Am Flughafen Madrid-Barajas Adolfo Suárez wird derzeit ein neues Zugangssystem getestet, das Passagiere dazu verpflichten könnte, ihre Bordkarte zu scannen, um die Toiletten benutzen zu dürfen. Ziel ist es laut Betreiber Aena, die Hygiene zu verbessern und die Wartung der sanitären Einrichtungen effizienter zu gestalten.
Das Pilotprojekt läuft aktuell in einer Familien-Toilette im Terminal 4. Sollte sich das System bewähren, könnte es auf alle Toilettenanlagen des Flughafens ausgeweitet werden. Ähnlich wie beim Einkauf in Duty-Free-Shops, wo Reisende ihre Bordkarte bereits vorzeigen müssen, soll der Zugang zu den Toiletten künftig nur Fluggästen vorbehalten sein.
Aena erklärt, man wolle damit sicherstellen, dass die Einrichtungen „stets in optimalem Zustand“ bleiben und der Wartungsaufwand besser gesteuert werden kann. Kritiker befürchten jedoch, dass die Maßnahme vor allem dazu dient, Obdachlose von der Nutzung der Infrastruktur auszuschließen.
Besonders brisant ist der Vorstoß angesichts der Tatsache, dass sich derzeit schätzungsweise rund 500 Menschen dauerhaft in den Terminals des Flughafens aufhalten. Der Tod eines 60-jährigen, nicht registrierten Mannes am 20. März machte die prekäre Situation deutlich und rückte das Problem erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.
„Flughäfen sind für den Passagierverkehr ausgelegt, nicht für das dauerhafte Wohnen“, so ein Sprecher von Aena. „Wir hoffen auf eine baldige Lösung durch die sozialen Dienste der Stadt Madrid und der Autonomen Gemeinschaft.“
In den sozialen Netzwerken sorgt der Testlauf für hitzige Debatten. Während Befürworter das System als sinnvolle Maßnahme zur Erhaltung der Sauberkeit loben, werfen Kritiker Aena soziale Ausgrenzung und mangelndes Mitgefühl für besonders verletzliche Menschen vor.
Derzeit befindet sich das Projekt weiterhin in der Erprobung. Eine endgültige Entscheidung über eine flächendeckende Einführung steht noch aus.
