30 de Januar de 2026
Lesezeit 2 Minuten

Euribor sinkt erstmals seit fünf Monaten

Credit Sasun Bughdaryan (Unsplash)

Nach fünf Monaten kontinuierlicher Anstiege hat der Euribor, der wichtigste Referenzzinssatz für variable Hypotheken in Spanien, im Januar erstmals wieder leicht nachgegeben. Laut vorläufigen Berechnungen liegt der Durchschnitt des Euribor‑12‑Monate‑Indexes für Januar bei 2,246 %, leicht unter dem Wert von Dezember (2,267 %).

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Nach Monaten der Seitwärtsbewegung signalisiert der aktuelle Rückgang eine mögliche Stabilisierung der Zinsen. Der Euribor hatte im Oktober 2023 mit 4,16 % seinen Höchststand erreicht, nachdem die Europäische Zentralbank im Zuge der Inflationsbekämpfung die Leitzinsen mehrfach angehoben hatte. Seither ist ein langsamer, aber stetiger Abwärtstrend zu beobachten.

Vom Negativzins zur Zinswende

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung verdeutlicht die Dynamik der vergangenen Jahre: Während der Euribor im Januar 2021 noch bei −0,51 % lag, setzte ab 2022 ein rascher Anstieg ein. Diese Entwicklung belastete insbesondere Haushalte mit variablen Krediten stark.

Der nun verzeichnete Rückgang wird daher als erstes positives Signal für Kreditnehmer gewertet, auch wenn das Zinsniveau weiterhin deutlich über dem der Vorkrisenjahre liegt. Experten sehen darin die Chance auf moderate Entlastungen, insbesondere für Haushalte, deren Kredite jährlich angepasst werden.

Konkrete Auswirkungen auf Hypothekenhaushalte

Da der Euribor als Referenz für die Mehrheit der variabel verzinsten Hypotheken dient, wirkt sich jede Veränderung direkt auf die monatlichen Raten aus. Je nach Kredithöhe, Restlaufzeit und Anpassungszeitpunkt können Kreditnehmer nun mit spürbaren Einsparungen rechnen.

Beispiel 1 – Hypothek über 300.000 €:

  • Spread: +1 %

  • Monatliche Zinsersparnis: ~45 €

  • Jährliche Ersparnis: ~535 €

Beispiel 2 – Hypothek über 150.000 €:

  • Spread: +1 %

  • Monatliche Zinsersparnis: ~22 €

  • Jährliche Ersparnis: ~268 €

Auch bei halbjährlicher Anpassung profitieren Kreditnehmer: Eine Hypothek über 300.000 € spart rund 26 € pro Monat bzw. 316 € pro Halbjahr.

Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Entlastung individuell unterschiedlich ausfällt und nicht alle Haushalte sofort davon profitieren.

Regionale Perspektiven und angespanntes Wohnungsmarktumfeld

Parallel zur Zinsentwicklung bleibt der spanische Immobilienmarkt angespannt. Die Wohnungspreise stiegen im Jahr 2025 um 14,4 %, deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt, was die wachsende Kluft zwischen Einkommen und Immobilienkosten verdeutlicht. Gleichzeitig weist Spanien ein Defizit von rund 800.000 Wohnungen auf, wobei sich mehr als die Hälfte dieses Mangels auf die Ballungsräume Madrid, Barcelona und Valencia konzentriert.

Die Auswirkungen des Euribor‑Rückgangs fallen in regionalen Wohnmärkten unterschiedlich aus:

  • Madrid und Barcelona: Trotz Rückgang bleibt die Belastung hoch, da Immobilienpreise weiterhin Spitzenwerte erreichen.

  • Andalusien und Galicien: Haushalte profitieren vergleichsweise stärker, da die Immobilienpreise hier moderater sind und der Zinsrückgang die Raten messbar entlastet.

  • Küstenregionen (Costa del Sol, Costa Blanca): Besonders viele ausländische Käufer mit variabel verzinsten Hypotheken sehen Ersparnisse bei Ferienimmobilien.

Expertenmeinungen zur zukünftigen Zinsentwicklung

Analysten gehen davon aus, dass der Euribor voraussichtlich weiterhin stabil bleibt. Ein plötzliches Ansteigen oder starkes Fallen des Index gilt derzeit als unwahrscheinlich.

  • Prognosen zufolge wird der Euribor 2026 im Jahresdurchschnitt bei etwa 2,17 % liegen.

  • Kleinere Schwankungen sind möglich, haben aber in der Regel keine dramatischen Auswirkungen auf die monatlichen Hypothekenraten.

  • Einige Experten sehen Chancen für leichte Rückgänge, falls die Inflation weiter sinkt oder die EZB die Geldpolitik unverändert beibehält.

Kleine Entlastung, große Wirkung

Der Rückgang des Euribor im Januar 2026 ist ein positives Signal für Hypothekenhaushalte, die seit Monaten steigende Zinsen verkraften mussten. Zwar liegt der Index weiterhin auf einem hohen Niveau, doch die erste Senkung seit fünf Monaten verschafft vielen Familien finanzielle Luft.

In Kombination mit dem angespannten Wohnungsmarkt zeigt sich, dass nicht nur die Zinsen, sondern auch der Wohnungsmarkt die finanzielle Belastung der Haushalte bestimmt. Wer von den variabel verzinsten Hypotheken profitiert, kann kurzfristig spürbare Einsparungen erzielen – ein kleiner, aber wichtiger Lichtblick in einer Phase hoher Lebenshaltungskosten und stark gestiegener Immobilienpreise.

Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Wohnen, politisches Klima und Immigration: Die Hauptsorgen der Spanier laut aktueller Umfrage

Nächste Geschichte

Krebs in Spanien 2026

Neues von Blog

Madrid wird zum Magneten für Superreiche

Redaktion Spanien Press Wie internationale Millionäre Spaniens Hauptstadt verändern — und warum viele Bewohner sich ihre eigene Stadt kaum noch leisten können Madrid galt lange als eine der letzten großen europäischen Hauptstädte,…
error: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop