Spanien erlebt derzeit eine der schwersten Krisen seines Eisenbahnnetzes seit Jahren. Innerhalb weniger Tage reihen sich tödliche Unfälle, beschädigte Gleise, massive Verspätungen und politische Auseinandersetzungen aneinander. Was lange als verlässliches Rückgrat der nationalen Mobilität galt, steht plötzlich unter Dauerbeschuss.
Redaktion Spanien Press
Neue Störung auf der Strecke Barcelona–Madrid
Heute bestätigte Adif eine Gleisruptur bei L’Espluga de Francolí (Tarragona). In dem betroffenen Abschnitt wurde die Geschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt. Die Folge: Verspätungen von bis zu einer Stunde auf der wichtigsten Bahnverbindung des Landes.
Das Verkehrsministerium betont, dass keine Gefahr für die Sicherheit bestehe. Dennoch leidet das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des spanischen Bahnverkehrs spürbar.
Madrid–Sevilla weiterhin ohne Zugverkehr
Noch dramatischer ist die Lage auf der Strecke Madrid–Sevilla, die seit dem schweren Zugunglück von Adamuz (Córdoba) am 18. Januar mit 45 Todesopfern gesperrt ist.
Verkehrsminister Óscar Puente erklärte inzwischen, dass eine Wiederaufnahme des Verkehrs Anfang Februar nicht mehr sicher sei. Reparaturarbeiten können bislang nicht beginnen, da die Justiz die betroffenen Gleise noch für Ermittlungen benötigt.
Zusätzliche Kritik löste die Bestätigung aus, dass die Strecke nicht vollständig erneuert worden war. Die mutmaßliche Bruchstelle liegt an einer Schweißverbindung zwischen neuem und jahrzehntealtem Schienenmaterial.
Dauerkrise im Nahverkehr: Rodalies in Katalonien
Parallel zu den Problemen im Fernverkehr leidet auch der katalanische Nahverkehr Rodalies unter chronischen Störungen. Pendler rund um Barcelona sind seit Monaten mit Zugausfällen, Signalstörungen, veralteter Infrastruktur und unzuverlässigen Fahrplänen konfrontiert.
Verspätungen von 30 bis 60 Minuten, kurzfristige Streckensperrungen und fehlende Informationen gehören für viele Berufspendler längst zum Alltag. Besonders betroffen sind Linien, die täglich zehntausende Menschen aus dem Umland in die Metropolregion Barcelona bringen.
Technische Probleme, politische Spannungen
Die Krise hat längst eine politische Dimension erreicht. Ministerpräsident Pedro Sánchez wird am 11. Februar im Parlament zu den Unfällen von Adamuz und Gelida (Barcelona) Stellung nehmen.
Die Opposition, angeführt vom Partido Popular, spricht von systemischem Versagen. Regierungspartner mahnen zur Zurückhaltung und verweisen auf die laufenden Untersuchungen.
