Aus dem Elternhaus auszuziehen bleibt für die meisten jungen Spanier ein ferner Traum. Laut den neuesten Daten des Observatorio de Emancipación des spanischen Jugendrats (Consejo de la Juventud), die sich auf das zweite Halbjahr 2024 beziehen, haben sich nur 15,2 % der Bevölkerung zwischen 16 und 29 Jahren selbstständig gemacht. Und wer es schafft, zahlt einen extrem hohen Preis: bis zu 92,3 % seines Einkommens, wenn er allein eine Wohnung mieten will
Redaktion Spanien Press
Die Zahl liegt zwar leicht über den 14,8 % vom vorangegangenen Halbjahr, markiert aber den schlechtesten Wert für ein zweites Halbjahr seit 2006. Innerhalb nur eines Jahres sind mehr als 102.000 junge Menschen wieder ins Elternhaus zurückgekehrt oder haben den Gedanken an eine eigene Wohnung aufgegeben.
Rekordmieten und Wohngemeinschaften
Fast sechs von zehn jungen Menschen, die ausgezogen sind, leben zur Miete, und ein Drittel teilt sich eine Wohnung, um Kosten zu sparen. Ende 2024 kostete die Anmietung einer freien Wohnung im Durchschnitt 1.080 Euro pro Monat – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Das erklärt, warum trotz eines Anstiegs des durchschnittlichen Jugendgehalts um 11 % (14.046 Euro jährlich) und eines Rückgangs der Arbeitslosenquote auf 19,1 % die Unabhängigkeit für viele unerreichbar bleibt.
Die Folge: Zwei von zehn jungen Erwerbstätigen sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht – bei Arbeitslosen steigt der Anteil auf 50 %.
Eigenheimkauf – ein Ziel in 14 Jahren
Auch der Zugang zu Wohneigentum sieht nicht rosiger aus. Der durchschnittliche Kaufpreis einer Immobilie (197.210 Euro) entspricht 14 Jahresgehältern junger Menschen, während die notwendige Anzahlung – etwa 59.000 Euro – vier volle Jahresgehälter erfordert.
Selbst ein Hochschulabschluss garantiert keine Unabhängigkeit: Zwar ist die Arbeitslosenquote unter Universitätsabsolventen (13,4 %) deutlich niedriger als bei Menschen mit nur Grundschulabschluss (42,3 %), doch die hohen Wohnkosten blockieren in beiden Fällen die Möglichkeit, auszuziehen.
Madrid und Katalonien führen
Nach Regionen liegen die Autonome Gemeinschaft Madrid (17,9 %) und Katalonien (17,6 %) bei der Jugendemanzipation vorne, beide über dem nationalen Durchschnitt. Am unteren Ende der Skala stehen Kastilien-La Mancha (10,6 %) und Andalusien (12 %). Auch bei den Einkommen zeigen sich regionale Unterschiede: Ein junger Mensch in Madrid verdient im Durchschnitt 17.563 Euro netto pro Jahr, auf den Kanarischen Inseln sind es lediglich 11.793 Euro.
Forderung nach dringenden Reformen
Der spanische Jugendrat fordert das Wohnungsministerium auf, ein kontinuierliches Monitoring einzuführen und die bestehenden Maßnahmen zu reformieren. Zu den Forderungen zählen: die wirksame Umsetzung des Wohnraumgesetzes (Ley de Vivienda), die Reform des Jugendmietzuschusses (Bono Alquiler Joven), damit er alle Bedürftigen erreicht, und die Reservierung von mindestens 40 % des öffentlichen Wohnungsbestands für junge Menschen.
