In Nordspanien greift eine kleine Gemeinde zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um dem drohenden Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken: Salas, ein Dorf in der Region Asturien mit gerade einmal 4.770 Einwohnern, sucht aktiv neue Bewohner und stellt dafür finanzielle Unterstützung, Steuervergünstigungen und konkrete Hilfen für Unternehmensgründungen bereit.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Hinter der Initiative steht ein bekanntes Problem vieler ländlicher Regionen Spaniens: die fortschreitende Landflucht. Immer mehr junge Menschen ziehen in größere Städte, während in kleineren Orten Infrastruktur, Geschäfte und Arbeitsplätze nach und nach verschwinden.
Leerstand statt Leben im Ortskern
Auch in diesem asturischen Dorf sind die Auswirkungen deutlich sichtbar. Mehrere zentrale Geschäfte mussten bereits schließen oder stehen kurz davor, darunter eine Konditorei, eine Bäckerei sowie ein Metzger und ein Fischladen. Selbst klassische Treffpunkte wie eine Bar fehlen inzwischen im Ortsbild.
Die Folge: Der Alltag der verbliebenen Bewohner wird zunehmend eingeschränkt, während ganze Straßenzüge leer stehen und Immobilien ungenutzt bleiben.
Finanzielle Anreize für neue Einwohner
Um diesen Trend zu stoppen, setzt die Gemeinde nun auf ein umfassendes Förderprogramm, das gezielt neue Bewohner und insbesondere Unternehmer anziehen soll, die bereit sind, das wirtschaftliche Leben im Dorf wiederzubeleben. Dabei wird die Wiedereröffnung oder Übernahme bestehender Geschäfte ebenso unterstützt wie die Gründung neuer Unternehmen und die Sanierung leerstehender Häuser.
Finanziert wird ein Teil dieser Maßnahmen über europäische Förderprogramme wie die LEADER-Fonds, die durch zusätzliche lokale und regionale Hilfen ergänzt werden. Darüber hinaus profitieren Interessierte von Steuererleichterungen bei Renovierungsarbeiten sowie von vergünstigten Konditionen für Gewerbeflächen, um den Neustart im ländlichen Raum möglichst attraktiv zu gestalten.
Leben zwischen Natur, Landwirtschaft und Jakobsweg
Trotz der Herausforderungen bietet die Region auch attraktive Rahmenbedingungen. Das Dorf liegt in einer landschaftlich geprägten Umgebung, die stark von Landwirtschaft und Viehzucht bestimmt ist. Produziert werden unter anderem Rindfleisch, Milch sowie regionale Produkte wie Bohnen und Beeren.
Zudem profitiert die Gegend zunehmend vom Tourismus entlang des Camino Primitivo, einem der historischen Jakobswege, der jedes Jahr zahlreiche Pilger anzieht.
Auch infrastrukturell hat sich einiges verbessert: Glasfaserinternet und 5G-Abdeckung sind in vielen Teilen bereits verfügbar, während größere Städte wie Oviedo in erreichbarer Nähe liegen.
Kampf gegen die „España vaciada“
Das Projekt steht exemplarisch für eine größere Entwicklung in Spanien, die unter dem Begriff „España vaciada“ bekannt ist – das „leere Spanien“. Viele ländliche Gemeinden kämpfen mit Überalterung, Abwanderung und wirtschaftlichem Rückgang.
Regionen wie Asturien versuchen daher zunehmend, mit gezielten Förderprogrammen, günstigen Lebensbedingungen und kreativen Ansätzen neue Bewohner zu gewinnen.
Hoffnung auf einen Neuanfang
Ob die Strategie langfristig erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Ohne Zuwanderung drohen vielen kleinen Orten in Nordspanien weitere Verluste an Bevölkerung und Infrastruktur.
Die Initiative des asturischen Dorfes zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist – und dass ländliche Regionen bereit sind, neue Wege zu gehen, um ihre Zukunft zu sichern.
