Barcelona, April 2025 — Die Geschichte liegt verborgen unter dem Pflaster der Stadt. Bei Bauarbeiten für ein neues Parkhaus auf dem Gelände des ehemaligen Mercat del Peix, in unmittelbarer Nähe des Parks der Ciutadella, wurden überraschend die Überreste eines Schiffs entdeckt, das vor rund 500 Jahren gesunken sein dürfte.
Die Ausgrabung legt ein gut erhaltenes Holzwrack frei, das vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Experten gehen davon aus, dass es sich um ein Handelsschiff handelt, das einst den geschäftigen Seeweg zwischen Barcelona und anderen Mittelmeerhäfen befuhr – in einer Zeit, als das Meer die Stadt an ganz anderen Küstenlinien berührte als heute.
Ein maritimer Zeitzeuge
Das Schiff, vorläufig „Ciutadella I“ genannt, wurde etwa fünf Meter unter dem heutigen Meeresspiegel gefunden. Es misst rund zehn Meter in der Länge und drei Meter in der Breite. Die Bauweise mit Spanten und Planken, verbunden durch Holzdübel und Eisennägel, entspricht der typischen mediterranen Schiffbaukunst des Spätmittelalters.
„Dieses Wrack ist eine Zeitkapsel“, sagt einer der Archäologen vor Ort. „Es gewährt uns einen einzigartigen Einblick in die maritime Geschichte Barcelonas – in das Leben, die Technik und die Handelswege einer vergangenen Epoche.“
Holz, Eisen und viele offene Fragen
Die Überreste des Schiffs sind erstaunlich gut erhalten. Um das empfindliche Material vor dem Verfall zu schützen, wird das Wrack aktuell mit feuchtem Sand bedeckt. Die Bergung und Konservierung wird voraussichtlich Jahre in Anspruch nehmen und erfolgt unter der Leitung des städtischen Archäologiedienstes sowie des Zentrums für Unterwasserarchäologie Kataloniens.
Eine versunkene Stadt spricht
Es ist nicht der erste Fund dieser Art in Barcelona – doch er gehört zu den bedeutendsten. Die Entdeckung erinnert daran, dass Barcelona nicht nur eine moderne Metropole ist, sondern auch eine Stadt, die über Schichten von Geschichte gebaut wurde. Mit jedem neuen Fund erzählen diese Schichten ein Stück mehr von einer Vergangenheit, die nie ganz verschwunden ist.
