Der tägliche Weg zur Arbeit kostet Beschäftigte in der Provinz Málaga nicht nur Zeit, sondern auch einen erheblichen Teil ihres Einkommens. Laut einem Bericht der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CC OO) benötigen Arbeitnehmer im Durchschnitt rund 40 Minuten täglich für den Arbeitsweg. Die Fahrtkosten können je nach Wohnort mehrere Hundert Euro im Monat betragen – in Einzelfällen sogar bis zu 1.000 Euro.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Gewerkschaft fordert deshalb eine bessere Verkehrsanbindung, kurzfristige Entlastungsmaßnahmen und Fahrtkostenzuschüsse, die sich stärker an den tatsächlichen Kosten orientieren.
Arbeitsweg verlängert den Arbeitstag und belastet das Gehalt
„Zur Arbeit zu fahren kostet Zeit“, erklärte Fernando Cubillo, Generalsekretär von CC OO Málaga, bei der Vorstellung des Berichts. Im Durchschnitt kämen rund 40 Minuten täglicher Arbeitsweg zur regulären Arbeitszeit hinzu. Die Gewerkschaft beziffert die zusätzliche zeitliche Belastung auf etwa 15 Prozent.
Auch finanziell sei das Pendeln eine erhebliche Herausforderung: Nach Berechnungen von CC OO verschlingen die Fahrtkosten durchschnittlich rund 15 Prozent des Einkommens. Besonders hart treffe dies Beschäftigte mit niedrigen Löhnen.
Laut den von der Gewerkschaft angeführten Zahlen verfügen 42,5 Prozent der abhängig Beschäftigten in der Provinz – mehr als 314.000 Menschen – über Arbeitseinkommen von kaum mehr als 620 Euro monatlich. Weitere 38 Prozent, rund 280.000 Beschäftigte, verdienen demnach durchschnittlich etwa 1.300 Euro im Monat.
Für Menschen mit einem niedrigen Einkommen könne bereits ein vergleichsweise kurzer Arbeitsweg einen großen Teil des verfügbaren Geldes aufzehren. „Man muss sich gut überlegen, ob man unter diesen Umständen eine Stelle annimmt“, sagte Cubillo.
Fahrtkosten steigen mit der Entfernung zum Arbeitsplatz
Wie stark sich der Arbeitsweg auf das monatliche Budget auswirkt, hängt laut CC OO vor allem vom Wohnort ab. Die Gewerkschaft hat die Kosten für Fahrten aus verschiedenen Gemeinden in die Hauptstadt berechnet. Grundlage ist eine Kilometerpauschale von 0,26 Euro, die die spanische Regierung für beruflich bedingte Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug festlegt.
Wer beispielsweise aus Torremolinos, Alhaurín de la Torre, Benalmádena, Rincón de la Victoria oder Cártama nach Málaga pendelt, muss nach diesen Berechnungen mit rund 200 Euro monatlich rechnen. Aus Fuengirola, Pizarra oder Mijas steigen die Kosten auf etwa 350 Euro.
Für Beschäftigte aus Coín, Álora oder Vélez-Málaga können sie sich auf rund 450 Euro belaufen. Bei längeren Strecken – etwa aus Antequera, Marbella, Archidona, Nerja oder Campillos – nennt die Gewerkschaft rund 650 Euro im Monat. Wer täglich aus Estepona oder Ronda nach Málaga fährt, könne sogar bis zu 1.000 Euro für den Arbeitsweg aufwenden.
Für Beschäftigte, die nur rund 620 Euro monatlich verdienen, seien bereits 200 Euro Fahrtkosten eine enorme Belastung. Bei längeren Pendelstrecken könne der Arbeitsweg einen Großteil des Einkommens verschlingen.
Hohe Wohnkosten verschärfen das Pendlerproblem
CC OO sieht einen engen Zusammenhang zwischen den steigenden Wohnkosten und den zunehmenden Belastungen durch den Arbeitsweg. Viele Menschen könnten sich das Leben in Málaga oder in stark vom Tourismus geprägten Gemeinden nicht mehr leisten und müssten deshalb in weiter entfernte Orte ziehen.
