Badeverbot in Málaga: Sechs Strände wegen E. coli geschlossen – nach Unwetter gelangt Abwasser ins Meer

Das Mittelmeer lockt zahlreiche Badegäste nach Málaga – doch an sechs Stränden ist das Baden derzeit wegen erhöhter E.-coli-Werte verboten (Credit: Luke Seretis/Unsplash)

Die Stadt Málaga hat an sechs Stränden die rote Flagge gehisst und das Baden verboten. Wasserproben weisen erhöhte Konzentrationen von E. coli auf. Auslöser sind nach Angaben der Stadt Überläufe des Abwassersystems nach dem schweren Unwetter vom Wochenende.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Málaga erlebt mitten im August einen ungewöhnlichen Eingriff in den Badebetrieb. An insgesamt sechs Stränden der andalusischen Hauptstadt ist das Baden derzeit verboten. Grund sind Wasserproben, in denen eine erhöhte Konzentration des Bakteriums Escherichia coli (E. coli) festgestellt wurde.

Betroffen sind die Strände Campo de Golf-San Julián, Guadalmar, La Misericordia, Sacaba, San Andrés und El Palo. Die Stadtverwaltung hat an allen sechs Abschnitten die rote Flagge setzen lassen. Neue Untersuchungen sollen in den kommenden Tagen zeigen, wie sich die Wasserqualität entwickelt und wann eine Wiedereröffnung möglich ist. Einen konkreten Termin gibt es bislang nicht.

Die sechs betroffenen Strände im Überblick

Das Ausmaß der Sperrung ist erheblich. Die betroffenen Strandabschnitte erstrecken sich über einen großen Teil der Küste Málagas – vom westlichen Bereich nahe dem Flughafen bis nach El Palo im Osten der Stadt. Gesperrt sind derzeit die Strände Campo de Golf-San Julián, Guadalmar, La Misericordia, Sacaba, San Andrés und El Palo. Damit sind sowohl mehrere Strände im Westen und Süden der Stadt als auch ein beliebter Küstenabschnitt im Osten betroffen.

Die Maßnahme dient dem Schutz der Badegäste, nachdem aktuelle Wasserproben eine erhöhte bakterielle Belastung festgestellt haben und die gemessenen Werte über den zulässigen Grenzwerten liegen.

Was die Wasserproben ergeben haben

Die entscheidenden Proben wurden am Sonntag, 16. August, von der städtischen Wassergesellschaft Emasa genommen. Dabei wurde an den betroffenen Stellen eine Konzentration von Escherichia coli festgestellt, die über den nach der spanischen Regelung zur Qualität von Badegewässern vorgesehenen sicheren beziehungsweise optimalen Werten liegt.

Die Stadtverwaltung beruft sich dabei auf das spanische Real Decreto 1341/2007, das die Überwachung und Qualität von Badegewässern regelt.

Solange die Werte nicht wieder auf ein unbedenkliches Niveau zurückgegangen sind, bleibt das Baden untersagt. Die Behörden wollen die Messungen deshalb wiederholen und die Entwicklung der Wasserqualität beobachten.

E. coli ist ein Hinweis auf eine fäkale Verunreinigung

Bei E. coli handelt es sich um ein Bakterium, das natürlicherweise im Darm von Menschen und Tieren vorkommt. In Badegewässern gilt sein Auftreten in erhöhten Konzentrationen als wichtiger Indikator für eine mögliche fäkale Verunreinigung.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Kontakt mit dem Wasser zu einer Erkrankung führt. Eine erhöhte Belastung kann jedoch auf eine Verunreinigung durch Abwasser hindeuten und damit ein gesundheitliches Risiko darstellen.

Mögliche Beschwerden nach Kontakt mit entsprechend belastetem Wasser können unter anderem Magen-Darm-Probleme oder Infektionen sein. Besonders wichtig ist deshalb, die von den Behörden ausgesprochene Badesperre ernst zu nehmen und nicht trotz roter Flagge ins Wasser zu gehen.

Die Ursache liegt offenbar im Unwetter vom Samstag

Nach Angaben der Stadtverwaltung steht die aktuelle Belastung unmittelbar mit dem Unwetter in der Nacht zum Samstag, 15. August, in Verbindung. Die starken Niederschläge führten an verschiedenen Stellen der Stadt zu sogenannten Überläufen des Entwässerungs- und Abwassersystems. Dabei gelangten Wassermengen aus dem überlasteten System ins Meer.

Die Stadt hatte bereits am Wochenende über entsprechende Einleitungen berichtet. Emasa bezeichnete diese zunächst als kurzzeitig und von geringem Volumen. Gleichzeitig waren Reinigungskräfte an den Stränden im Einsatz, um angeschwemmte Rückstände und Abfälle zu entfernen.

Das Problem entwickelte sich damit offenbar zeitversetzt: Obwohl die Einleitungen selbst nur kurz andauerten, zeigten spätere Wasserproben weiterhin eine bakterielle Belastung.

Einige Strände waren zwischenzeitlich wieder geöffnet

Besonders auffällig ist der Ablauf bei mehreren der jetzt erneut geschlossenen Strände. San Julián, La Misericordia und Sacaba hatten am Sonntagmorgen wieder die grüne Flagge erhalten. Die unmittelbaren Folgen der Einleitungen schienen zunächst beseitigt, und die Reinigung der betroffenen Strandabschnitte war weitgehend erfolgt.

