Barcelona erweitert sein Netz öffentlicher Überwachungskameras deutlich. Noch in diesem Jahr sollen 99 neue Kameras an besonders sensiblen Orten installiert werden. Dazu gehören unter anderem das beliebte Viertel El Born, die Bunkers del Carmel und der Parc de Pegaso. Bis 2027 soll die Zahl der Kameras im öffentlichen Raum auf rund 500 steigen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Barcelona setzt verstärkt auf Videoüberwachung, um die Sicherheit in besonders stark frequentierten und als sensibel eingestuften Bereichen der Stadt zu erhöhen. Der stellvertretende Bürgermeister für Prävention und Sicherheit, Albert Batlle, hat die nächsten Standorte für die Ausweitung des städtischen Überwachungsnetzes bekannt gegeben.
Noch vor Ende des Jahres sollen insgesamt 99 neue Kameras installiert werden. Die Auswahl der Standorte basiert nach Angaben der Stadt unter anderem auf Besucherzahlen, der registrierten Kriminalität, Sicherheitsrisiken und Problemen im öffentlichen Raum.
Knapp 100 neue Kameras an fünf Bereichen
Die neuen Kameras werden auf mehrere stark frequentierte beziehungsweise sicherheitsrelevante Bereiche verteilt. Im Passeig del Born sind neun Kameras vorgesehen. An den beliebten Bunkers del Carmel sollen elf weitere Geräte installiert werden. Die Anella Olímpica erhält 30 Kameras. Weitere 19 Kameras sind für den Parc de Pegaso vorgesehen. Im Bereich Fira de Bellcaire und Fort Pienc kommen weitere 30 Geräte hinzu. Insgesamt ergeben sich damit 99 neue Überwachungskameras.
Gerade bei beliebten Ausflugszielen wie den Bunkers del Carmel spielt neben der Kriminalitätslage auch die hohe Zahl an Besuchern eine Rolle.
Auch der Parc de Pegaso wird überwacht
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Parc de Pegaso. Der Park war bereits vor einem tödlichen Schusswaffenangriff am 2. Juli 2026 als problematischer Bereich bekannt. Bei dem Vorfall wurde ein 15-jähriger Jugendlicher getötet.
Nach Angaben von Albert Batlle war die Installation der Kameras dort allerdings bereits vor dem Schusswaffenangriff beantragt worden. Ausschlaggebend seien bereits zuvor vorliegende polizeiliche Informationen über Straftaten in diesem Bereich gewesen. Die neuen Kameras sollen deshalb nicht als unmittelbare Reaktion auf den einzelnen Vorfall verstanden werden, sondern als Teil eines länger geplanten Sicherheitskonzepts.
Barcelona will Zahl der Kameras deutlich erhöhen
Die 99 neuen Kameras sind nur ein Teil eines wesentlich größeren Plans. Barcelona verfügte zuletzt über 186 aktive Überwachungskameras im öffentlichen Raum. Im Rahmen des städtischen Videüberwachungsplans sollen bis 2027 insgesamt 500 neue Kameras hinzukommen. Damit könnte die Zahl der Kameras auf rund 660 steigen.
Die Stadt begründet den Ausbau mit dem Ziel, die Polizei bei der Prävention und Aufklärung von Straftaten zu unterstützen. Gleichzeitig betont die Verwaltung, dass die Überwachung gezielt und nicht flächendeckend eingesetzt werden soll.
Nach Angaben der Stadt werden letztlich rund 5,16 Prozent des öffentlichen Raums Barcelonas von den Kameras erfasst.
Keine Gesichtserkennung mit künstlicher Intelligenz
Ein wichtiger Punkt bei der geplanten Ausweitung betrifft den Datenschutz. Die neuen Kameras sollen keine Gesichtserkennung und keine auf künstlicher Intelligenz basierende Identifikation von Personen einsetzen. Das hat Sicherheitsdezernent Albert Batlle ausdrücklich erklärt.
Die Kameras sollen stattdessen zwei Hauptaufgaben erfüllen: Sie sollen einerseits eine abschreckende Wirkung haben und andererseits bei bereits begangenen Straftaten die Ermittlungen unterstützen und Beweismaterial liefern. Damit setzt Barcelona auf klassische Videoüberwachung, ohne die neuen Systeme offiziell mit automatisierter Gesichtserkennung auszustatten.
