Spanien erlebt derzeit eine der stärksten Pollensaisons der letzten Jahre. Rund acht Millionen Menschen leiden bereits unter allergischen Reaktionen – und Experten warnen: Der Höhepunkt steht vielerorts noch bevor.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Vor allem in Zentral- und Südspanien spitzt sich die Lage zu. Regionen wie Madrid, Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, Extremadura und der Norden Andalusiens gelten in diesem Frühjahr als besonders stark betroffen. Schuld sind vor allem Gräserpollen, die in Kombination mit den Wetterbedingungen der vergangenen Monate in großer Menge freigesetzt werden.
„Intensive Saison“ mit spürbaren Folgen
Allergologen sprechen von einem „intensiven Frühling“ mit deutlich spürbaren Auswirkungen auf die Bevölkerung. Viele Betroffene klagen bereits über klassische Symptome wie Niesen, laufende Nase oder entzündete Augen.
Besonders kritisch: Laut Experten leidet in Spanien ein großer Teil der Bevölkerung an allergischer Rhinokonjunktivitis – Tendenz steigend.
Nicht nur Gräser sind das Problem
Doch nicht nur Gräserpollen sorgen für Probleme. Auch andere Pflanzenarten tragen zur Belastung bei:
- Zypressenpollen in Süd- und Nordostspanien
- Platanen in Großstädten wie Madrid, Barcelona oder Valencia
- Olivenpollen im Süden, insbesondere in Andalusien
- Brennnesselgewächse im Mittelmeerraum
- Salsola in trockenen Regionen im Osten und Südosten
Die Folge: Eine flächendeckende Belastung, die sich regional stark unterscheidet – aber kaum eine Region komplett verschont.
Saison wird länger und intensiver
Experten beobachten zudem eine besorgniserregende Entwicklung: Die Pollensaison verlängert sich zunehmend. Studien gehen davon aus, dass sie sich um rund 19 Prozent ausdehnen könnte, während die Pollenbelastung insgesamt um bis zu 40 Prozent steigt.
Grund dafür sind unter anderem der Klimawandel und veränderte Wetterbedingungen. Mildere Winter und feuchtere Phasen fördern das Pflanzenwachstum – und damit auch die Pollenproduktion.
Klimawandel verschärft die Lage
Auch die Luftverschmutzung spielt eine entscheidende Rolle. Feinstaub und Dieselpartikel reizen die Atemwege und verstärken allergische Reaktionen. Gleichzeitig können Pflanzen unter Stress allergener werden und stärkere Reaktionen beim Menschen auslösen.
„Die Kombination aus Umweltverschmutzung und Pollen hat einen verstärkenden Effekt“, warnen Experten. Besonders in Städten seien die Symptome deshalb oft stärker als in ländlichen Regionen.
Ärzte fordern mehr Aufklärung
Allergologen kritisieren zudem die medizinische Ausbildung in Spanien. Allergologie sei an vielen Universitäten nur unzureichend vertreten. Angesichts der steigenden Fallzahlen fordern Fachärzte deshalb mehr Ausbildungsplätze und eine bessere Versorgung.
Tipps gegen die Pollenflut
Zur Linderung der Symptome empfehlen Experten einfache, aber wirksame Maßnahmen:
- Fenster nur kurz morgens und abends öffnen
- Außenaktivitäten bei hoher Pollenbelastung reduzieren
- Sonnenbrillen oder FFP2-Masken tragen
- Wäsche nicht im Freien trocknen
Ein oft unterschätzter Faktor: Kleidung kann Pollen elektrostatisch „einsammeln“ und später in die Wohnung bringen.
Belastung auf Rekordniveau
Spanien steht vor einer der intensivsten Allergieperioden der letzten Jahre. Während Millionen Menschen bereits jetzt unter den Folgen leiden, könnte sich die Situation in den kommenden Wochen weiter verschärfen.
Eines ist klar: Der Pollen-Frühling wird für viele zur echten Belastungsprobe – und zeigt erneut, wie stark Klima und Umwelt die Gesundheit beeinflussen.
