Hantavirus-Alarm vor Teneriffa: Kreuzfahrtschiff darf nach Protesten nicht im Hafen anlegen

Kein Zugang zum Hafen: Das Kreuzfahrtschiff soll vor der Küste Teneriffas vor Anker bleiben und nicht direkt anlegen (Credit: Kamil Molendys/Unsplash)

Die Nervosität auf den Kanaren wächst: Das niederländische Expeditionskreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem ein gefährlicher Hantavirus-Ausbruch bereits drei Menschenleben gefordert hat, darf nach massiven Protesten von Hafenarbeitern und regionalen Politikern nun doch nicht direkt im Hafen von Granadilla auf Teneriffa anlegen. Stattdessen soll das Schiff vor der Küste vor Anker bleiben, während die Passagiere mit kleineren Booten an Land gebracht werden.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Entscheidung fiel nach einem eskalierenden Streit zwischen der kanarischen Regionalregierung und Madrid. Besonders die Drohung von Hafenmitarbeitern, den Hafenbetrieb im Falle eines regulären Anlegens zu blockieren, erhöhte den Druck auf die Behörden erheblich.

Drei Tote und mehrere Infizierte an Bord

Der Ausbruch auf der MV Hondius gilt mittlerweile als einer der ungewöhnlichsten Virusvorfälle auf einem Kreuzfahrtschiff seit der Corona-Pandemie. Nach bisherigen Angaben wurden mindestens fünf Infektionen bestätigt, weitere Fälle stehen unter Verdacht. Drei Menschen starben bereits infolge der Erkrankung.

Besonders brisant: Bei dem Erreger handelt es sich offenbar um die seltene Andes-Variante des Hantavirus – die einzige bekannte Hantavirus-Art, bei der unter bestimmten Umständen auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist. Experten betonen zwar, dass dafür in der Regel enger und längerer Kontakt nötig sei, dennoch beobachten internationale Gesundheitsbehörden die Situation mit großer Sorge.

Ursprung vermutlich in Argentinien

Nach aktuellen Ermittlungen soll sich ein niederländisches Ehepaar bereits vor Beginn der Reise in Ushuaia im Süden Argentiniens infiziert haben. Das Paar hatte laut Gesundheitsbehörden an einer Vogelbeobachtung nahe einer Müllhalde teilgenommen, wo vermutlich Kontakt mit kontaminierten Nagetier-Ausscheidungen bestand.

Der Mann starb wenige Wochen später an Bord des Schiffes, seine Frau verstarb später in Südafrika. Danach häuften sich weitere Verdachtsfälle unter Passagieren und Crewmitgliedern.

WHO bat Spanien um Hilfe

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Spanien offiziell um Unterstützung gebeten, nachdem Kap Verde signalisiert hatte, die Lage medizinisch nicht bewältigen zu können. Daraufhin entschied die spanische Zentralregierung, das Schiff auf humanitärer Grundlage aufzunehmen.

Die kanarische Regionalregierung reagierte jedoch empört. Kanaren-Präsident Fernando Clavijo kritisierte Madrid scharf und sprach von mangelnder Transparenz sowie unzureichenden Sicherheitsinformationen. Die Inselregierung habe die Entscheidung teilweise erst über Medienberichte erfahren.

Auch die Gemeinde Granadilla de Abona verlangte „maximale gesundheitliche Garantien“, bevor eine Ausschiffung stattfinden könne.

Schiff bleibt nun offshore

Um die Situation zu entschärfen, kündigten die Behörden schließlich einen Kompromiss an: Die MV Hondius wird nicht direkt im Hafen festmachen. Stattdessen soll das Schiff vor der Küste bleiben. Passagiere werden mit sogenannten Tender-Booten an Land gebracht und anschließend medizinisch untersucht.

Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums sollen ausländische Passagiere möglichst rasch in ihre Heimatländer ausgeflogen werden – allerdings nur, wenn sie symptomfrei sind. Spanische Staatsbürger werden voraussichtlich nach Madrid gebracht und dort unter Quarantäne gestellt.

Angst vor einer Wiederholung der Corona-Zeit

Auf Teneriffa weckt der Fall bei vielen Bewohnern unangenehme Erinnerungen an die Corona-Pandemie. In sozialen Netzwerken und lokalen Medien wächst die Sorge, die Insel könne erneut zum Zentrum eines internationalen Gesundheitsnotstands werden.

Gesundheitsexperten versuchen jedoch zu beruhigen. Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung sei laut WHO derzeit gering. Anders als Covid-19 verbreite sich das Andes-Hantavirus deutlich schwerer und erfordere normalerweise engen persönlichen Kontakt.

Dennoch bleibt die Lage angespannt. Die MV Hondius wird in den kommenden Tagen vor Teneriffa erwartet – begleitet von einem der größten medizinischen und logistischen Einsätze auf den Kanaren seit Jahren.

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