Weitere Kameras bereits in Planung
Neben den jetzt angekündigten 99 Kameras laufen bereits weitere Projekte. In einer ersten Phase wurden unter anderem 26 Kameras an der Plaça Catalunya und am Front Marítim installiert. Weitere sechs Kameras sollen an der Avinguda de la Catedral hinzukommen. Auf der Plaça Reial laufen bereits Arbeiten für weitere 20 Geräte.
Auch an der Rambla del Raval ist ein Ausbau vorgesehen. Dort sollen 21 neue Kameras installiert werden. Zudem soll das bestehende Überwachungssystem im Rathausgebäude umfassend modernisiert werden.
Weitere Standorte wurden ebenfalls bereits grundsätzlich genehmigt. Dazu gehören die Plaça Universitat im Stadtteil Eixample sowie der Parc de la Guineueta, die Plaça Àngel Pestaña und die Plaça Roja in Nou Barris. Für diese Projekte stehen teilweise noch weitere Genehmigungen aus.
Warum gerade diese Orte?
Barcelona will die Kameras nicht wahllos über das Stadtgebiet verteilen. Nach Angaben der Stadt wird bei der Auswahl der Standorte unter anderem berücksichtigt, wie viele Menschen die jeweiligen Orte besuchen, wie hoch die dort registrierte Kriminalität ist und ob es wiederholt zu Konflikten oder anderen Problemen im öffentlichen Raum kommt.
Auch besondere Sicherheitsrisiken, mögliche Ziele terroristischer Anschläge sowie weitere polizeiliche Erkenntnisse fließen in die Entscheidung ein. Die Kameras sollen damit vor allem an Orten zum Einsatz kommen, an denen die Behörden einen erhöhten Sicherheitsbedarf sehen.
Videoüberwachung als Teil einer größeren Sicherheitsstrategie
Der Ausbau der Kameras ist nur ein Bestandteil der Sicherheitsstrategie Barcelonas. Die Stadt setzt parallel auf eine stärkere Präsenz der Guàrdia Urbana, Maßnahmen gegen wiederholte Straftäter sowie Programme zur Bekämpfung des Drogenhandels und des Drogenkonsums im öffentlichen Raum.
Die Videoüberwachung soll dabei zusätzliche technische Unterstützung liefern – sowohl zur Abschreckung als auch zur späteren Aufklärung schwerer Vorfälle.
Was bedeutet das für Einwohner und Touristen?
Für Einwohner und Besucher Barcelonas bedeutet die Entwicklung, dass sie künftig an deutlich mehr Orten von öffentlichen Kameras erfasst werden können. Betroffen sind dabei nicht nur klassische Problemzonen. Auch stark besuchte Orte wie El Born, die Bunkers del Carmel oder die Anella Olímpica gehören zum Ausbau.
Die Stadt betont allerdings, dass es sich nicht um eine flächendeckende Überwachung Barcelonas handelt. Die Kameras konzentrieren sich auf ausgewählte Bereiche, die anhand verschiedener Sicherheitskriterien bestimmt wurden.
Gleichzeitig dürfte der Ausbau die Diskussion über Datenschutz und das richtige Verhältnis zwischen Sicherheit und Privatsphäre weiter anheizen.
Barcelona setzt auf mehr Kameras – aber ohne Gesichtserkennung
Mit den geplanten 99 neuen Kameras macht Barcelona einen weiteren Schritt beim Ausbau seiner öffentlichen Videoüberwachung. Noch in diesem Jahr sollen die Geräte an fünf weiteren Bereichen installiert werden. Langfristig verfolgt die Stadt ein deutlich größeres Ziel: Bis 2027 soll das Überwachungsnetz auf insgesamt rund 660 Kameras anwachsen.
Für die Stadt stehen dabei Sicherheit, Abschreckung und die Unterstützung polizeilicher Ermittlungen im Vordergrund. Gleichzeitig soll der Einsatz von Gesichtserkennung und KI-basierter Identifikation ausgeschlossen bleiben.
Damit setzt Barcelona auf eine deutliche Ausweitung der klassischen Videoüberwachung – gezielt an Orten, die von den Behörden als besonders sensibel eingestuft werden.
