19 de Juli de 2025
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Die Deutschen in Spanien: Eine uralte Verbindung

Wenn wir heute an Deutsche in Spanien denken, kommen uns meist Rentner an der Costa Blanca oder Urlauber auf Mallorca in den Sinn. Doch die Verbindung zwischen Spanien und dem deutschsprachigen Raum reicht viele Jahrhunderte weiter zurück – bis in die Spätantike. Die heutigen deutschen Wurzeln in Spanien sind tief, vielschichtig und älter als der Massentourismus der 1960er-Jahre

Redaktion Spanien Press

Germanische Ursprünge: Westgoten, Sueben und Vandalen (5. Jahrhundert)

Bereits im 5. Jahrhundert nach Christus kamen germanische Völker auf die Iberische Halbinsel: Die Westgoten, Sueben und Vandalen wanderten nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches ein und prägten über Jahrhunderte hinweg Kultur, Sprache und Recht. Die Westgoten errichteten sogar ein eigenes Königreich mit Hauptstadt in Toledo, das bis zur islamischen Eroberung 711 Bestand hatte.

Obwohl diese germanischen Völker nicht direkt „deutsch“ im heutigen Sinne waren, bilden sie doch einen frühen Teil der kulturellen Verbindung zwischen Mitteleuropa und der Iberischen Halbinsel.

Ein deutscher Kaiser als spanischer König: Karl V.

Im 16. Jahrhundert wurde die Verbindung zwischen Deutschland und Spanien politisch zementiert: Karl I. von Spanien, besser bekannt als Karl V. (deutscher Kaiser), war der Enkel der Katholischen Könige und des Kaisers Maximilian I. Als Herrscher über das größte Reich seiner Zeit – „in dem die Sonne nie unterging“ – verband er Habsburger Macht mit spanischer Krone.

Karl V. war somit gleichzeitig spanischer König und deutscher Kaiser – ein Symbol der tiefen historischen Verflechtung beider Länder. Er zog sich später in das Kloster von Yuste zurück, wo er 1558 starb.

Kolonisierung der Sierra Morena im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert setzte der spanische König Carlos III. eine bedeutende Kolonisierungspolitik in der Sierra Morena um, um die damals dünn besiedelten Gebiete neu zu bevölkern. Dieses Projekt zog viele Siedler aus ganz Europa an, darunter auch zahlreiche Deutsche. Die Nachfahren dieser Kolonisten leben bis heute in der Region und tragen spanische Nachnamen mit deutlich deutschem Ursprung.

In Sevilla und umliegenden Orten sind Namen wie Eismar, Kobler, Metzveiler, Minch, Neft, Prigman, Scheroff, Tecklemayer, Yegler, Oubernell verbreitet. Auch in nahegelegenen Gemeinden wie Guarromán und Carboneros findet man deutsche Familiennamen wie Fuchs, Ming, Teclesmaller, Avi und Yegles.

Ein weiteres Beispiel ist der Nachname Gross, der in Andalusien mit über 600 direkten Nachkommen eine sichtbare Präsenz hat. Diese Familien sind heute fester Bestandteil der regionalen Bevölkerung und spiegeln das historische Erbe dieser europäischen Einwanderung wider.

Handel und Einwanderung im 19. Jahrhundert: Deutsche Kaufleute in Málaga

Einen neuen Schub erhielt die deutsche Präsenz in Spanien im 19. Jahrhundert, insbesondere in Málaga. Ab der Mitte des Jahrhunderts ließen sich dort zahlreiche deutsche Kaufmannsfamilien nieder, die durch den expandierenden Mittelmeerhandel angelockt wurden. Ihre Namen sind heute noch präsent und zeugen von einer tiefen Verwurzelung:

Grund, Gross, Pries, Krauel, Werner, Brinkmann, Benthem, Rittwagen, Scholtz oder Nagel – allesamt heute spanische Familiennamen mit eindeutig deutschem Ursprung, die sich vor allem in Andalusien erhalten haben.

