Der Einkauf im Supermarkt ist für viele Haushalte in Spanien deutlich teurer geworden. Nach einer aktuellen Untersuchung der Organización de Consumidores y Usuarios (OCU) ist der Preis des untersuchten Warenkorbs seit 2021 um durchschnittlich 39,5 Prozent gestiegen. Allein im Vergleich zum Vorjahr legten die Preise noch einmal um 1,8 Prozent zu.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Besonders stark haben sich einige alltägliche Produkte verteuert. Gemahlener Kaffee kostet laut OCU inzwischen 142 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Bei Eiern der Größe M beträgt der Anstieg 135 Prozent, bei Größe L 123 Prozent. Auch eine Tafel Milchschokolade ist mit einem Plus von 101 Prozent mittlerweile mehr als doppelt so teuer wie 2021.
Frische Lebensmittel treiben die Preise weiter nach oben
Auch bei frischen Lebensmitteln setzt sich die Preissteigerung fort. Im aktuellen Untersuchungszeitraum verteuerten sich diese Produkte durchschnittlich um 4,7 Prozent.
Besonders deutlich war der Anstieg beim Fisch mit 8,6 Prozent. Fleisch wurde durchschnittlich 3,7 Prozent teurer, Obst und Gemüse legten um 3,5 Prozent zu. Damit sind gerade Lebensmittel betroffen, die einen wichtigen Bestandteil des täglichen Einkaufs in Spanien ausmachen.
Auch einzelne Produkte verzeichneten innerhalb eines Jahres besonders starke Preissteigerungen. Tomaten verteuerten sich um 33,2 Prozent, Blumenkohl um 22,8 Prozent und Auberginen um 20,4 Prozent. Beim Gallo de ración, einem in Spanien verbreiteten Fisch, lag der Anstieg bei 19,4 Prozent.
Allerdings entwickelten sich nicht alle Preise in dieselbe Richtung. Kartoffelpüree wurde laut OCU um 14,8 Prozent günstiger, Artischocken um 15,1 Prozent und Bananen um 22,6 Prozent. Auch Papierservietten verbilligten sich deutlich.
61,8 Prozent der untersuchten Produkte wurden teurer
Insgesamt stellte die Verbraucherorganisation fest, dass 61,8 Prozent der Produkte im Warenkorb 2026 teurer geworden sind. Gleichzeitig sanken bei anderen Produkten die Preise.
Für die Untersuchung erfasste die OCU 101.520 Preise in 690 Geschäften und untersuchte die Preisentwicklung in 189 Städten. Der Warenkorb umfasst 244 Produkte aus bis zu 80 Kategorien – darunter frische und verpackte Lebensmittel sowie Produkte für Hygiene, Haushalt und Reinigung. Berücksichtigt wurden sowohl Markenprodukte als auch Eigenmarken.
Preissteigerungen haben sich verlangsamt – das Preisniveau bleibt aber hoch
Die aktuellen Zahlen zeigen zugleich, dass sich die Geschwindigkeit der Preissteigerungen gegenüber den vergangenen Jahren abgeschwächt hat. Im vergangenen Jahr lag der Anstieg des OCU-Warenkorbs noch bei 2,5 Prozent, aktuell sind es 1,8 Prozent.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Preise wieder auf das frühere Niveau zurückgekehrt sind. Vielmehr bleiben die während der vergangenen Inflationsphase erreichten Preise bestehen. Die OCU sieht darin weiterhin eine Belastung für die Kaufkraft der spanischen Haushalte.
Bis zu 1.310 Euro Ersparnis durch den richtigen Supermarkt
Für Verbraucher gibt es laut Untersuchung allerdings eine Möglichkeit, die Kosten zu reduzieren: ein Vergleich der Supermärkte. Wer seinen Einkauf gezielt bei günstigeren Anbietern erledigt, kann laut OCU durchschnittlich bis zu 1.310 Euro pro Jahr sparen. Das entspricht rund 20 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Ausgaben für den untersuchten Warenkorb von etwa 6.602 Euro.
Wie groß das Sparpotenzial ist, hängt stark vom jeweiligen Wohnort ab. In Madrid beträgt der mögliche Unterschied zwischen dem günstigsten und teuersten untersuchten Geschäft sogar bis zu 4.381 Euro pro Jahr. In Mieres in Asturien liegt die Differenz dagegen lediglich bei rund 381 Euro.
Dani, Family Cash und Tifer unter den günstigsten Ketten
Beim Vergleich der Supermarktketten führt Supermercados Dani das OCU-Ranking 2026 an. Dahinter folgen Family Cash, Tifer, Alcampo und Supeco. Der günstigste einzelne untersuchte Standort war ein Alcampo-Markt im Einkaufszentrum Bonaire in Aldaia bei Valencia.
Auf der anderen Seite des Preisvergleichs steht Sánchez Romero. Auch Hipercor, El Corte Inglés und Supercor gehören laut Untersuchung zu den teureren Anbietern.
Bei den größeren Ketten zeigt sich allerdings ebenfalls Bewegung. Lidl war 2026 in 60 der untersuchten Orte die günstigste Option – deutlich häufiger als im Vorjahr. Auch Mercadona und Supeco konnten ihre Position in mehreren Städten verbessern.
Valencia gilt als günstigste Region
Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. Die Comunidad Valenciana weist laut OCU das niedrigste durchschnittliche Preisniveau auf. Danach folgen Murcia und Asturien.
Zu den teureren Regionen zählen unter anderem Castilla-La Mancha, Castilla y León, Katalonien, das Baskenland, La Rioja, Navarra und Kantabrien.
Bei den einzelnen Städten schneiden Torrent, Villarreal und Santa Pola besonders günstig ab. Zu den Städten mit den höchsten durchschnittlichen Preisen gehören dagegen Getxo, Pozuelo de Alarcón, Majadahonda und Cerdanyola del Vallès.
OCU fordert Entlastung bei der Mehrwertsteuer
Angesichts der weiterhin hohen Lebensmittelpreise fordert die OCU politische Maßnahmen zur Entlastung der Verbraucher. Die Organisation spricht sich insbesondere dafür aus, die Mehrwertsteuer auf grundlegende Lebensmittel von derzeit vier auf null Prozent zu senken.
Nach Ansicht der Verbraucherorganisation sollte eine solche Regelung auch Fleisch und Fisch umfassen. Die OCU verweist darauf, dass diese Produkte für einen erheblichen Teil der Familien finanziell schwer zu bewältigen seien.
Der aktuelle Bericht zeigt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Preissteigerungen haben sich verlangsamt, doch das allgemeine Preisniveau im Supermarkt liegt weiterhin deutlich über dem von vor fünf Jahren. Für Verbraucher bleibt deshalb vor allem der Vergleich der verschiedenen Supermärkte eine Möglichkeit, die monatlichen Ausgaben zu begrenzen.
