Die Costa del Sol, Sinnbild für Sonne, Lebensqualität und wirtschaftlichen Aufschwung, kämpft Tag für Tag mit demselben Problem: endlose Staus. Der demografische Boom, die rasante Bautätigkeit und eine jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur haben die Mobilität in der Provinz Málaga an ihre Grenzen gebracht
Redaktion Spanien Press
Ein Alltag zwischen Hupen und Geduld
Um halb acht steigt Lucía Ramos, Krankenschwester im Krankenhaus Costa del Sol, in Mijas in ihr Auto. „Zwanzig Kilometer bis zur Arbeit – und manchmal brauche ich über eine Stunde“, sagt sie und lächelt müde. „Ich frühstücke im Auto, weil ich sowieso stehe.“
Ähnlich geht es Javier Navas, Lehrer in einem Gymnasium in El Palo. „Wenn ich nach acht Uhr losfahre, stehe ich bis Rincon de la Victoria. Mit dem Motorrad brauche ich zwanzig Minuten, mit dem Auto fast eine Stunde. Öffentlicher Nahverkehr? Praktisch keine Option.“
Der Plattform Infraestructuras Málaga warnt: „Die Region hat sich ausgedehnt, ohne an Verkehr zu denken. Menschen ziehen ins Umland, weil sie sich Málaga nicht mehr leisten können – aber es gibt keine schnellen Bus- oder Bahnverbindungen. Dieses Modell ist nicht nachhaltig.“
Wachstum ohne Plan
In den letzten zehn Jahren sind an der Costa del Sol über 150.000 neue Einwohner hinzugekommen, viele von ihnen Ausländer auf der Suche nach Sonne und Lebensqualität. Doch die Straßen sind dieselben geblieben.
„Wir sind vor vier Jahren nach Estepona gezogen, auf der Suche nach Ruhe“, erzählt Erik Johansen, ein norwegischer Designer, der im Homeoffice arbeitet. „Jetzt habe ich den Verkehrslärm der Stadt gegen den Dauerstau eingetauscht.“
Auch die Unternehmervereinigung von Málaga (CEM) schlägt Alarm. „Die Verkehrsinfrastruktur hält mit der wirtschaftlichen Dynamik nicht Schritt. Ohne Planung steuern wir auf ein strukturelles Verkehrschaos zu.“
Der Zug, der nie kommt
Das Projekt einer Küstenbahn zwischen Nerja und Algeciras bleibt ein ferner Traum – frühestens in 15 Jahren realisierbar. Für Antonio Márquez, Kellner in einem Hotel in Torremolinos, wäre sie eine Rettung: „Ich fahre täglich 30 Kilometer zur Arbeit. Wenn es diesen Zug gäbe, würde ich das Auto sofort stehen lassen.“
Derweil stößt die Cercanías-Linie Málaga–Fuengirola längst an ihre Kapazitätsgrenzen.
Tourismus in Gefahr
Auch Touristen äußern sich genervt. „Ich bin wegen Sonne und Kultur gekommen – nicht wegen der Staus“, sagt Hannah Müller, eine Urlauberin aus Deutschland, die in Benalmádena wohnt. „Ein Mietwagen war ein Fehler. Ich stehe mehr, als ich fahre.“
Der Preis des Erfolgs
Verkehrsexperten beziffern die indirekten Kosten der täglichen Staus auf Millionenbeträge – durch Zeitverlust, Treibstoffverbrauch und Emissionen. „Wir zahlen den Preis unseres Erfolgs“, fasst Ingenieur Paredes zusammen. „Málaga wächst zu schnell, ohne moderne Verkehrsmittel zu schaffen. Der Fortschritt droht zum Bumerang zu werden.“
Die Politik reagiert langsam. Die Regierung lehnt weiterhin eine Mautsenkung auf der AP-7, einer der teuersten Autobahnen Spaniens, ab. Studien und Gutachten häufen sich, doch konkrete Maßnahmen bleiben aus.
So bleibt die Costa del Sol in ihrer eigenen Paradoxie gefangen: ein Ort, an dem jeder leben möchte – nur bewegen kann man sich dort kaum noch.