Gleichzeitig konzentriert sich ein großer Teil der Arbeitsplätze in der Provinz auf die Hauptstadt und die Costa del Sol. Nach Angaben der Gewerkschaft befinden sich dort rund 82 Prozent der Beschäftigung. Auch 79 Prozent der im vergangenen Jahr neu geschaffenen Arbeitsplätze seien in diesen Gebieten entstanden.
Die Folge: Viele Arbeitnehmer müssen aus anderen Teilen der Provinz anreisen. Besonders häufig kämen Pendler aus den Regionen Antequera und Guadalhorce, aber auch aus der Axarquía und der Gegend um Ronda.
Cubillo kritisierte, dass Beschäftigte, die aufgrund hoher Mieten aus Málaga wegziehen müssen, anschließend einen erheblichen Teil ihres Gehalts für den täglichen Weg zurück in die Stadt ausgeben. Damit werde die Wohnungsfrage zugleich zu einer Frage der Mobilität und der sozialen Belastung.
Gewerkschaft fordert höhere Fahrtkostenzuschüsse
Ein weiteres Problem sieht CC OO in den Tarifverträgen. Nach Angaben der Gewerkschaft sehen die meisten Vereinbarungen keine Fahrtkostenzuschüsse vor. Wo solche Leistungen existieren, seien sie häufig zu niedrig oder würden pauschal in gleicher Höhe an alle Beschäftigten ausgezahlt – unabhängig davon, wie weit diese vom Arbeitsplatz entfernt wohnen.
CC OO Málaga will das Thema deshalb in diesem Jahr stärker in den Mittelpunkt der Tarifverhandlungen rücken. Ein konkretes Beispiel ist die laufende Verhandlung über den Tarifvertrag im Automobilsektor. Dort fordert die Gewerkschaft monatliche Zuschüsse von 300 oder 450 Euro, abhängig vom Wohnort der Beschäftigten.
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung sollten Fahrtkostenzuschüsse die tatsächlichen Belastungen stärker berücksichtigen, statt alle Beschäftigten gleich zu behandeln, obwohl ihre Pendelwege sehr unterschiedlich ausfallen.
Pendeln belastet auch die Gesundheit
Neben Zeit und Geld wirke sich der tägliche Arbeitsweg auch auf die Gesundheit der Beschäftigten aus, betonte Cubillo. Die Gewerkschaft verweist dabei auf Zahlen der Junta de Andalucía.
Demnach wurden in der Provinz Málaga in diesem Jahr 2.309 Arbeitsunfälle auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause registriert. Rund 85 Prozent davon ereigneten sich in der Stadt Málaga und in den Gemeinden der Costa del Sol. Außerdem entfalle etwa jeder vierte Wegeunfall in Andalusien auf Málaga.
Wie sich lange Arbeitswege und ungünstige Arbeitszeiten im Alltag auswirken können, schilderte Cubillo anhand einer Kellnerin, die in einem Restaurant im Stadtteil Soho arbeitet und aus Vélez-Málaga pendelt. Nach seinen Angaben zahlt sie rund 450 Euro monatlich für den Arbeitsweg und zusätzlich etwa 100 Euro für einen Parkplatz. Bei geteilten Arbeitszeiten müsse sie ihre Pause teilweise im Auto verbringen.
Málaga wächst – die Verkehrsinfrastruktur hält nicht Schritt
Die Gewerkschaft sieht die Mobilitätsprobleme auch als Folge einer Entwicklung, bei der die Stadt und ihre Arbeitsstandorte stark gewachsen sind, während Verkehrsanbindungen und Infrastruktur nicht im gleichen Maß ausgebaut wurden.
Trinidad Salcedo, Sekretärin für Sozialpolitik und Umwelt bei CC OO Málaga, verwies auf die hohe Zahl von Beschäftigten im Málaga Tech Park. Dort arbeiteten im Jahr 2025 insgesamt 29.018 Menschen. Zugleich bewältigt die A-357 auf der Zufahrt nach Málaga nach den von der Gewerkschaft genannten Zahlen rund 74.000 Fahrzeuge täglich.
