Zum ersten Mal in Spanien wird eine Stadt ihren Tourismus durch eine eigene Verordnung streng regulieren. Ziel ist es, das historische Erbe zu bewahren und gleichzeitig den Alltag der Bewohner in der Altstadt zu schützen
Redaktion Spanien Press
Die neue Regelung, die im September endgültig verabschiedet werden soll, bringt deutliche Veränderungen mit sich:
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Kleinere Gruppen: In stark besuchten Bereichen wie der Calle Hombre de Palo, dem Plaza del Consistorio oder dem Pasadizo de Balaguer dürfen geführte Gruppen künftig maximal 30 Personen umfassen – außer es liegt eine Sondergenehmigung des Rathauses vor.
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Verbot von Megafonen und Regenschirmen: Stadtführer dürfen weder Lautsprecher noch die bunten Regenschirme nutzen, die bisher das Markenzeichen vieler „Free Tours“ waren. Diese machen etwa zehn Prozent aller Besuche aus.
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Rücksicht auf Anwohner: In engen Gassen müssen Gruppen hintereinander laufen, Eingänge und Geschäfte dürfen nicht blockiert werden. Außerdem ist der Einsatz von Megafonen nach 23 Uhr untersagt.
Zusätzlich behält sich das Rathaus vor, Besucherzahlen an einzelnen Punkten zu begrenzen oder alternative Routen vorzugeben, wenn es zu Überfüllungen kommt. Bei Verstößen drohen Sanktionen für die Organisatoren.
Die Verordnung betrifft auch den touristischen Transport: Sowohl der Touristenzug als auch der Panoramabus werden künftig nur noch mit einer einzigen Lizenz betrieben. Außerdem soll ein neuer Tourismusrat die bisherigen Strukturen ablösen und für eine bessere Koordination sorgen.
Mit nur rund 86.000 Einwohnern empfing die Stadt Toledo allein zwischen Januar und Juni fast 300.000 Gäste und verzeichnete knapp eine halbe Million Übernachtungen. Im gesamten Jahr 2024 waren es sogar mehr als 978.000.
„Diese Regeln richten sich nicht gegen jemanden, sondern sollen eine für die Stadt wichtige Aktivität ordnen und mit dem täglichen Leben vereinbar machen“, betonte Tourismusstadtrat José Manuel Velasco im Plenum, in dem die Verordnung erstmals beschlossen wurde.
