19. September 2026
Lesezeit 2 Minuten

Ceuta bringt Sánchez selbst im linken Medienlager unter Druck

Screenshot. Der linksgerichtete Journalist Antonio García Ferreras äußert sich zunehmend kritisch gegenüber Sánchez

Die Krise um Ceuta entwickelt sich für Pedro Sánchez zunehmend zu einem politischen Problem, das weit über die Auseinandersetzung mit der konservativen Opposition hinausgeht. Auffällig ist vor allem, dass die Kritik inzwischen auch aus Bereichen kommt, die traditionell deutlich näher an der spanischen Linken und an der PSOE stehen.

Redaktion Spanien Press

Besonders deutlich zeigt sich das bei Antonio García Ferreras und seiner Sendung „Al Rojo Vivo“ auf laSexta.

Ferreras ist kein konservativer Kommentator. Gerade deshalb sorgt der zunehmend scharfe Ton gegenüber der Regierung für Aufmerksamkeit.

Ferreras geht auf Konfrontationskurs

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung am 18. September.

Nachdem der frühere PSOE-Politiker Eduardo Madina die Regierungspolitik im Zusammenhang mit Ceuta kritisiert hatte, griff Verkehrsminister Óscar Puente den ehemaligen Sozialisten öffentlich an.

Ferreras reagierte darauf ungewöhnlich scharf. Er bezeichnete Puente in seiner Sendung als „matón del PSOE“ – als „Schläger der PSOE“ – und kritisierte zugleich den Umgang der Regierung mit ihren Kritikern.

Eine solche Wortwahl ist bemerkenswert, weil sie nicht aus dem konservativen Oppositionslager stammt. Sie kommt von einem der bekanntesten politischen Moderatoren des spanischen Fernsehens und ausgerechnet in einer Sendung, die seit Jahren eine zentrale Rolle im linken Medienumfeld Spaniens spielt.

Doch der Streit um Puente ist nur ein Teil der Entwicklung.

Bereits Anfang September hatte Ferreras Innenminister Fernando Grande-Marlaska wegen dessen Reaktion auf einen Polizeibericht über die Ereignisse in Ceuta scharf angegriffen. Er bezeichnete dessen Haltung als „alucinante“ und erklärte, der Minister habe offenbar „nichts verstanden“.

 

Kritik kommt auch aus der PSOE selbst

Noch problematischer für Sánchez ist, dass die Unzufriedenheit nicht auf Journalisten beschränkt bleibt.

Auch sozialistische Politiker aus Ceuta haben die Politik der Zentralregierung öffentlich kritisiert. Der PSOE-Abgeordnete Melchor León forderte eine entschlossenere Reaktion und stellte insbesondere den von Sánchez angekündigten Zeitplan zur Stabilisierung der Lage infrage. In Al Rojo Vivo bezeichnete er den Zeitplan als „unmöglich“.

Damit bekommt die Debatte eine andere Dimension. Es geht nicht mehr lediglich um die bekannte Konfrontation zwischen Regierung und Opposition. Die Auseinandersetzung erreicht zunehmend das eigene politische Lager.

Das Problem ist nicht Ferreras allein

Es wäre allerdings falsch, daraus abzuleiten, Ferreras oder laSexta hätten grundsätzlich die Seiten gewechselt und seien nun zu Gegnern von Sánchez geworden.

Dafür gibt es keinen ausreichenden Beleg.

Interessanter ist etwas anderes: Die Hemmschwelle für offene Kritik scheint niedriger geworden zu sein.

Gerade in der Berichterstattung über Ceuta werden Regierungspolitik, das Verhältnis zu Marokko und der Umgang mit der Migrationskrise inzwischen auch von Stimmen hinterfragt, die nicht aus dem konservativen Lager kommen.

Für Sánchez ist das politisch unangenehm. Denn Kritik von Partido Popular oder Vox lässt sich leicht als Opposition einordnen. Wenn dagegen ehemalige Sozialisten, sozialistische Abgeordnete oder prominente Journalisten aus dem linken Spektrum Zweifel äußern, wird die Verteidigung der bisherigen Regierungslinie schwieriger.

Ceuta als Katalysator

Die Ereignisse in Ceuta haben deshalb möglicherweise weniger deshalb Bedeutung, weil sie einen völlig neuen politischen Konflikt geschaffen hätten. Sie wirken vielmehr wie ein Katalysator für bereits vorhandene Spannungen.

Besonders auffällig ist dabei die zunehmende Härte der öffentlichen Auseinandersetzungen innerhalb des linken politischen Umfelds.

Dass ein Moderator wie Ferreras einen sozialistischen Minister öffentlich als „Schläger der PSOE“ bezeichnet, ist dafür ein besonders deutliches Beispiel.

Ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Abkehr von Sánchez entsteht, lässt sich derzeit nicht sagen.

Fest steht jedoch: Die Regierung kann die Debatte über Ceuta nicht mehr einfach als Angriff der konservativen Opposition darstellen. Die kritischen Stimmen kommen inzwischen auch aus dem eigenen politischen und medialen Umfeld.

Und genau das macht die Krise für Pedro Sánchez so heikel.

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