Ab 2026 steigen in Spanien die Sozialabgaben für Selbstständige deutlich. Berufsverbände sprechen von einem „neuen Schlag“ für die Selbstständigen, der die Mittelschicht und viele kleine Unternehmen besonders hart treffen könnte
Redaktion Spanien Press
Neue Beiträge sorgen für Unmut im ganzen Land
Die spanische Regierung hat eine neue Erhöhung der Sozialabgaben für Selbstständige angekündigt, die am 1. Januar 2026 in Kraft treten soll.
Offiziell wird die Maßnahme als ein gerechteres System präsentiert, das die Beiträge an die tatsächlichen Einkommen anpasst – doch viele Betroffene sprechen von einem „neuen Schlag“ oder gar einer Bestrafung für die Selbstständigen.
Nach dem Vorschlag der Sozialversicherung (Seguridad Social) sollen die monatlichen Beiträge je nach Einkommensstufe zwischen 11 und 206 Euro steigen.
Selbstständige mit geringen Einnahmen – unter 670 Euro im Monat – würden künftig rund 217 Euro zahlen, während diejenigen mit mehr als 6.000 Euro monatlichem Einkommen bis zu 796 Euro abführen müssten.
Regierung spricht von „mehr Gerechtigkeit“, Betroffene sehen höhere Belastung
Die Regierung verteidigt die Reform mit dem Argument, sie wolle mehr Fairness im System schaffen, damit jeder nach seinen tatsächlichen Einnahmen beiträgt und künftig bessere Rentenansprüche erhält.
Viele Selbstständige empfinden das jedoch als neue finanzielle Bürde, die in einem wirtschaftlich schwierigen Moment kommt.
Die Vereinigung der Selbstständigen (ATA) spricht von einem „direkten Schlag gegen den unternehmerischen Mittelstand“ und warnt, dass die Reform tausende kleine Betriebe gefährden könnte – besonders solche mit schwankenden oder geringen Einnahmen.
Sinkendes Vertrauen und wachsende Vorsicht
Zur Sorge über die höheren Abgaben kommt ein weiteres Problem: Immer weniger Vermieter möchten an Selbstständige vermieten.
Sie gelten als finanziell unsicher, da ihre Einkommen schwanken.
Viele Eigentümer entscheiden sich daher, ihre Wohnungen nur noch an Familienangehörige, Bekannte oder Angestellte mit festem Vertrag zu vermieten – oder sie lassen sie lieber leer.
Diese Entwicklung verschärft nicht nur den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt, sondern verstärkt auch das Gefühl vieler Selbstständiger, in Spanien wirtschaftlich immer weniger willkommen zu sein.
Eine ungewisse Zukunft für die Säule der Wirtschaft
Selbstständige machen über 16 % der Erwerbstätigen in Spanien aus – sie sind eine tragende Säule der Wirtschaft.
Doch viele haben das Gefühl, dass der Staat sie immer stärker belastet, ohne ihnen gleichzeitig Sicherheit oder Planungsspielraum zu bieten.
Sollte die Reform ohne Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden, warnen Experten, könnte Spanien seine unternehmerische Basis verlieren – und damit genau jene Menschen, die das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bilden.
