
Die Aussetzung des staatlichen Einheitsregisters für Ferienwohnungen durch den Obersten Gerichtshof Spaniens hat in Andalusien ein politisches und wirtschaftliches Erdbeben ausgelöst. Tausende Eigentümer, die ihre Ferienwohnungen monatelang nicht legal auf Plattformen wie Airbnb oder Booking anbieten konnten, könnten nun Anspruch auf Entschädigungen haben
Redaktion Spanien Press
Nach offiziellen Angaben sind derzeit mehr als 167.000 Ferienwohnungen in Andalusien registriert. Seit Einführung des neuen staatlichen Dekrets im vergangenen Sommer hatten jedoch nur rund 100.000 Eigentümer die Aufnahme in das zentrale Staatsregister beantragt — und fast 26.000 Anträge wurden abgelehnt. Dadurch gerieten zehntausende Vermieter in eine absurde Situation: Sie verfügten über eine gültige regionale Lizenz Andalusiens, durften ihre Wohnungen jedoch nicht mehr online auf Airbnb oder Booking bewerben.
Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hat die andalusische Regionalregierung nun reagiert. Der Tourismusminister Andalusiens, Arturo Bernal, hat ein Schreiben an Spaniens Industrieminister Jordi Hereu geschickt und fordert eine dringende sektorale Konferenz zur Prüfung möglicher Entschädigungen für betroffene Eigentümer.
Die Regionalregierung verlangt eine Bewertung des „direkten Schadens“ sowie des „entgangenen Gewinns“, den tausende Vermieter erlitten haben, obwohl sie die andalusischen Vorschriften erfüllt hatten.
Besonders betont Andalusien, dass es sich bei den meisten Betroffenen nicht um große Investmentfonds, sondern um Privatpersonen handelt. Nach Angaben der Regionalregierung gehören fast neun von zehn Ferienwohnungen in Andalusien privaten Eigentümern.
Die Kontrolle liegt wieder bei Andalusien
Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs liegt die vollständige Zuständigkeit für die Kontrolle touristischer Unterkünfte wieder bei der andalusischen Regionalregierung. Diese betont, bereits zuvor wirksame Kontrollmechanismen geschaffen zu haben — ganz ohne Eingriffe aus Madrid.
Nach Angaben der Tourismusbehörde wurden in den vergangenen drei Jahren mehr als 15.000 illegale Ferienwohnungen geschlossen: über 5.800 im Jahr 2024, fast 6.900 im Jahr 2025 und weitere mehr als 2.600 im laufenden Jahr 2026.
Zudem verweist Andalusien darauf, dass Städte wie Sevilla, Málaga, Cádiz oder El Puerto de Santa María bereits strengere Beschränkungen für neue Ferienwohnungen eingeführt haben.
Hinzu kommt die Einrichtung der Spezialeinheit „Titan“ der spanischen Nationalpolizei, die gezielt Ferienwohnungen kontrolliert und Online-Angebote überwacht.
Die Zentralregierung erhöht weiter den Druck
Trotz der juristischen Niederlage hält das spanische Wohnungsministerium am harten Kurs fest. Das von Isabel Rodríguez geführte Ministerium fordert die autonomen Regionen auf, ihre Kontrollen weiter zu verschärfen — und richtet den Fokus dabei besonders auf Andalusien.
„Es kann nicht sein, dass eine einfache Eigenerklärung genügt, um eine Ferienwohnung zu registrieren, ohne dass anschließend überprüft wird, ob die Vorschriften tatsächlich eingehalten werden“, erklärte das Ministerium nach Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung.
Für tausende Eigentümer bedeutet die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nun jedoch vor allem eines: Erleichterung. Viele sehen darin nicht nur die Rückkehr auf Plattformen wie Airbnb und Booking, sondern möglicherweise auch die Chance auf finanzielle Entschädigungen nach Monaten voller bürokratischer Unsicherheit.
