In einer koordinierten Aktion wurden in der Nacht zum Mittwoch rund 500 elektronische Schließboxen an Türen von Ferienwohnungen in mehreren zentralen Vierteln Granadas mutwillig zerstört oder unbrauchbar gemacht. Betroffen waren die historischen Viertel Albaicín, Realejo und das Stadtzentrum, wo die Dichte an touristisch genutzten Wohnungen besonders hoch ist.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Schließboxen, die üblicherweise Schlüssel für Selbst-Check-ins bei Kurzzeitmieten enthalten, wurden laut lokalen Berichten mit einer superkleberähnlichen Substanz übergossen und damit funktionsunfähig gemacht. Anschließend klebten Unbekannte Aufkleber mit Parolen wie „Against the housing business“ auf die beschädigten Geräte.
„Offensive“ gegen den Wohnungsmarkt – Aktivisten übernehmen Verantwortung
Die Granada Housing Union, ein lokales Mieter- und Wohnrechtskollektiv, hat die Aktion in einem Statement als bewussten politischen Protest erklärt. Sie spricht von einem Schritt „in die Offensive gegen das Geschäft mit Wohnraum“, mit dem auf die wachsenden sozialen Spannungen durch touristische Vermietung aufmerksam gemacht werden soll.
Nach Angaben der Gruppe führe die starke Präsenz von Ferienwohnungen zu steigenden Mieten, zur Verdrängung langjähriger Anwohner und zu einer Verarmung des gewachsenen Stadtbildes. Die Aktivisten und Aktivistinnen kritisieren zudem, dass bestehende Regeln und Kontrollen unzureichend seien und die Behörden nicht konsequent gegen illegale Kurzzeitvermietungen vorgehen würden.
Reaktionen aus der Vermietungsbranche
Vertreter der lokalen Ferienwohnungsverbände reagierten empört. Die Asociación de Tourist Homes and Rural Accommodation of Granada (Avitar Granada) bezeichnete die Zerstörungen als Vandalismus, der keine politische Legitimation habe. Es werde geschätzt, dass der Schaden allein bei den beschädigten Schließboxen mehr als 5.000 Euro beträgt.
Avitar betonte, dass die meisten betroffenen Wohnungen legal betrieben würden, häufig von kleinen lokalen Eigentümern, Selbstständigen oder Familien. Der Verband forderte eine umgehende polizeiliche Untersuchung, die Identifizierung der Verantwortlichen sowie eine öffentliche Verurteilung durch die Stadt- und Regionalbehörden. Außerdem müsse der Schutz legaler Vermieterinnen und Vermieter verstärkt werden, so die Kritik.
Breiterer sozialer Kontext: Wohnungsmarkt unter Druck
Granada steht nicht allein da: In vielen spanischen Städten wächst der Widerstand gegen touristische Kurzzeitvermietungen, die von Kritikern als Mitursache für steigende Mieten und Wohnungsnot gesehen werden. Bereits seit 2025 gelten in Andalusien und landesweit strengere Regeln für Ferienwohnungen, einschließlich der Streichung tausender Wohnungen aus offiziellen Registern, wenn sie keine gültigen Registrierungsnummern besitzen. In der Provinz Granada wurden nach Angaben offizieller Statistiken über 2.000 solcher Ferienwohnungen aus den Registern genommen, seit neue Vorschriften in Kraft getreten sind.
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, illegale Vermietungen zu reduzieren und mehr Wohnraum dem regulären Mietmarkt zur Verfügung zu stellen – eine Herausforderung, mit der nicht nur Andalusien, sondern viele spanische Städte ringen. Gleichzeitig debattieren Kommunalpolitiker, Eigentümer und Mieter über das richtige Gleichgewicht zwischen Tourismus-Wirtschaftskraft und sozialer Stabilität vor Ort.
Auswirkungen vor Ort
Die Nacht-zu-Mittwoch-Aktion hatte unmittelbare Auswirkungen: Einige Gäste konnten nicht wie geplant in ihre Ferienwohnungen gelangen, da die zugrunde liegenden Schließsysteme funktionsunfähig waren. Eigentümer wurden aufgefordert, Vorfälle bei der Nationalpolizei (Policía Nacional) zu melden, um Versicherungsfragen und mögliche Strafverfahren zu klären.
Die Stadtverwaltung von Granada hat sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert. Lokalpolitiker stehen jedoch unter wachsendem Druck, Lösungen für die vielfach beklagte Wohnungsnot und die Auseinandersetzung zwischen touristischer Nutzung und dem Recht auf erschwingliches Wohnen zu finden.
