In Spanien ist das neue Gesetz zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung nun vollständig in Kraft. Seit April wird die Regelung effektiv angewendet und bringt spürbare Änderungen für Bars, Restaurants und Supermärkte mit sich.
Redaktion Spanien Press
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft direkt die Kunden: Ab sofort sind gastronomische Betriebe verpflichtet, auf Wunsch kostenlos einen Behälter bereitzustellen, damit Gäste ihre Essensreste mitnehmen können. Das bedeutet konkret: Die bekannte „Tupper-Box“ darf nicht mehr extra berechnet werden.
Ziel dieser Maßnahme ist es, die Lebensmittelverschwendung in Spanien zu reduzieren. Laut Daten der Europäischen Union wirft jede Person im Land durchschnittlich rund 28 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg.
Was das Gesetz erreichen will
Das Gesetz ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der die Lebensmittelabfälle im Einzelhandel und beim Konsum bis 2030 um bis zu 50% reduziert werden sollen. Gleichzeitig ist geplant, die Verluste entlang der Produktions- und Lieferketten um 20% zu senken.
Um dies zu erreichen, müssen Unternehmen der Lebensmittelkette konkrete Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören unter anderem die Spende überschüssiger Lebensmittel, deren Nutzung als Tierfutter, die Kompostierung oder die Weiterverarbeitung.
Wen betrifft die Regelung
Nicht alle Betriebe sind gleichermaßen betroffen. Ausgenommen von bestimmten Verpflichtungen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten, landwirtschaftliche Betriebe mit unter 50 Mitarbeitern sowie Geschäfte mit einer Fläche von maximal 1.300 Quadratmetern.
Dennoch gilt für alle Akteure eine grundlegende Pflicht: Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung müssen umgesetzt werden.
Hohe Geldstrafen möglich
Verstöße gegen das Gesetz können teuer werden. Wer Kunden nicht darüber informiert, dass sie ihre Essensreste mitnehmen können, oder die Vorgaben nicht korrekt umsetzt, muss mit Geldstrafen von etwa 2.000 Euro rechnen.
Schwerwiegendere Verstöße – etwa das Fehlen eines entsprechenden Maßnahmenplans oder die unzureichende Handhabung von Lebensmittelüberschüssen – können Strafen von bis zu 60.000 Euro nach sich ziehen. In besonders schweren oder wiederholten Fällen sind sogar Bußgelder von bis zu 500.000 Euro möglich.
Kritik aus der Gastronomie
Die neuen Vorschriften stoßen in der Branche nicht nur auf Zustimmung. Vor allem die Pflicht, kostenlose Behälter bereitzustellen, wird von einigen Gastronomen kritisch gesehen.
Relevanz für Ausländer in Spanien
Für viele Ausländer, die in Spanien leben, ist diese Regelung nichts Neues, da ähnliche Praktiken bereits in anderen europäischen Ländern verbreitet sind. Dennoch stellt sie einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit dar und erleichtert es, Lebensmittelverschwendung im Alltag zu reduzieren.
