19. August 2026
Lesezeit 5 Minuten

Granada kommt nicht zur Ruhe: Mehr als 420 Erdbeben erschüttern Andalusien – Experten rechnen mit weiteren Beben

Die Alhambra über der Stadt Granada: Die andalusische Provinz wird derzeit von einer ungewöhnlich intensiven Erdbebenserie erschüttert (Credit: Jorge Fernandez Salas/Unsplash)

Die Erde unter Granada kommt seit Tagen nicht zur Ruhe. Mehr als 420 seismische Bewegungen wurden seit dem 14. August registriert. Zwei stärkere Beben mit Magnituden von 5,0 und 4,8 versetzten die Bevölkerung in Alarmbereitschaft. Häuser wurden beschädigt, rund 600 Menschen vorsorglich evakuiert und Teile der berühmten Alhambra geschlossen. Experten warnen vor weiteren Erschütterungen – eine konkrete Vorhersage ist jedoch unmöglich.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Granada erlebt derzeit eine der intensivsten seismischen Phasen der vergangenen Jahre. Seit Freitag, dem 14. August, wird die Provinz immer wieder von Erdbeben erschüttert. Die meisten davon waren schwach und für die Bevölkerung nicht spürbar. Doch einige stärkere Beben haben inzwischen deutlich gemacht, wie empfindlich die Region auf die unterirdischen Bewegungen reagiert.

Besonders beunruhigend: Die Aktivität ist noch nicht beendet.

Erst 5,0 bei Alhendín, dann 4,8 bei Gójar

Einer der stärksten bisherigen Schläge ereignete sich in der Nacht zum Samstag, dem 15. August. Ein Erdbeben der Magnitude 5,0 erschütterte die Region. Das Epizentrum lag bei Alhendín, südlich von Granada. Das Beben war in Granada und zahlreichen Orten der Umgebung deutlich zu spüren. Ihm folgten zahlreiche weitere Erschütterungen. Damit war die Serie jedoch keineswegs vorbei.

Am Dienstag, dem 18. August, bebte die Erde erneut deutlich. Um etwa 10.37 Uhr wurde ein Erdbeben der Magnitude 4,8 registriert. Diesmal lag das Epizentrum bei Gójar, ebenfalls südlich der Stadt Granada. Das Beben war oberflächennah und wurde deshalb besonders deutlich wahrgenommen. Innerhalb kurzer Zeit folgten weitere Erschütterungen, darunter mehrere mit Magnituden von über 4.

Für viele Bewohner war spätestens jetzt klar: Die ungewöhnliche Aktivität ist nicht nur ein einzelnes Nachbeben.

Mehr als 420 Erdbeben in wenigen Tagen

Seit Beginn der intensiven Phase wurden mittlerweile mehr als 420 seismische Ereignisse registriert. Die Zahl klingt dramatisch – doch sie muss richtig eingeordnet werden. Die überwiegende Mehrheit der Beben war sehr schwach und wurde von den Menschen überhaupt nicht wahrgenommen.

Die stärkeren Erschütterungen machen allerdings deutlich, dass sich im Untergrund derzeit eine außergewöhnliche Dynamik abspielt. Experten sprechen deshalb von der Möglichkeit eines sogenannten seismischen Schwarms. Dabei treten in einem begrenzten Gebiet zahlreiche Erdbeben auf, ohne dass sich zwangsläufig ein einziges Ereignis eindeutig als Hauptbeben identifizieren lässt. Ein ähnliches Phänomen hat Granada bereits in der Vergangenheit erlebt.

Die Angst wächst – doch eine Vorhersage gibt es nicht

Für die Menschen in Granada ist vor allem die Ungewissheit belastend. Kommt noch ein stärkeres Beben? War das Beben der Magnitude 5,0 bereits das stärkste Ereignis der Serie? Oder könnte die Erde noch einmal deutlich heftiger reagieren? Auf diese Fragen gibt es derzeit keine verlässlichen Antworten.

Erdbeben lassen sich nicht präzise vorhersagen. Wissenschaftler können die seismische Aktivität beobachten, Muster analysieren und Wahrscheinlichkeiten bewerten. Niemand kann jedoch seriös sagen, wann das nächste stärkere Beben auftreten wird oder welche Magnitude es haben wird.

Genau deshalb warnen die Behörden vor Panik, empfehlen gleichzeitig aber erhöhte Aufmerksamkeit und die Einhaltung der offiziellen Sicherheitsanweisungen.

Drei Menschen leicht verletzt

Das Beben vom Dienstag hatte bereits konkrete Folgen. Mindestens drei Menschen wurden leicht verletzt, darunter ein Kind. Bei den meisten gemeldeten Fällen handelte es sich jedoch nicht um schwere Verletzungen. Die Einsatzkräfte erhielten gleichzeitig hunderte Meldungen über Schäden und herabgefallene Gebäudeteile.

Gemeldet wurden unter anderem Risse in Gebäuden und Wohnungen, beschädigte Fassaden und Gesimse sowie herabgefallene Dach- und Gebäudeteile. Auch Fahrzeuge und öffentliche Einrichtungen wurden teilweise beschädigt. Darüber hinaus wurden Schäden an historischen Gebäuden festgestellt.