Der Ursprung der Straße liegt beim deutschen Kaufmann und Bankier Adolfo Príes Saniter, der im Jahr 1871 zum ersten Konsul des vereinigten Deutschlands in Málaga ernannt wurde

Deutsche in Sevilla zur Weltausstellung 1929

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Zuge der Vorbereitungen für die Iberoamerikanische Ausstellung 1929, zog es viele deutsche Familien nach Sevilla. Im heutigen Barrio del Porvenir lebten damals zahlreiche deutsche Ingenieure, Architekten, Diplomaten und Geschäftsleute mit ihren Familien.

In dieser Zeit wurde auch die Deutsche Schule Sevilla gegründet – eine Institution, die bis heute zu den renommiertesten internationalen Schulen Spaniens zählt und ein weiteres Zeichen für die feste Verankerung der deutschen Gemeinschaft in der Stadt ist.

Sie kamen mit der Absicht, nur für einige Jahre zu bleiben – doch die politischen Umwälzungen in Europa, insbesondere die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und später der Zweite Weltkrieg, machten eine Rückkehr unmöglich oder ungewiss.

Viele dieser Familien entschieden sich schließlich, dauerhaft in Sevilla zu bleiben, wo sie Wurzeln schlugen, Häuser bauten und ihre Kinder großzogen.

Unter den bedeutendsten deutschstämmigen Bewohnern Sevillas sticht Otto Engelhardt hervor – deutscher Konsul in Sevilla, Ingenieur und Unternehmer. Er war der Mann, der die elektrische Beleuchtung und die Straßenbahn nach Sevilla brachte, die städtische Infrastruktur modernisierte und ein pharmazeutisches Imperium aufbaute. Engelhardt nahm die spanische Staatsbürgerschaft an und sprach sich öffentlich gegen Hitler aus, unter anderem über die Presse. Für seinen Mut zahlte er einen hohen Preis: 1936 wurde er auf Befehl von Queipo de Llano hingerichtet. Heute gilt Engelhardt als Symbol für ethisches Engagement, technische Vision und gelungene Integration.

Otto Engelhardt  – deutscher Konsul in Sevilla, Ingenieur und Unternehmer mit Freunden und Familie in Sevilla

Flucht und Zuflucht nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden viele Deutsche – ob Verfolgte des Nationalsozialismus oder überzeugte Nationalsozialisten – Zuflucht in Spanien. Das Franco-Regime zeigte sich gegenüber Deutschen oftmals aufgeschlossen, insbesondere wenn sie politisch nützlich oder wirtschaftlich einflussreich waren.

Orte wie die „Playa de los Alemanes“ in Zahara de los Atunes (Cádiz) sind bis heute Gegenstand vieler Geschichten und Spekulationen über ehemalige Naziverstecke oder deutsche Enklaven in der Nachkriegszeit.

Die Monarchie als Symbol der deutsch-spanischen Verbindung

Kaum bekannt, aber historisch bedeutsam: Spaniens heutiger König Felipe VI.

Über die mütterliche Linie ist Felipe VI ein direkter Nachfahre des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II. von Hohenzollern, sowie anderer deutscher Herrscherhäuser wie der Wettiner und der Welfen (Hannover)

Die spanische Monarchie trägt somit bis heute deutsches Erbe in ihrer Blutlinie – ein eindrucksvolles Symbol der jahrhundertealten Verflechtung.

Felipe VI Credit Wikipedia

Deutschland in Spanien – eine wachsende Gemeinschaft

Und auch heute wächst die deutsche Gemeinschaft in Spanien stetig. Immer mehr Deutsche entscheiden sich, ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft hierher zu verlegen. Spanien ist für sie nicht nur Urlaubsort, sondern Heimat geworden. Und hier haben sie ihr Zuhause gefunden.

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