Auch der Schienenverkehr spielt eine wichtige Rolle: Das Cercanías-Netz verzeichnete 2025 mehr als 15,5 Millionen Fahrgäste. Fast die Hälfte davon entfiel laut CC OO auf die Linie C-1 zwischen Málaga und Fuengirola, die weiterhin auf einer eingleisigen Strecke verkehrt.
Für die Gewerkschaft zeigen diese Zahlen, dass die Mobilitätsplanung nicht allein auf einzelne Unternehmen beschränkt bleiben darf. Vielmehr brauche es gemeinsame Lösungen für ganze Wirtschafts- und Arbeitsstandorte.
Unternehmen sollen gemeinsame Mobilitätspläne entwickeln
CC OO erinnert daran, dass Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten Mobilitätspläne erstellen müssen. Die Gewerkschaft fordert, diese Vorgaben insbesondere in Málaga konsequent aufzugreifen und über einzelne Betriebe hinaus zu denken.
Als wichtige Standorte nennt sie den Málaga Tech Park, das Flughafengebiet sowie El Viso-Guadalhorce. Für solche Gebiete sollten übergreifende Pläne entstehen, an denen Unternehmen, Behörden, Verkehrsverbünde und Arbeitnehmervertretungen beteiligt sind.
Die Planung müsse sich auf Befragungen der Beschäftigten stützen. Dabei solle ermittelt werden, wo sie wohnen, welche Strecken sie zurücklegen, welche Arbeitszeiten gelten und ob ihnen ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung steht.
Salcedo betonte, dass Málaga zwar stark gewachsen sei, Mobilität und Infrastruktur jedoch nicht entsprechend mitgewachsen seien. Die Stadt sei zu einem begehrten, zugleich aber auch exklusiven Standort geworden.
Gewerkschaft drängt auf kurzfristige Entlastung
CC OO fordert sowohl langfristige Infrastrukturprojekte als auch Maßnahmen, die möglichst schnell umgesetzt werden können. Beschäftigte könnten nicht darauf verwiesen werden, ein Jahrzehnt auf Verbesserungen zu warten, während sie schon heute unter langen und teuren Arbeitswegen leiden.
Zu den langfristigen Forderungen zählen der Ausbau des Cercanías-Netzes, Fortschritte beim Eisenbahnkorridor entlang der Costa del Sol sowie die Prüfung einer Bahnverbindung zwischen Coín und Marbella. Außerdem nennt die Gewerkschaft weitere Maßnahmen an der A-357, die Entwicklung der westlichen Verteilerstraße und die Verbesserung wichtiger Verkehrsknotenpunkte.
Kurzfristig schlägt CC OO unter anderem mehr Busse, längere Betriebszeiten und Expressverbindungen vor. Auch Zubringerbusse zu Cercanías und Metro, spezielle Bus- und Fahrgemeinschaftsspuren, betriebliche Sammeltransporte sowie die Förderung von Fahrgemeinschaften sollen helfen.
Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft eine bessere Abstimmung von Arbeitszeiten und mehr Möglichkeiten für Telearbeit.
Pendeln wird zur sozialen und wirtschaftlichen Herausforderung
Der Bericht von CC OO macht deutlich, dass die Mobilitätsprobleme in Málaga weit über verstopfte Straßen hinausgehen. Für viele Beschäftigte bedeutet der Weg zur Arbeit zusätzliche Arbeitszeit, hohe monatliche Ausgaben und eine Einschränkung ihrer Lebensqualität.
Besonders betroffen sind Menschen, die sich das Wohnen in der Stadt Málaga nicht mehr leisten können und deshalb in umliegende Gemeinden ziehen müssen, während sie weiterhin auf Arbeitsplätze in Málaga oder an der Costa del Sol angewiesen sind.
Die Gewerkschaft fordert deshalb ein Zusammenspiel aus besseren öffentlichen Verkehrsangeboten, langfristigem Infrastrukturausbau und einer stärkeren Berücksichtigung der Fahrtkosten in Tarifverträgen. Ziel sei es, die Beschäftigten kurzfristig zu entlasten und den täglichen Weg zur Arbeit bezahlbarer und besser planbar zu machen.
