Redaktion Spanien Press 28. Juni 2025
Spanien erlebt derzeit einen schwarzen Monat, in dem sich wirtschaftliche Unsicherheit, innenpolitische Spannungen und außenpolitische Niederlagen verbinden. Für Ministerpräsident Pedro Sánchez wird die Lage immer schwieriger. Was einst seine Stärke war – internationale Präsenz und das Image eines stabilen Anführers –, droht zu zerbrechen, während Korruptionsskandale innerhalb seiner Partei, der PSOE, ans Licht kommen.
Alleingang in der NATO
Beim NATO-Gipfel in Den Haag lehnte Sánchez die von den Partnern geforderte Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 5 % des BIP ab und beharrte auf 2,1 %. Dies isolierte Spanien innerhalb der Allianz und löste Spannungen mit den USA aus, während Trump Spanien mit höheren Beiträgen drohte. Die Bilder eines isolierten Sánchez am Rande des Gruppenfotos wurden zum Symbol seines wachsenden außenpolitischen Alleingangs.
Keine Unterstützung der EU gegen Israel
Auch in der EU blieb Sánchez isoliert, als er Sanktionen gegen Israel wegen des Krieges in Gaza forderte. Die EU beschränkte sich auf Appelle, während Länder wie Deutschland ihre Unterstützung für Israel bekräftigten und Waffenlieferungen fortsetzen.
Katalanisch bleibt außen vor
Sánchez scheiterte auch mit dem Versuch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch als Amtssprachen der EU anerkennen zu lassen. Mehrere Mitgliedsstaaten blockierten diese Initiative, die Sánchez innenpolitisch seinen Koalitionspartnern versprochen hatte.
Korruptionsskandale erschüttern die PSOE
Parallel zu diesen außenpolitischen Rückschlägen wird die PSOE von Korruptionsaffären erschüttert. Besonders brisant sind Ermittlungen gegen Santos Cerdán, den Generalsekretär der PSOE und engen Vertrauten von Sánchez, der im Zentrum von Vorwürfen wegen Geldwäsche und illegaler Finanzierung steht. Medienberichte sprechen von systematischen Provisionen, die über Baufirmen und Beratungsaufträge an Parteistrukturen zurückgeflossen sein sollen.
Zudem wird die Finanzierung von Wahlkämpfen der PSOE in mehreren Regionen untersucht, wobei Anzeichen für illegale Spenden und Schwarzgeldkonten aufgetaucht sind. Auch Personen im Umfeld von Sánchez sollen laut Medien in undurchsichtige Netzwerke von Auftragsvergaben und Immobiliengeschäften verwickelt sein.
Diese Vorwürfe haben die internationale Aufmerksamkeit auf Sánchez gelenkt. Die britische Times bezeichnete ihn als „Don Teflón“ für seine Fähigkeit, trotz Skandalen politisch zu überleben, während der Spiegel von einem „erbärmlichen Schauspiel“ sprach und die spanische Politik als „Telenovela“ bezeichnete.
Eine unsichere Bühne in Sevilla
In der kommenden Woche wird Sánchez versuchen, beim IV. Internationalen Gipfel zur Entwicklungsfinanzierung in Sevilla sein Image zu retten. Erwartet werden rund 70 Staats- und Regierungschefs, aber die USA bleiben dem Treffen fern. Spanien möchte hier seine Rolle als Vorreiter in der internationalen Zusammenarbeit betonen, doch die innen- und außenpolitischen Probleme drohen auch diesen Auftritt zu belasten.
Wird Sánchez bis 2027 durchhalten?
Angesichts wachsender Korruptionsvorwürfe innerhalb der PSOE, einer sich abkühlenden Wirtschaft und der zunehmenden internationalen Isolation stellt sich die Frage, ob Sánchez seinen Plan, bis 2027 erneut anzutreten, wirklich umsetzen kann. Die Forderungen nach Neuwahlen werden lauter, und viele Beobachter zweifeln daran, dass Sánchez dem Druck standhalten kann.
