9. April 2025
Lesezeit 1 Minute

Costa Blanca im Visier: Organisierte Hausbesetzerbanden verkaufen Schlüssel zu fremden Wohnungen für Tausende Euro

Spanien Press

Von der Ferienwohnung zum Schwarzmarkt-Objekt – eine neue Welle organisierter Kriminalität erschüttert Spaniens Küstenregionen. Besonders betroffen: die Costa Blanca.

Während sich die Strände langsam mit ersten Sonnenhungrigen füllen, operieren im Hintergrund kriminelle Netzwerke mit einer überraschenden Raffinesse. Sie machen sich die Ruhe der Nebensaison zunutze, spähen leerstehende Immobilien aus – oft Ferienwohnungen ausländischer Eigentümer – und verwandeln sie über Nacht in illegale Verkaufsobjekte.

Der Modus Operandi: systematisch und dreist

Die Masche ist ebenso einfach wie perfide. Zunächst suchen sogenannte „Scouts“ gezielt nach Anzeichen von Abwesenheit: keine Vorhänge bewegt, kein Licht, kein Geräusch. Wenn ein Objekt als „sicher“ eingestuft wird, brechen die Täter ein und tauschen das Türschloss gegen ein neues aus.

Doch damit nicht genug: Die so eroberten Wohnungen werden nicht selbst genutzt, sondern zu Geld gemacht. Die neuen Schlüssel werden für Preise zwischen 1.000 und 3.000 Euro an Dritte verkauft – meist an Personen, die glauben, ein legales Mietangebot gefunden zu haben. Einige ahnen erst Wochen später, dass sie in einer fremden Wohnung leben.

„Sie haben mir gesagt, es sei eine Langzeitmiete direkt vom Eigentümer. Alles sah offiziell aus“, berichtet ein Mann, der inzwischen von der Polizei zur Räumung aufgefordert wurde.

Ferienidylle in Gefahr

Betroffen sind vor allem Küstenorte wie Dénia, Alicante und Torrevieja – Orte, an denen viele Immobilien zeitweise leer stehen. Die Polizei berichtet von einer Zunahme solcher Fälle seit Anfang des Jahres. Besonders beunruhigend: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um organisierte Strukturen.

Laut Recherchen der Spanish Eye und The Olive Press operieren einige dieser Gruppen mit einer beinahe unternehmerischen Effizienz: eigene Fahrer, Schlossaustauscher, Vermittler, teilweise sogar gefälschte Mietverträge.

Gesetzgebung: zwischen Schutz und Bürokratie

Spanien hat in den letzten Jahren versucht, mit dem sogenannten „Anti-Okupa-Gesetz“ gegenzusteuern. Dieses Gesetz soll die Räumung illegal besetzter Immobilien beschleunigen und Eigentümer besser schützen. Dennoch berichten viele Betroffene von monatelangen Verfahren und rechtlichem Graubereich – vor allem, wenn die Besetzer behaupten, Mieter zu sein.

Was Eigentümer tun können

Behörden und Rechtsexperten raten zu folgenden Maßnahmen:

  • Technische Sicherung: Alarmanlagen, Bewegungssensoren und Türkameras schrecken ab.

  • Nachbarschaftliche Netzwerke: Ein gutes Verhältnis zu lokalen Nachbarn kann entscheidend sein, um bei verdächtigen Aktivitäten schnell informiert zu werden.

  • Regelmäßige Präsenz: Wenn möglich, sollte die Immobilie nicht monatelang unbeaufsichtigt bleiben.

  • Juristische Vorsorge: Eine rechtliche Betreuung vor Ort kann im Ernstfall sofort reagieren.

Zwischen Postkartenidylle und Schattenwirtschaft

Die Costa Blanca bleibt ein Sehnsuchtsort für viele – doch sie ist längst nicht mehr immun gegen die Auswüchse moderner Kriminalität. Der illegale Wohnungsmarkt ist ein Spiegel gesellschaftlicher Spannungen, in dem wirtschaftliche Not und organisierte Ausnutzung Hand in Hand gehen.

Für Eigentümer bedeutet das vor allem eines: Wachsamkeit – und manchmal auch eine bittere Rückkehr in die Realität.

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