Wer heute mit der Bahn durch Spanien reisen möchte, sollte seine Verbindung unbedingt vor der Abfahrt überprüfen. Ein landesweiter 24-Stunden-Streik bei Renfe sorgt am Montag (29. Juni) für erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr. Besonders betroffen sind Hochgeschwindigkeits-, Fern- und Regionalzüge – und das ausgerechnet zum Beginn der Hauptreisezeit.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Nach Angaben des staatlichen Bahnunternehmens Renfe wurden insgesamt 320 Zugverbindungen gestrichen. Obwohl der Zugverkehr nicht vollständig eingestellt wurde, müssen Reisende in vielen Teilen Spaniens mit Verspätungen, geänderten Fahrplänen und teilweise deutlich volleren Zügen rechnen. Besonders ungünstig trifft der Ausstand zahlreiche Urlauber, die zum Start der Sommerferien unterwegs sind oder ihre Reise antreten möchten.
Diese Zugverbindungen sind betroffen
Von den Einschränkungen betroffen sind zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge des AVE-Netzes sowie die günstigen Avlo-Verbindungen. Auch Fernverkehrszüge und Regionalverbindungen (Media Distancia) wurden teilweise gestrichen. In einigen Ballungsräumen kommt es darüber hinaus auch bei den Cercanías-Pendlerzügen zu Einschränkungen.
Damit der Bahnverkehr trotz des Streiks nicht komplett zum Erliegen kommt, hat das spanische Verkehrsministerium sogenannte Mindestdienste angeordnet. Dadurch verkehren weiterhin rund 73 Prozent der Hochgeschwindigkeits- und Fernverkehrszüge sowie etwa 65 Prozent der Regionalzüge. Im Nahverkehr liegt das Angebot – abhängig von der jeweiligen Tageszeit – zwischen 50 und 75 Prozent des regulären Fahrplans.
Hintergrund des Arbeitskampfes
Hinter dem Streik steht die Gewerkschaft Sindicato Ferroviario, die sich gegen die geplante Neuausrichtung der Gütersparte Renfe Mercancías stellt. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung werden frühere Vereinbarungen mit dem Unternehmen nicht eingehalten. Kritisiert wird insbesondere die geplante Zusammenarbeit mit privaten Partnern im Güterverkehr sowie die Befürchtung, dass langfristig Arbeitsplätze verloren gehen und staatliche Aufgaben zunehmend ausgelagert werden könnten.
Die Gewerkschaft verweist dabei auf Absprachen aus den Jahren 2023 und 2025, die ihrer Ansicht nach nicht vollständig umgesetzt wurden. Mit dem Streik soll Druck auf die Unternehmensleitung aufgebaut werden, um die geplanten Veränderungen noch einmal zu überdenken.
Renfe: Streikbeteiligung bislang gering
Renfe selbst bewertet den Streik deutlich zurückhaltender. Nach Angaben des Unternehmens beteiligten sich bislang vergleichsweise wenige Beschäftigte an dem Arbeitskampf. Dennoch mussten die bereits im Vorfeld angekündigten Zugausfälle umgesetzt werden, da diese vorsorglich in den Fahrplan eingearbeitet worden waren.
Nach Unternehmensangaben konnten die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestverbindungen weitgehend eingehalten werden. Größere Störungen seien bislang nur vereinzelt aufgetreten, auch wenn Reisende auf vielen Strecken mit Einschränkungen rechnen müssen.
Diese Rechte haben betroffene Fahrgäste
Fahrgäste, deren Zug ausfällt, müssen den entstandenen Schaden nicht selbst tragen. Renfe bietet betroffenen Reisenden die Möglichkeit, ihr Ticket kostenlos auf eine andere Verbindung umzubuchen oder sich den vollständigen Fahrpreis erstatten zu lassen.
Darüber hinaus greifen die europäischen Fahrgastrechte. Je nach Situation können Reisende Anspruch auf eine alternative Beförderung, die Erstattung des Ticketpreises sowie – falls erforderlich – auf Verpflegung oder eine Hotelunterbringung haben. Bei größeren Verspätungen können unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich Entschädigungsansprüche bestehen.
Nächster Streik bereits angekündigt
Für Bahnreisende könnte es in den kommenden Wochen erneut unruhig werden. Die Gewerkschaft hat bereits einen weiteren landesweiten 24-Stunden-Streik für den 15. Juli angekündigt. Sollte es bis dahin keine Einigung zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensführung geben, ist erneut mit erheblichen Einschränkungen im spanischen Bahnverkehr zu rechnen – mitten in der Hauptreisezeit.
Empfehlung für Urlauber
Wer in den kommenden Tagen mit Renfe durch Spanien reisen möchte, sollte seine Verbindung vor Reisebeginn unbedingt noch einmal überprüfen. Aufgrund des reduzierten Fahrplans können die verbliebenen Züge deutlich stärker ausgelastet sein als gewöhnlich. Vor allem auf beliebten Strecken zwischen Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla, Málaga oder Alicante ist mit einer erhöhten Nachfrage zu rechnen.
Wer flexibel ist, sollte ausreichend Zeit für die Anreise einplanen und gegebenenfalls frühzeitig auf alternative Verbindungen ausweichen.
