Spanien gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Welt – doch die Ironie ist groß: Gerade die eigenen Bewohner können sich oft keinen erholsamen Urlaub im eigenen Land mehr leisten und suchen ihr Glück stattdessen im Ausland
von Elsa Ibanez
Laut aktuellen Daten aus dem Jahr 2024 verzichten 33 Prozent der Spanier aus wirtschaftlichen Gründen auf ihren Urlaub oder reduzieren ihn deutlich. Diese Zahl unterstreicht den zunehmenden Druck auf Familien, sich eine Auszeit überhaupt noch leisten zu können.
Die durchschnittlichen Urlaubskosten in Spanien liegen inzwischen bei 315 Euro pro Person – deutlich höher als bei vielen internationalen Reisen. Beliebte Reiseziele wie Málaga, Mallorca, Menorca oder Cádiz verzeichnen explodierende Unterkunftspreise.
Früher verbrachten spanische Familien traditionell zwei Wochen an der Küste, wobei die erste Augusthälfte als die beliebteste und fast heilige Urlaubszeit galt. Oma, Eltern und Kinder teilten Haus, Strand und unvergessliche Momente. Diese Tradition ist heute fast verschwunden: Weder im Juli noch im August – und kaum noch im September – können viele Spanier diese Auszeit in ihrem Heimatland genießen.
Besonders bemerkenswert ist der Wandel bei denjenigen Familien, die eine Zweitwohnung am Meer besitzen. Früher wurde diese gern mit Familie und Freunden geteilt. Heute wird sie häufiger über Wochen an Touristen vermietet, da die Einnahmen zu verlockend sind, um darauf zu verzichten. Warum selbst genießen, wenn andere gut dafür bezahlen?
Die Folgen sind deutlich spürbar: Die Preise für Unterkünfte in beliebten Urlaubszielen wie Mallorca, Menorca oder Cádiz steigen weiter. Hotels und Ferienwohnungen erhöhen ihre Tarife um 20 bis 30 Prozent, auch die nationalen Flugpreise ziehen an. Für viele Spanier bleibt nur die Option, im Ausland zu suchen – Länder wie Marroko, Kroatien oder die Türkei bieten oft bessere Konditionen.
So entsteht eine paradoxe Situation: Während Spanien wirtschaftlich stark vom Tourismus lebt, sind es gerade die Einheimischen, die am wenigsten vom touristischen Boom profitieren – sie müssen ins Ausland fliehen, um sich eine wohlverdiente Pause leisten zu können. Während Touristen Spaniens Strände genießen, sind die Spanier gezwungen, andere Küsten zu suchen.
Diese Entwicklung zeigt die Kehrseite des Massentourismus in Spanien. Das Land, das weltweit zu den Top-Reisezielen zählt, ist zugleich eines, in dem ein Drittel der Bevölkerung auf Urlaub verzichtet. Eine bittere Ironie.
