Die spanischen Gesundheitsbehörden haben einen weiteren positiven Fall des seltenen Hantavirus unter den isolierten spanischen Passagieren des Kreuzfahrtschiffes „MV Hondius“ bestätigt. Der Betroffene befindet sich bereits seit Tagen in Quarantäne im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Madrid und wurde nun nach einem positiven PCR-Test in die Hochsicherheits-Isolierstation verlegt.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Damit steigt die Zahl der bestätigten Hantavirus-Fälle unter den spanischen Rückkehrern auf zwei. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums zeigt der neue Patient bislang keine Symptome. Die Behörden betonen jedoch, dass die Situation weiterhin sehr ernst genommen werde, da das Virus eine Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen haben kann.
Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ im Zentrum internationaler Gesundheitsalarmierung
Der aktuelle Ausbruch steht im Zusammenhang mit dem Expeditions-Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, das Anfang April von Ushuaia in Argentinien zu einer Reise Richtung Antarktis und Südatlantik aufgebrochen war. Während der Reise kam es an Bord zu mehreren schweren Erkrankungen. Nach bisherigen internationalen Angaben starben mindestens drei Personen im Zusammenhang mit dem Virus.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO koordinierte gemeinsam mit mehreren Ländern die Evakuierung und Überwachung der rund 150 Passagiere und Crewmitglieder aus insgesamt 23 Nationen. Spanien organisierte für seine Staatsbürger eine spezielle Rückholaktion über Teneriffa, bevor die Betroffenen nach Madrid gebracht wurden.
Quarantäne im Militärhospital Gómez Ulla
Die insgesamt 14 spanischen Passagiere befinden sich seit dem 10. Mai unter Beobachtung im Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Madrid. Dort wurde ein spezielles Isolations- und Überwachungsprotokoll aktiviert. Die meisten Betroffenen bleiben bislang symptomfrei.
Der erste positiv getestete Spanier – ein 70-jähriger Mann – zeigte zeitweise leichte Atemwegsbeschwerden und Fieber, befindet sich laut Gesundheitsministerium inzwischen jedoch auf dem Weg der Besserung. Mehrere PCR-Tests wurden durchgeführt, während andere Passagiere weiterhin negativ getestet wurden.
Nun wurde bei einem weiteren engen Kontakt innerhalb der Quarantänegruppe das Virus nachgewiesen. Die spanischen Behörden betonen, dass der neue Fall innerhalb der bestehenden Isolation entdeckt wurde und daher keine zusätzliche Gefahr für die allgemeine Bevölkerung bestehe.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren werden in der Regel durch Nagetiere übertragen. Menschen infizieren sich meist über Kontakt mit kontaminiertem Staub, Urin oder Ausscheidungen infizierter Tiere. Besonders ungewöhnlich an diesem Ausbruch ist, dass offenbar eine Variante des sogenannten Andes-Virus beteiligt ist, bei dem unter bestimmten Umständen auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich sind.
Zu den typischen Symptomen gehören hohes Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Atembeschwerden, Kreislaufprobleme sowie in schweren Fällen auch Lungen- oder Nierenversagen.
Die Erkrankung gilt in Europa als äußerst selten. Experten betonen jedoch, dass frühe Isolation und engmaschige medizinische Überwachung entscheidend seien, um schwere Verläufe zu verhindern.
Spanien setzt auf strenge Vorsichtsmaßnahmen
Die spanische Regierung verteidigt die umfangreichen Quarantänemaßnahmen ausdrücklich. Während die WHO teilweise flexiblere Lösungen vorgeschlagen hatte, entschied sich Spanien für eine zentrale Isolation aller betroffenen Staatsbürger im Gómez-Ulla-Krankenhaus.
Nach aktuellem Stand sollen die Passagiere nach 28 Tagen Krankenhausquarantäne unter Umständen ihre Isolation zuhause fortsetzen dürfen. Voraussetzung bleibt jedoch, dass weitere Tests negativ ausfallen und keine Symptome auftreten.
Die Gesundheitsbehörden beobachten die Situation weiterhin täglich. Experten gehen derzeit nicht von einer Gefahr für die spanische Bevölkerung aus, schließen jedoch weitere einzelne Fälle innerhalb der bereits bekannten Kontaktgruppen nicht aus.
