Nicht nur Immobilien, gepfändete Autos oder vergessene Koffer kommen in Spanien unter den Hammer. Manchmal sind es sogar ganze Flugzeuge. Wer schon immer davon geträumt hat, eine eigene Maschine zu besitzen, sollte jetzt genauer hinschauen. Auf Mallorca sollen sieben Flugzeuge öffentlich versteigert werden – darunter eine historische Antonow AN-2 aus sowjetischer Produktion. Doch eine Frage drängt sich auf: Wie kann man eigentlich ein Flugzeug einfach zurücklassen?
Redaktion Spanien Press
Bei öffentlichen Versteigerungen in Spanien denkt man normalerweise an Wohnungen, Grundstücke, Fahrzeuge oder Fundgegenstände, die niemand abgeholt hat. Was jetzt im spanischen Staatsanzeiger Boletín Oficial del Estado (BOE) veröffentlicht wurde, ist allerdings deutlich ungewöhnlicher: Gleich sieben Flugzeuge stehen auf dem Flughafen Son Bonet auf Mallorca und gelten rechtlich als vermutlich aufgegeben.
Ja, sieben komplette Flugzeuge. Und keineswegs Modellflugzeuge.
Die am 3. November 2026 veröffentlichte Bekanntmachung betrifft Maschinen bekannter Hersteller wie Cessna, Piper und Socata. Besonders auffällig ist jedoch ein Flugzeug, das aus einer anderen Epoche zu stammen scheint: eine Antonow AN-2, ein sowjetischer Doppeldecker mit einer bemerkenswerten Geschichte.
Von der kleinen Cessna bis zur sowjetischen Antonow
Die sieben Flugzeuge sollen in zwei Losen versteigert werden.
Das erste Los umfasst drei Maschinen: eine Cessna C172 (Kennzeichen EC-ERT), eine Piper PA22 (EC-JMM) sowie die wohl ungewöhnlichste Maschine der gesamten Versteigerung, eine Antonow AN-2 mit dem Kennzeichen UR-84627.
Die Antonow ist ein echter Klassiker der Luftfahrtgeschichte. Der robuste Doppeldecker wurde in der Sowjetunion entwickelt und ist an seinen beiden übereinanderliegenden Tragflächen sofort zu erkennen. Das Flugzeug wurde über Jahrzehnte für den Transport von Passagieren und Fracht, für landwirtschaftliche Einsätze und für Flüge zu abgelegenen Regionen eingesetzt.
Eine Besonderheit: Die Antonow AN-2 kann auch auf vergleichsweise kurzen und wenig ausgebauten Start- und Landebahnen operieren.
Das zweite Los besteht aus vier weiteren Flugzeugen: einer Piper Cherokee Arrow II (EC-CZH), einer Cessna C172 (EC-EPS), einer weiteren Piper (EC-DOJ) sowie einer Socata TB-9 (EC-JZB).
Insgesamt stehen damit zwei Cessna-Maschinen, drei Piper-Flugzeuge, eine Socata und eine historische Antonow zur Versteigerung.
Vor allem Letztere dürfte bei Sammlern und Liebhabern klassischer Flugzeuge Interesse wecken.
Aber mal ehrlich: Wer lässt ein Flugzeug einfach stehen?
Das ist vermutlich die spannendste Frage an dieser Geschichte.
Einen Koffer am Flughafen zu vergessen, kann passieren. Vielleicht auch ein Auto, das nach Jahren nicht mehr abgeholt wird. Aber ein ganzes Flugzeug?
Was zunächst unglaublich klingt, hat häufig ganz praktische und vor allem finanzielle Hintergründe.
Denn ein Flugzeug zu besitzen, bedeutet nicht nur Freiheit über den Wolken, sondern auch erhebliche laufende Kosten.
Stellplatzgebühren, Versicherungen, Wartungsarbeiten, technische Kontrollen und notwendige Reparaturen können schnell hohe Summen erreichen.
Kommt eine größere technische Störung hinzu, kann die Wiederherstellung der Flugtauglichkeit unter Umständen teurer werden als der tatsächliche Marktwert der Maschine.
Auch wirtschaftliche Schwierigkeiten oder ungeklärte administrative Fragen können dazu führen, dass Flugzeuge über lange Zeit am Boden bleiben.
Irgendwann lohnt es sich für einen Eigentümer möglicherweise nicht mehr, die Maschine wieder in Betrieb zu nehmen.
Ob einer dieser Gründe auf die sieben Flugzeuge auf Mallorca zutrifft, ist allerdings nicht bekannt.
Die amtliche Bekanntmachung nennt weder die bisherigen Eigentümer noch die Dauer, seit der die Maschinen auf dem Flughafen Son Bonet stehen. Auch die konkreten Umstände des vermuteten Verlassens werden nicht erläutert.
Was kostet ein verlassenes Flugzeug?
Wer jetzt bereits vom eigenen Flugzeug träumt, muss sich noch etwas gedulden.
Denn die vielleicht wichtigste Information fehlt bislang: der Preis.
Die spanischen Behörden haben weder Startpreise noch individuelle Schätzwerte oder Mindestgebote veröffentlicht.
Auch ein konkreter Termin für die Abgabe von Angeboten steht noch nicht fest. Diese Informationen sollen erst mit den endgültigen Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden.
Ebenso wenig ist derzeit öffentlich dokumentiert, in welchem technischen Zustand sich die einzelnen Maschinen befinden.
Und genau hier liegt das mögliche Risiko für Käufer.
Ein Flugzeug, das möglicherweise jahrelang nicht bewegt wurde, benötigt unter Umständen umfangreiche Wartungsarbeiten, neue technische Prüfungen, eine Überprüfung seiner Unterlagen und entsprechende Genehmigungen, bevor es überhaupt wieder starten darf.
Ein vermeintliches Schnäppchen kann sich deshalb schnell als kostspieliges Restaurierungsprojekt entpuppen.
Sieben Flugzeuge warten auf einen neuen Besitzer
Die Versteigerung erfolgt auf Grundlage des spanischen Luftfahrtgesetzes, das besondere Verfahren für Flugzeuge vorsieht, die rechtlich als vermutlich aufgegeben gelten.
Die Bekanntmachung wurde von der Direktorin des Flughafens Son Bonet, Isabel Mendiguchía González, unterzeichnet und am 3. November im spanischen Staatsanzeiger veröffentlicht.
Nun bleibt abzuwarten, wann die konkreten Versteigerungsbedingungen und Preise bekannt gegeben werden.
Fest steht: Während viele Menschen in Spanien nach günstigen Immobilien aus Zwangsversteigerungen suchen, stehen auf Mallorca sieben Flugzeuge, die auf einen neuen Eigentümer warten.
Denn wer hätte gedacht, dass man in Spanien nicht nur ein Haus, ein Auto oder ein Grundstück ersteigern kann – sondern mit etwas Glück sogar eine historische sowjetische Antonow?
Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings: Bevor man vom ersten Flug über das Mittelmeer träumt, sollte man besser herausfinden, ob die Maschine überhaupt noch fliegen kann.