Redaktion Spanien Press
Wer kennt dieses Foto nicht?
Elf Bauarbeiter sitzen auf einem Stahlträger hoch über Manhattan, scheinbar furchtlos, ohne Sicherung, mit der Stadt zu ihren Füßen. Entstanden im Jahr 1932 beim Bau des Rockefeller Centers, wurde dieses Bild zum Symbol für Mut, Überlebenswillen – und die Einwanderer, die das moderne New York mit aufgebaut haben.
Was kaum jemand weiß: Einer von ihnen war Spanier.
Er hieß Nacho Ibargüen Moneta und wurde 1899 in Balmaseda (Baskenland) geboren. Wie viele andere verließ er Spanien in jungen Jahren – auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Über Argentinien und Großbritannien gelangte er schließlich nach New York, wo er eine Familie gründete und als Bauarbeiter in luftiger Höhe arbeitete.
Vom Fluss Cadagua zum Himmel über Manhattan
Nacho wuchs in einer Großfamilie auf und liebte es als Kind, im Fluss zu angeln. Als Erwachsener schweißte er Stahlträger in schwindelerregender Höhe zusammen. In Brooklyn lernte er Esperanza Ojinaga kennen, eine junge Baskin, die als Kind in die USA ausgewandert war. Sie heirateten 1927 und bekamen vier Kinder.
Und genau dort – hoch oben auf einem Träger des Rockefeller Centers – wurde Nacho auf einem Foto festgehalten, das später um die Welt gehen sollte: „Lunch atop a Skyscraper“.
Eine Entdeckung voller Emotionen
Jahrzehnte später, in den 1980er Jahren, besuchte sein Sohn Donald Peter Ibargüen – genannt Dani – die Heimat seines Vaters im Baskenland. Bei einem dieser Besuche schenkte ihm ein Verwandter, nichts ahnend, eine gerahmte Kopie des berühmten Fotos.
Als Dani das Geschenk öffnete, kamen ihm die Tränen.
„Das ist mein Vater“, sagte er bewegt.
Die Familie in Balmaseda war völlig überrascht – bis dahin wusste niemand, dass Nacho Teil dieses ikonischen Moments war.
Spanische Spurensuche in Manhattan
Die baskische Kulturvereinigung Harresi nahm die Geschichte ernst und ging den Hinweisen nach. In den Archiven des Rockefeller Centers wurde Nachos Name nur mit einem Fragezeichen aufgeführt – aber alte Familienfotos aus Brooklyn, sein Beruf und Wohnort bestätigten schließlich: Der Mann auf dem Foto ist tatsächlich ein Spanier aus Balmaseda.
Ein spanisches Gesicht im Herzen New Yorks
Heute hängt das Foto in Büros, Cafés und Wohnungen auf der ganzen Welt. Doch hinter den lässigen Posen auf dem Stahlträger verbirgt sich eine wahre Geschichte. Die Geschichte eines Spaniers, der über Ozeane reiste, sich verliebte, Häuser in den Himmel baute – und dabei ganz nebenbei zu einem Teil der Weltgeschichte wurde.
Ein stilles Denkmal für die vielen Spanierinnen und Spanier, die im 20. Jahrhundert den Grundstein für das moderne Amerika gelegt haben.
