7. Februar 2026
Lesezeit 2 Minuten

Goldpreis auf Rekordniveau: Spaniens alte Lagerstätten rücken wieder in den Fokus

Credit Jingming Pan (Unsplash)

Der starke Anstieg des Goldpreises hat in Spanien eine neue Dynamik ausgelöst. Während das Edelmetall zuletzt nahe historischer Höchststände gehandelt wurde, wächst auch das Interesse an der Wiedererschließung alter Goldlagerstätten – insbesondere im Norden des Landes. Zahlreiche nationale und internationale Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Genehmigungen zur geologischen Untersuchung beantragt. Die Debatte ist damit zurück: wirtschaftliche Chance oder ökologisches Risiko?

Redaktion Spanien Press

Aktuell gibt es in Spanien nur eine aktive Goldmine: El Valle-Boinás in Asturien. Sie wird von Orovalle betrieben, einer Tochtergesellschaft des kanadischen Konzerns Orvana Minerals. Dort werden jährlich rund ein bis anderthalb Tonnen Gold gefördert – im internationalen Vergleich eine geringe Menge, angesichts der aktuellen Preise jedoch von erheblichem wirtschaftlichem Wert.

Nordwestspanien als Zentrum der neuen Goldsuche

Der Schwerpunkt der aktuellen Aktivitäten liegt klar im Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Allein in der Provinz León existieren inzwischen mehr als hundert sogenannte Untersuchungsfelder für Gold. Diese Genehmigungen erlauben noch keinen Abbau, sondern dienen ausschließlich der geologischen Bewertung möglicher Vorkommen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit einem Projekt der kanadischen Firma Pan Global. In der ehemaligen Mine Divina Providencia nahe Cármenes, unweit der Grenze zu Asturien, wurden laut Unternehmensangaben hochgradige Goldmineralisierungen nahe der Oberfläche nachgewiesen. Ob daraus tatsächlich ein wirtschaftlich tragfähiger Abbau entsteht, ist jedoch offen – der Weg von der Exploration zur Förderung kann mehr als zehn Jahre dauern.

Auch in Asturien selbst laufen mehrere Vorhaben. Neben dem bestehenden Betrieb in El Valle-Boinás plant Orovalle die Wiederaufnahme der Förderung in der Mine Carlés. Weiter westlich sorgt das Projekt Salave für Diskussionen: Das Vorkommen gilt als eines der größten in Westeuropa, ist jedoch seit Jahren Gegenstand juristischer und politischer Auseinandersetzungen.

Andalusien und Extremadura: Gold als Nebenprodukt

Auch im Süden Spaniens wächst das Interesse, insbesondere in der Faja Pirítica de Huelva, einer der weltweit bedeutendsten Zonen für polymetallische Lagerstätten. Hier steht Gold meist nicht im Zentrum der Förderung, sondern fällt als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Zink oder Blei an.

Unternehmen wie Emerita Resources berichten von steigenden Rückgewinnungsquoten, was die wirtschaftliche Attraktivität solcher Projekte erhöht. In Extremadura wiederum bestehen zahlreiche Explorationsgenehmigungen, bislang jedoch ohne konkrete Abbauprojekte.

Technische und rechtliche Hürden

Der Goldabbau in Spanien ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Geologisch handelt es sich überwiegend um sogenannte primäre Lagerstätten, bei denen das Gold fest im Gestein gebunden ist. Die Gewinnung erfordert komplexe metallurgische Prozesse und hohe Investitionen.

Hinzu kommt ein strenger rechtlicher Rahmen. Umweltauflagen, Genehmigungsverfahren und gesellschaftlicher Widerstand führen dazu, dass zwischen der ersten Untersuchung und einer möglichen Inbetriebnahme oft 10 bis 20 Jahre vergehen.

Umweltorganisationen kritisieren den Goldabbau grundsätzlich. Sie verweisen darauf, dass für wenige Gramm Gold enorme Mengen Gestein bewegt werden müssen und warnen vor langfristigen Schäden für Böden und Gewässer. Vertreter der Geologie und des Bergbausektors halten dagegen, dass moderne Verfahren bei konsequenter Einhaltung der Vorschriften mit dem Umweltschutz vereinbar seien – verweisen jedoch selbst auf das tief sitzende Misstrauen in der Bevölkerung.

Spaniens Rolle im internationalen Vergleich

Innerhalb der Europäischen Union zählt Spanien zwar zu den fünf größten Goldproduzenten, global spielt das Land jedoch eine Nebenrolle. Die weltweite Förderung wird klar von Ländern wie China, Russland und Australien dominiert.

Auch bei den Goldreserven liegt Spanien mit rund 280 Tonnen deutlich hinter Staaten wie USA oder Deutschland. Ein Teil dieser Schwäche geht auf umfangreiche Verkäufe Mitte der 2000er Jahre zurück, als Gold zu einem Bruchteil des heutigen Preises gehandelt wurde.

Zwischen wirtschaftlicher Chance und gesellschaftlichem Konflikt

Der steigende Goldpreis lenkt den Blick erneut auf Spaniens Untergrund. Doch anders als in früheren Jahrzehnten reicht das bloße Vorhandensein von Rohstoffen nicht mehr aus. Wirtschaftliche Tragfähigkeit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz müssen zusammenkommen.

Ob Spanien in den kommenden Jahren tatsächlich neue Goldminen eröffnen wird, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Das Edelmetall hat eine Debatte neu entfacht, die weit über Geologie hinausgeht – und grundlegende Fragen nach Wachstum, Ressourcen und Verantwortung aufwirft.

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