In den 140 als „angespannt“ erklärten Gemeinden sind die Mietpreise um durchschnittlich 4,9 % gesunken. Gleichzeitig sinkt die Zahl neuer Verträge, während die Zahl befristeter Mietverhältnisse stark ansteigt.
Redaktion Spanien Press
Barcelona – 18. Juni 2025
Ein Jahr nach Inkrafttreten des spanischen Wohnraumgesetzes („Ley de Vivienda“) und der Mietpreisregulierung in Katalonien zeigen sich die ersten klaren Auswirkungen auf dem Wohnungsmarkt: Die Mieten sind gesunken, neue Mietverträge werden seltener abgeschlossen, und die zeitlich befristete Vermietung boomt – eine Reaktion vieler Vermieter auf die gesetzlichen Vorgaben.
Wie stark sind die Mietpreise gesunken?
Laut Angaben der Generalitat de Catalunya sind in den 140 angespannten Gemeinden – darunter Städte wie Barcelona, Girona und Terrassa – die Mieten im Schnitt um 4,9 % gefallen. In einzelnen Kommunen liegt der Rückgang sogar bei über 6 %.
Die Preisbremse zeigt Wirkung, doch der Rückgang ist nicht auf ein größeres Angebot zurückzuführen, sondern auf die Zunahme von Vertragsverlängerungen, bei denen die bisherigen Mieter weiterhin unter alten Konditionen wohnen bleiben.
Weniger Neuverträge, mehr Vertragsverlängerungen
Die Zahl der neu abgeschlossenen Mietverträge ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken. Stattdessen setzen viele Vermieter und Mieter auf Verlängerungen bestehender Mietverhältnisse, um die gesetzlichen Einschränkungen bei Neuverträgen zu umgehen.
Diese Entwicklung führt zu einer verringerten Wohnungsrotation und hemmt die Dynamik des Mietmarkts.
Zeitlich begrenzte Vermietung nimmt stark zu
Ein besonders auffälliger Effekt der Regulierung ist der starke Anstieg bei zeitlich befristeten Mietverträgen – also Saisonvermietungen ohne touristische Nutzung. In den regulierten Gemeinden verzeichnete dieser Sektor im letzten Jahr ein Wachstum von über 30 %.
Der Grund: Saisonmieten unterliegen nicht den Preisobergrenzen des neuen Gesetzes. Viele Vermieter nutzen diese Lücke, um höhere Einnahmen zu erzielen, insbesondere in Universitätsstädten, Küstenregionen und begehrten Stadtvierteln.
Ein Modell mit Nebenwirkungen?
Verschiedene Mieterverbände warnen, dass das Gesetz ohne ausreichenden sozialen Wohnungsbau nicht ausreicht, um die Situation grundlegend zu verbessern. Zwar seien die Mietpreise gebremst worden, doch der Markt habe sich zugunsten unsicherer Mietformen verschoben, was besonders für einkommensschwache Haushalte problematisch sei.
„Die Mietdeckelung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber ohne mehr öffentliche Wohnungen und eine Begrenzung spekulativer Vermietungsmodelle bleibt das Problem bestehen“, kritisiert das Sindikat der Mieter*innen (Sindicat de Llogateres).
Die Bilanz nach einem Jahr Regulierung
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–4,9 % Mietrückgang in regulierten Gemeinden
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Weniger Neuverträge, da Vermieter vorsichtig agieren
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Mehr Vertragsverlängerungen bei bestehenden Mietern
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Starker Anstieg bei Saisonmieten, die der Regulierung entgehen