Die anschließend ausgewerteten Wasserproben führten jedoch zu einer Neubewertung der Situation. Am Montag wurde deshalb erneut die rote Flagge gehisst und das Baden untersagt. Auch San Andrés, das ebenfalls bereits wegen der Folgen des Unwetters unter besonderer Beobachtung stand, ist betroffen.

Warum kann Regen zu einer Verschmutzung des Meeres führen?

Der aktuelle Vorfall zeigt ein Problem, das vor allem bei starken Niederschlägen auftreten kann. Bei gewöhnlichem Regen kann das Wasser über das Entwässerungssystem kontrolliert abgeführt werden. Bei außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit kann die vorhandene Infrastruktur jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

Dann können sogenannte Entlastungen beziehungsweise Überläufe notwendig werden. Wenn dabei Wasser aus einem System austritt, das auch mit Abwasser in Verbindung steht, können organische Stoffe und Bakterien in die Umwelt gelangen.

Genau dieser Zusammenhang wird von der Stadtverwaltung für den aktuellen Fall in Málaga genannt. Die erhöhten E.-coli-Werte wurden nach dem Unwetter festgestellt, nachdem es an mehreren Stellen zu Überläufen und Einleitungen ins Meer gekommen war.

Kritik an der Abwasser-Infrastruktur

Der Vorfall dürfte allerdings nicht nur eine kurzfristige Diskussion über die Folgen des Unwetters auslösen. Aus der Opposition wurden bereits Stimmen laut, die davor warnen, die Verantwortung allein auf die Wetterlage zu schieben. Kritiker sehen auch strukturelle Probleme in der unterirdischen Infrastruktur und fordern Investitionen in das Abwassersystem.

Dabei geht es um die Frage, ob die vorhandene Infrastruktur für eine Stadt wie Málaga ausreichend dimensioniert ist – insbesondere während der Sommermonate, wenn die Einwohnerzahl durch Tourismus und Feriengäste deutlich steigt.

Die aktuelle Situation ist deshalb mehr als nur ein vorübergehendes Badeverbot: Sie lenkt den Blick erneut auf die Frage, wie belastbar das Abwassersystem der Costa del Sol bei starken Regenfällen tatsächlich ist.

Auch Benalmádena betroffen

Málaga ist derzeit nicht der einzige Ort an der Costa del Sol, an dem die Behörden wegen möglicher Verunreinigungen einschreiten mussten. Auch in Benalmádena wurden am Wochenende vorsorglich fünf Strände geschlossen, nachdem rund 20 Badegäste über Hautreaktionen berichtet hatten.

Betroffen waren die Strände Las Gaviotas, Bil-Bil, Arroyo de la Miel, Santa Ana und Los Melilleros. Am Montag konnten Bil-Bil, Arroyo de la Miel und Los Melilleros wieder für den Badebetrieb freigegeben werden, während Santa Ana und Las Gaviotas zunächst weiterhin geschlossen blieben.

Die genaue Ursache für die Beschwerden ist bislang allerdings noch nicht geklärt. Die zuständigen Behörden untersuchen derzeit sowohl mögliche biologische als auch chemische Ursachen.

Keine Entwarnung für die sechs Strände in Málaga

Für die sechs betroffenen Strände in Málaga gibt es dagegen derzeit eine klare behördliche Maßnahme: rote Flagge und Badeverbot.

Die Stadt will die Wasserqualität in den kommenden Tagen erneut kontrollieren. Erst wenn die Werte wieder innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen liegen, kann über eine Aufhebung der Sperre entschieden werden.

Wie lange das dauern wird, lässt sich momentan nicht seriös vorhersagen. Die Stadtverwaltung hat keinen konkreten Zeitpunkt für die Wiedereröffnung genannt.

Was Urlauber jetzt wissen sollten

Für Touristen und Einwohner ist vor allem eine Regel entscheidend: Wo die rote Flagge gehisst ist, sollte nicht gebadet werden. Das Wasser muss dabei nicht sichtbar verschmutzt sein. Bakterielle Belastungen lassen sich nicht zuverlässig anhand der Wasserfarbe oder des Geruchs erkennen.

Wer einen der betroffenen Strände besucht, sollte deshalb auf die Flaggen und Hinweise der Rettungskräfte achten. Auch wenn ein Strand optisch sauber wirkt oder bereits am Vortag geöffnet war, können neue Laborergebnisse zu einer erneuten Sperrung führen.

Gerade nach starken Regenfällen kann sich die Qualität des Meerwassers zudem schneller verändern, als es mit bloßem Auge erkennbar ist.

Ein Problem mitten in der Hochsaison

Für Málaga kommt der Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Stadt befindet sich mitten in der touristischen Hochsaison und gleichzeitig in den Tagen der Feria de Málaga. Die Strände gehören in dieser Zeit zu den wichtigsten Anlaufpunkten für Einwohner und Besucher. Dass gleich sechs Strandabschnitte betroffen sind, macht die Situation entsprechend sichtbar.

Noch wichtiger als die kurzfristige Einschränkung des Badebetriebs ist jedoch die Frage, ob solche Vorfälle künftig verhindert werden können. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie schnell ein einzelnes Unwetter eine Kette von Problemen auslösen kann: überlastete Infrastruktur, Überläufe, Reinigungsarbeiten, bakterielle Belastungen und schließlich ein weitreichendes Badeverbot.

Für die kommenden Tage wird deshalb vor allem entscheidend sein, wie schnell sich die E.-coli-Werte wieder normalisieren – und ob die Behörden anschließend Maßnahmen ergreifen, um ähnliche Situationen bei zukünftigen Starkregenereignissen zu verhindern.

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