Die Regenfälle in der Nacht haben den verheerenden Waldbrand bei Las Peñas de Riglos vorübergehend gebremst. Mehr als 1.000 Einsatzkräfte kämpfen weiterhin gegen das Feuer, 1.046 Menschen bleiben evakuiert. Eine Rückkehr der Bewohner wird inzwischen geprüft – von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Der schwere Waldbrand in der Provinz Huesca hat sich nach den Regenfällen der vergangenen Nacht etwas beruhigt. Die Niederschläge haben den Einsatzkräften nach Einschätzung der Behörden eine wichtige Atempause verschafft und mehrere besonders problematische Bereiche des Feuers abgeschwächt. Dennoch bleibt die Situation angespannt: Das Feuer hat inzwischen rund 17.500 Hektar erfasst, einen Umfang von etwa 100 Kilometern und ist weiterhin nicht vollständig unter Kontrolle.
Besonders die Nacht von Sonntag auf Montag verlief für die Einsatzkräfte deutlich günstiger als die vorherigen Stunden. Die Kombination aus Regen und niedrigeren Temperaturen half dabei, die Flammen in mehreren Bereichen zurückzudrängen und bereits geschaffene Sicherungslinien zu stabilisieren. Der aragonesische Umwelt- und Tourismusminister Luis Biendicho sprach von einer günstigen Entwicklung, warnte jedoch gleichzeitig davor, die Situation zu unterschätzen. Das Feuer werde die Einsatzkräfte noch mehrere Tage beschäftigen.
Regen bringt Entlastung – erschwert aber auch die Löscharbeiten
Die Niederschläge sind für die Brandbekämpfung ein entscheidender Vorteil. In mehreren Bereichen konnten offene Flammen durch den Regen gelöscht und die Vegetation befeuchtet werden. Dadurch sinkt zunächst die Gefahr einer schnellen Ausbreitung.
Gleichzeitig bringt das Wetter neue Schwierigkeiten mit sich. Der aufgeweichte Boden und entstehender Schlamm erschweren den Einsatz der Fahrzeuge und Maschinen. Besonders in den Bereichen, in denen die Einsatzkräfte Sicherungslinien verstärken müssen, kann der nasse Untergrund die Arbeiten erheblich verlangsamen.
In den kommenden Stunden wird deshalb genau beobachtet, wie sich Temperaturen und Wind entwickeln. Mit steigenden Temperaturen könnte die Brandgefahr erneut zunehmen. Vor allem ein Wechsel der Windrichtung könnte dazu führen, dass sich das Feuer in bislang weniger belastete Bereiche ausbreitet.
Mehr als 17.000 Hektar vom Feuer betroffen
Das Feuer bei Las Peñas de Riglos gehört inzwischen zu den größten Waldbränden, die Aragón in den vergangenen Jahren erlebt hat. Nach aktuellem Stand sind rund 17.500 Hektar betroffen. Damit handelt es sich nach Angaben regionaler Medien um den flächenmäßig größten Waldbrand in der Geschichte der autonomen Region, wobei noch genauer untersucht werden muss, welcher Anteil innerhalb des Brandperimeters tatsächlich verbrannt ist.
Der Brand war am vergangenen Montag, dem 10. August, ausgebrochen und hat sich seitdem über ein weitläufiges und teilweise schwer zugängliches Gebiet ausgebreitet. Die komplizierte Topografie, die trockene Vegetation und die anhaltend hohen Temperaturen haben die Löscharbeiten erheblich erschwert.
Der Brand verfügt mittlerweile über einen Perimeter von rund 100 Kilometern. Damit müssen die Einsatzkräfte eine außergewöhnlich große Fläche überwachen und gleichzeitig verhindern, dass sich einzelne Glutnester erneut zu größeren Brandherden entwickeln.
1.046 Menschen weiterhin evakuiert
Trotz der verbesserten Situation bleiben die Auswirkungen für die Bevölkerung erheblich. 19 Ortschaften wurden evakuiert, insgesamt befinden sich weiterhin 1.046 Menschen außerhalb ihrer Wohnorte.
Die Behörden prüfen inzwischen allerdings, ob eine schrittweise Rückkehr in einige der betroffenen Gemeinden möglich sein könnte. Dafür werden zunächst die grundlegenden Versorgungsstrukturen überprüft. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Strom, Wasser und Telekommunikation.
Erst wenn diese Infrastruktur ausreichend sicher funktioniert und keine unmittelbare Gefahr durch das Feuer besteht, kann über eine Rückkehr der Bewohner entschieden werden. Eine allgemeine Freigabe für alle evakuierten Orte gibt es derzeit nicht.
Die Behörden mahnen deshalb weiterhin zur Vorsicht. Die Tatsache, dass der Regen die Brandentwicklung gebremst hat, bedeutet nicht, dass das Feuer unter Kontrolle ist.
