Redaktion Spanien Press
Costa del Sol – Juni 2025
Sie reisen als Urlauber ein, tragen Sonnenbrille, sprechen kaum und verschwinden nach der Tat wie Geister: Sicarios, professionelle Auftragsmörder, die in Spanien töten und binnen Stunden wieder außer Landes sind. Ihr bevorzugtes Revier: die Costa del Sol, eine Region, in der sich Sonne, Luxus und organisierte Kriminalität seit Jahren überschneiden.
Der jüngste Doppelmord in Fuengirola, bei dem zwei britisch-schottische Gangster in einem Pub erschossen wurden, zeigt erneut, wie leicht diese Killer nach Spanien gelangen – und wieder verschwinden.
Einreise wie Touristen – mit echten Pässen und ohne Verdacht
Die meisten Auftragsmörder reisen über ganz normale Wege ein: mit gültigen EU-Pässen, Reservierungen in Hotels oder Ferienwohnungen, gebuchten Flügen nach Málaga, Sevilla oder Madrid. Sie werden nicht erkannt – denn sie stehen meist nicht in internationalen Fahndungsdatenbanken.
„Viele sind Profis aus Osteuropa, Marokko, Kolumbien oder Irland. Sie landen, erledigen den Auftrag, steigen ins Auto und sind wieder weg“, erklärt ein verdeckter Ermittler der Guardia Civil.
Sie bleiben oft nur 48 bis 72 Stunden im Land. Die Waffe wird entsorgt, der Mietwagen anonym geparkt, und der Täter ist bereits im Flieger nach Brüssel, Warschau oder Casablanca, bevor die Polizei die Spur aufnimmt.
Wer steckt hinter den Aufträgen?
Die Drahtzieher sitzen meist in der Nähe – in Luxusvillen von Marbella oder Estepona – oder operieren von anderen EU-Ländern aus. Clans aus Niederlanden, Großbritannien, Frankreich oder Albanien nutzen Spanien als Treffpunkt, Umschlagplatz für Drogen – und auch als Hinrichtungsbühne.
Diese Gruppen beauftragen externe „Vertragspartner“, die keine direkte Verbindung zur Bande haben, um sich rechtlich abzusichern. Jeder Auftrag ist präzise geplant: Zielort, Fluchtroute, Zeitfenster, sogar Verkehrskameras und Polizeirouten werden vorher analysiert.
Laut Ermittlern liegt der Preis für einen Mordauftrag inzwischen bei rund 20.000 Euro – ein Betrag, der für viele kleine Kriminelle oder entlassene Söldner aus Konfliktzonen ein attraktives Geschäftsmodell darstellt.
Die Täter sind in der Mehrzahl Männer, oft mit militärischer oder paramilitärischer Vergangenheit. Doch auch Frauen tauchen zunehmend in Ermittlungsakten auf – als Fahrerinnen, Aufklärerinnen oder sogar Schützinnen. Ihr unauffälliges Auftreten macht sie für bestimmte Operationen besonders geeignet.
Warum Spanien?
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Offene Grenzen (Schengen-Raum): Keine Passkontrollen an Landgrenzen und oft auch nicht an Flughäfen innerhalb der EU.
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Hohe Dichte internationaler Gangs: Besonders an der Costa del Sol, in Katalonien oder Levante.
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Schwache Strukturen zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens: Laut Staatsanwalt Fernando Bentabol „fehlen spezialisierte Ermittler und Ressourcen“.
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Schweigende Zeugen: Aus Angst oder Loyalität reden viele Zeugen nicht mit der Polizei.
Fast jeder Mord bleibt ungelöst
Gerade weil die Täter kaum Spuren hinterlassen, keine Verbindungen zum Opfer haben und innerhalb weniger Stunden wieder außer Landes sind, ist es für die spanischen Ermittler äußerst schwierig – oft unmöglich – diese Verbrechen aufzuklären.
Die Auftragsmorde wirken wie chirurgische Operationen: schnell, präzise, anonym. Die Behörden stehen einer unsichtbaren Front gegenüber, bei der klassische Ermittlungsmethoden kaum greifen. Und solange das internationale Netzwerk der organisierten Kriminalität weiter wächst, bleibt die Costa del Sol ein Tatort im Paradies.
