Spanien steht erneut unter Wetterdruck. Das Sturmtief Marta bringt anhaltende Regenfälle, starke Windböen, hohen Seegang sowie Schneefall in mittleren Höhenlagen – in einem Land, dessen Böden nach mehreren Wochen intensiver Niederschläge vielerorts vollständig gesättigt sind
Redaktion Spanien Press
Nach Angaben der Agencia Estatal de Meteorología (AEMET) gelten aktuell orangefarbene Wetterwarnungen in fünf autonomen Gemeinschaften: Andalusien, Kastilien-León, Galicien, die Region Murcia und die Autonome Gemeinschaft Valencia. Besonders betroffen sind Gebiete mit anhaltendem Starkregen, kräftigem Wind und gefährlichem Seegang an den Küsten.
Andalusien im Zentrum des Unwetters
Am stärksten betroffen ist derzeit Andalusien. In den Provinzen Málaga, Granada und Cádiz kommt es zu erheblichen Problemen bei der Trinkwasserversorgung, während landesweit in der Region 85 Straßen gesperrt wurden – infolge von Überschwemmungen, Erdrutschen und Schlammablagerungen.
In Orten wie Huétor Tájar (Granada) waren zahlreiche Anwohner gezwungen, während der Nacht Wasser aus Wohnungen, Garagen und Geschäftsräumen zu pumpen, nachdem innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen gefallen waren.
Trinkwasser aus der Luft als Notlösung
Angesichts der Versorgungsengpässe hat die Regionalregierung Andalusiens mobile Trinkwasser-Generatoren in Betrieb genommen, die Wasser aus der Luftfeuchtigkeit gewinnen. Die Geräte, die auf andalusischer Technologie basieren, werden derzeit in San Martín del Tesorillo (Cádiz) sowie im Raum El Secadero (Málaga) eingesetzt, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Grazalema vollständig evakuiert – Hochwasser am Guadalquivir
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gemeinde Grazalema, die aufgrund der extremen Niederschlagsmengen vollständig evakuiert werden musste. Innerhalb von nur 24 Stunden fielen dort bis zu 600 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Räumung des Ortes erfolgte aus Sicherheitsgründen, nachdem Boden und Grundwasser vollständig gesättigt waren und es zu ungewöhnlichen Geräuschen sowie Vibrationen im Untergrund gekommen war.
Auch in Córdoba bleibt die Lage angespannt. Der Pegel des Flusses Guadalquivir ist auf über 5,5 Meter gestiegen und liegt damit deutlich über der Schwelle für die rote Warnstufe. Der historische Puente Romano wurde vorsorglich gesperrt. Die zuständigen Behörden warnen, dass der Höchststand des Wassers noch nicht erreicht sein könnte.
Warnungen auch in weiteren Regionen
Die Auswirkungen des Sturmtiefs beschränken sich nicht auf den Süden Spaniens. In Extremadura wurde für den Norden der Provinz Cáceres ebenfalls die Warnstufe Orange ausgerufen, mit erwarteten Niederschlagsmengen von bis zu 80 Litern pro Quadratmeter innerhalb von zwölf Stunden. In Kastilien-León gelten in mehreren Provinzen Warnungen vor Schnee und Regen. Auch in der Autonomen Gemeinschaft Madrid ist Schneefall bis in mittlere Höhenlagen um etwa 900 Meter möglich.
Der Präsident der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno, rief zur Vorsicht auf und betonte, dass das Unwetter noch nicht überstanden sei: „Dieses Wetterereignis ist noch nicht vorbei. Uns stehen weitere schwierige Tage mit intensiven Regenfällen bevor.“
Ein Wetterereignis mit Fortsetzung
Das Sturmtief Marta zieht weiter von Südwest nach Nordost und wird auch in den kommenden Stunden für ergiebige Niederschläge im Westen der Halbinsel, auf der südlichen Meseta sowie im Raum der Straße von Gibraltar sorgen. Die Behörden empfehlen, unnötige Fahrten zu vermeiden, Überschwemmungsgebiete zu meiden und die offiziellen Warnhinweise aufmerksam zu verfolgen.
