Er wurde endlich gefasst. Iván Colom Villar, 28 Jahre alt, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft ohne Möglichkeit auf Kaution. Er soll für mindestens 17 sexuelle Übergriffe auf Frauen in Valencia verantwortlich sein. Der Fall sorgt in ganz Spanien für Entsetzen – nicht nur wegen der Brutalität der Taten, sondern auch wegen des überraschenden Profils des mutmaßlichen Täters.
Ein scheinbar unauffälliges Leben
Colom lebte mit seiner Mutter in Meliana, einer kleinen Gemeinde nahe Valencia. Er war Student an der Tanzhochschule, arbeitete gelegentlich in einem Kino und galt als kultiviert, freundlich, sogar gesellschaftlich engagiert. In sozialen Netzwerken äußerte er sich feministisch, nahm an linken Demonstrationen teil und veröffentlichte Beiträge zugunsten sozialer Gleichberechtigung.
Doch laut Ermittlern veränderte sich Coloms Verhalten nach dem Corona-Lockdown drastisch. Durch die Analyse seines Computers stellte sich heraus, dass er zunehmend frauenfeindliche Inhalte konsumierte und sich radikalisiert hatte. Besonders auffällig: seine Nähe zur sogenannten „Incel“-Bewegung – Männer, die sich als „unfreiwillig zölibatär“ bezeichnen und Frauen sowie Feminismus für ihre Lebensumstände verantwortlich machen.
Wiederholtes Muster: Angriff im Hausflur
Die Übergriffe ereigneten sich zwischen Januar 2024 und April 2025. Colom bewegte sich nachts mit dem Fahrrad durch die Stadt, auf der Suche nach jungen Frauen, die allein nach Hause gingen. Er verfolgte sie bis in den Eingangsbereich ihrer Wohnhäuser, überwältigte sie mit der Würgetechnik „Mata-León“ und verging sich an ihnen. In mehreren Fällen filmte er die Taten mit seinem Smartphone und veröffentlichte Aufnahmen über die Accounts der Opfer.
Dank übereinstimmender Beschreibungen, Aufnahmen aus Überwachungskameras und dem Wiedererkennen seines Fahrrads konnte die spanische Polizei ihn schließlich im Zentrum Valencias festnehmen. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung wurden mehrere elektronische Geräte sichergestellt, die nun auf weitere Beweismittel untersucht werden.
Ein Einzelfall?
Der Fall wirft viele Fragen auf: Wie kann ein junger Mann ohne Vorstrafen, der jahrelang als harmlos und progressiv galt, zum Serienvergewaltiger werden? Und welchen Einfluss haben digitale Netzwerke, in denen frauenverachtende Inhalte verbreitet werden?
Fachleute warnen vor der sogenannten „Manosphäre“ – einer Online-Subkultur, in der toxische Männlichkeitsideale, Frauenhass und Verschwörungstheorien über den Feminismus kursieren. Diese Foren wirken wie ein Nährboden für Radikalisierung und sexuelle Gewalt.
Gesellschaft in Alarmbereitschaft
Die spanische Öffentlichkeit steht vor der dringenden Aufgabe, neue Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt zu erkennen und zu bekämpfen – insbesondere jene, die im digitalen Raum entstehen und sich in der Realität auf grausame Weise manifestieren.
Notwendig sind präventive Aufklärung, psychologische Betreuung gefährdeter Jugendlicher und klare gesetzliche Maßnahmen gegen Hassrede im Netz. Nur so lässt sich verhindern, dass Fälle wie der von Iván Colom zur traurigen Normalität werden.