Kritischer Bereich am Monte Oroel
Besonders aufmerksam beobachten die Einsatzkräfte weiterhin den rechten Flügel des Brandes und den Bereich in Richtung Monte Oroel bei Jaca. Dort konzentrieren sich die aktuellen Arbeiten darauf, die bestehenden Sicherungslinien zu verstärken und mögliche weitere Ausbreitungswege des Feuers abzuschneiden. In einigen Sektoren hat der Regen die Flammen deutlich abgeschwächt, während andere Bereiche weiterhin schwieriger bleiben.
Vor allem zwischen Santa Cruz de la Serós und Santa Cilia de Jaca ist die Situation weiterhin komplizierter. Dort fiel weniger Regen und die Geländeformation macht die Arbeit der Einsatzkräfte zusätzlich schwierig. Teilweise müssen die Löschmannschaften deshalb auf Unterstützung aus der Luft zurückgreifen.
San Juan de la Peña weiterhin geschützt
Besondere Aufmerksamkeit galt in den vergangenen Tagen dem historischen Gebiet von San Juan de la Peña. Das Feuer hatte sich zeitweise den beiden bedeutenden Klöstern genähert, die für die Geschichte Aragoniens von großer Bedeutung sind.
Nach Angaben der Einsatzleitung konnten die historischen Anlagen geschützt werden. Auch aktuell besteht dort nach den vorliegenden Informationen keine unmittelbare Gefahr. Die Sicherung des Gebiets bleibt dennoch ein wichtiger Bestandteil des Einsatzes.
Die Bedeutung des Ortes geht weit über den Tourismus hinaus: Das Kloster gilt als einer der wichtigsten historischen Orte Aragoniens und wird traditionell mit den Ursprüngen des Königreichs Aragón verbunden.
Ein UME-Soldat stirbt bei Einsatz
Überschattet wird der Kampf gegen den Waldbrand von einem tödlichen Unfall. Am Sonntag, 16. August, kam ein Angehöriger der spanischen Unidad Militar de Emergencias (UME) während des Einsatzes ums Leben. Das Einsatzfahrzeug, in dem mehrere Soldaten unterwegs waren, verunglückte im Bereich des Barranco de Atarés nahe dem Monte Oroel. Drei weitere Soldaten wurden verletzt.
Der verstorbene Soldat wurde als Javier García Sancho identifiziert. Sein Tod löste in Aragón große Anteilnahme aus. Die Regionalregierung und weitere politische Vertreter würdigten den Einsatz der UME und sprachen der Familie sowie den Kameraden des Verstorbenen ihr Beileid aus.
Mehr als 1.000 Einsatzkräfte im Kampf gegen die Flammen
Die Dimension des Einsatzes ist enorm. Mehr als 1.000 Einsatzkräfte arbeiten inzwischen an verschiedenen Abschnitten des Brandes. Hinzu kommen zahlreiche Löschfahrzeuge, Spezialmaschinen und Luftfahrzeuge.
Die Einsatzleitung muss dabei nicht nur die sichtbaren Flammen bekämpfen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht darin, den Brand zu begrenzen, Sicherungslinien zu schaffen und zu verhindern, dass Glutnester bei einer Wetteränderung erneut aufflammen.
Die Regenfälle haben diese Arbeit in der vergangenen Nacht erheblich erleichtert. Dennoch bleibt die enorme Ausdehnung des Brandgebietes eine der größten Herausforderungen.
Internationale Unterstützung aus Frankreich
Angesichts des außergewöhnlichen Ausmaßes des Feuers erhält Aragón auch internationale Unterstützung. Frankreich hat im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzes Feuerwehrkräfte und Fahrzeuge nach Spanien entsandt.
Die französische Unterstützung soll die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung und Eindämmung des Großbrandes entlasten. Der Einsatz ist Teil der europäischen Zusammenarbeit bei schweren Naturkatastrophen, bei denen die Kapazitäten eines einzelnen Landes nicht ausreichen.
Noch keine Entwarnung
Die Regenfälle haben den Einsatzkräften ohne Zweifel geholfen. Sie haben die Temperaturen gesenkt, die Vegetation befeuchtet und die Intensität des Feuers in mehreren Bereichen reduziert. Gleichzeitig bleibt die Situation hochdynamisch.
Die Behörden rechnen damit, dass die Temperaturen wieder steigen werden. Auch der Wind kann die Lage jederzeit verändern. Genau deshalb wird die aktuelle Wetterentwicklung ebenso aufmerksam verfolgt wie die einzelnen Brandherde.
Die Botschaft der Einsatzleitung ist entsprechend eindeutig: Die Situation entwickelt sich zwar günstig, aber das Feuer ist noch nicht unter Kontrolle.
Für die kommenden Tage wird deshalb entscheidend sein, ob es den Einsatzkräften gelingt, die durch den Regen gewonnene Atempause zu nutzen, die Brandränder weiter zu sichern und eine erneute Ausbreitung bei steigenden Temperaturen zu verhindern.
