher Überschwemmungen die Sicherheit gewährleisten.
Auch die Universitäten reagierten auf die Situation. Die Universität Valencia und weitere Hochschulen stellten Lehrveranstaltungen teilweise auf Online-Unterricht um.
Bereits vor dem Höhepunkt des Unwetters hatten die Behörden vorsorglich Einrichtungen geschlossen. In Valencia waren unter anderem Schulen in besonders gefährdeten Gebieten betroffen. Auch Parks, Gärten und weitere öffentliche Einrichtungen wurden zeitweise gesperrt.
Öffentlicher Verkehr schrittweise wieder aufgenommen
Der Starkregen brachte den öffentlichen Verkehr in der Region zeitweise erheblich durcheinander. Metrovalencia musste den Betrieb unterbrechen, während auch die Cercanías-Züge von Ausfällen und Verspätungen betroffen waren. Am Donnerstag wurde der Betrieb schrittweise wieder aufgenommen. Dennoch kam es weiterhin zu Einschränkungen und Verzögerungen.
Auch der Flughafen Valencia in Manises war zeitweise betroffen. Wegen der starken Regenfälle wurde der Betrieb vorübergehend eingeschränkt. Flüge mussten umgeleitet werden oder konnten nicht wie geplant stattfinden.
Auf den Straßen sorgten überflutete Tunnel, blockierte Fahrzeuge und umgestürzte Bäume für zusätzliche Probleme. Die Einsatzkräfte arbeiteten daran, die betroffenen Verkehrswege wieder freizugeben und die Schäden zu beseitigen.
Umgestürzte Bäume und gesperrte Grünanlagen
Neben den Überschwemmungen hinterließ das Unwetter auch im Stadtgebiet sichtbare Schäden. Bäume und größere Äste stürzten um und mussten von den Einsatzkräften beseitigt werden.
Der Jardín del Turia, eine der bekanntesten Grünanlagen Valencias im ehemaligen Flussbett, blieb zunächst geschlossen. Die Stadt konzentrierte sich auf die Aufräumarbeiten und die Überprüfung der betroffenen Bereiche.
Erinnerungen an die DANA-Katastrophe von 2024
Die erneuten Überschwemmungen weckten in mehreren Gemeinden Erinnerungen an die verheerende DANA vom 29. Oktober 2024. Besonders in Orten wie Paiporta, Catarroja, Chiva, Torrent und Benetússer lösten die Wassermassen große Besorgnis aus.
Der Barranco del Poyo und weitere Wasserläufe führten erneut viel Wasser. In Paiporta wurde unter anderem eine Garage überflutet, nachdem eine Mauer durch einen Erdrutsch beschädigt worden war.
Die aktuellen Ereignisse verdeutlichten damit erneut die Verwundbarkeit bestimmter Gebiete gegenüber extremen Niederschlägen. Das Ausmaß der damaligen Katastrophe von 2024 darf jedoch nicht mit den bislang bekannten Folgen dieses Unwetters gleichgesetzt werden.
Streit um den Zeitpunkt der Es-Alert-Warnung
Neben den Aufräumarbeiten entwickelte sich eine politische Debatte über den Zeitpunkt der Warnung an die Bevölkerung. Die Es-Alert-Nachricht wurde am Mittwochabend kurz nach 22 Uhr verschickt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zahlreiche Straßen überflutet. Der valencianische Regierungschef Juanfran Pérez Llorca verteidigte das Vorgehen der Behörden. Er verwies auf technische Kriterien und erklärte, die Warnungen seien rechtzeitig und ordnungsgemäß erfolgt.
Die Oppositionsparteien PSPV und Compromís kritisierten dagegen den Zeitpunkt der Warnung. Auch die Asociación de Víctimas Mortales de la DANA äußerte Zweifel daran, ob die Nachricht noch rechtzeitig dazu beitragen konnte, Menschen aus gefährdeten Bereichen zu bringen.
Die Auseinandersetzung berührt damit eine zentrale Frage des Katastrophenschutzes: Wann müssen Warnmeldungen verschickt werden, wenn sich die Wetterlage innerhalb kurzer Zeit verschärft und Überschwemmungen bereits begonnen haben?
Weitere Unwetter in der Region
Während sich Valencia und sein Umland am Donnerstag langsam erholten, verlagerte sich das Unwetter in andere Teile der Region. Insbesondere in der Provinz Alicante wurden weitere starke Niederschläge registriert.
In El Pinós fielen bei einem örtlich begrenzten Gewitter rund 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch in der Marina Alta wurden größere Niederschlagsmengen gemeldet. Die Behörden setzten ihre Überwachung der Wetterlage fort. Gleichzeitig liefen die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden und zur Wiederherstellung der Infrastruktur weiter.