Nach den bisherigen Untersuchungen gibt es jedoch keine Hinweise auf großflächige oder schwere strukturelle Schäden. Dennoch überprüfen die Behörden weiterhin zahlreiche Gebäude vorsorglich, um mögliche Gefahren für die Bevölkerung auszuschließen.

Rund 600 Menschen müssen ihre Häuser verlassen

Besonders deutlich wurde die Nervosität der Bevölkerung in Las Gabias. Dort wurden rund 600 Menschen vorsorglich evakuiert, weil zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Gebäude durch die wiederholten Erschütterungen beeinträchtigt worden waren. Viele Bewohner verließen ihre Häuser freiwillig und suchten offene Plätze auf.

Auch in Granada selbst war die Angst deutlich zu spüren. Einige Menschen verbrachten die Nacht lieber im Freien oder machten sich auf den Weg aus der Stadt. Die Straßen Richtung Küste waren zeitweise stark belastet. Die Behörden versuchten gleichzeitig, die Bevölkerung zu beruhigen. Die Botschaft lautet: Vorsicht ja, Panik nein.

Auch die Alhambra betroffen

Besonders symbolträchtig war die vorsorgliche Schließung beziehungsweise Räumung von Teilen der Alhambra. Das weltberühmte Wahrzeichen Granadas wurde nach den Erschütterungen überprüft. Auch andere öffentliche Gebäude, Museen, Kirchen und Einrichtungen wurden vorsorglich kontrolliert oder zeitweise geschlossen.

Die Maßnahmen bedeuten nicht, dass die Alhambra unmittelbar einsturzgefährdet gewesen wäre. Vielmehr wollten die Behörden ausschließen, dass herabfallende Teile oder bislang unerkannte Schäden Besucher gefährden.

Am Mittwoch wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Bestimmte Bereiche blieben jedoch zunächst geschlossen beziehungsweise wurden die Besucherwege angepasst.

Auch das Stadion Nuevo Los Cármenes wird überprüft

Die Erdbeben haben sogar das Nuevo Los Cármenes, das Stadion des Granada CF, erreicht. Dort wurden unter anderem Schäden an Einrichtungen wie Vitrinen und Beleuchtung festgestellt. Mitarbeiter wurden vorsorglich nach Hause geschickt, während die Schäden überprüft werden.

Besonders interessant ist das für den Verein, weil ohnehin Renovierungsarbeiten am Stadion geplant sind. Nun muss zusätzlich untersucht werden, ob die jüngsten Erschütterungen Auswirkungen auf den Zustand des Gebäudes haben.

Warum gerade Granada?

Granada gehört zu den seismisch aktivsten Regionen der Iberischen Halbinsel. Der Grund liegt tief unter der Erde: Im westlichen Mittelmeerraum treffen die afrikanische und die eurasische tektonische Platte aufeinander. Die dabei entstehenden Spannungen können sich entlang verschiedener geologischer Verwerfungen entladen.

Die Region rund um Granada verfügt über zahlreiche aktive Störungen und hat deshalb bereits in der Vergangenheit immer wieder stärkere Erdbeben erlebt. Die aktuelle Serie ist deshalb geologisch nicht völlig überraschend. Ihre ungewöhnliche Intensität innerhalb so kurzer Zeit sorgt allerdings für erhöhte Aufmerksamkeit.

Granada kennt solche Erdbebenschwärme bereits

Die aktuelle Situation erinnert Fachleute teilweise an frühere seismische Schwärme in der Region. Besonders bekannt ist die intensive Erdbebenserie von 2020 und 2021, bei der ebenfalls eine große Zahl von Erschütterungen registriert wurde.

Auch damals lebten viele Menschen über Wochen mit der Sorge vor einem noch stärkeren Beben. Dass eine solche Serie automatisch in einem großen Erdbeben enden muss, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Kein Vergleich mit der Katastrophe von 1884

Die aktuellen Beben sorgen verständlicherweise für Erinnerungen an eines der schlimmsten Erdbeben der spanischen Geschichte: das Erdbeben von Arenas del Rey im Jahr 1884. Damals erreichte das Beben schätzungsweise eine Magnitude zwischen 6,2 und 6,5 und verursachte massive Zerstörungen und zahlreiche Todesopfer.

Die derzeitigen Beben mit Magnituden von 4,8 und 5,0 liegen deutlich darunter. Ein Vergleich mit der Katastrophe von 1884 wäre deshalb nicht angebracht. Trotzdem zeigen die aktuellen Schäden, dass auch ein Beben mittlerer Stärke erhebliche Auswirkungen haben kann – insbesondere dann, wenn es relativ flach unter der Erdoberfläche stattfindet.

Die Erde hat auch in der Nacht weiter gebebt

Auch nach dem starken Beben vom Dienstag war keine vollständige Ruhe eingekehrt. In der Nacht zum Mittwoch wurden weitere Erschütterungen registriert. Das stärkste dieser nächtlichen Beben erreichte eine Magnitude von 3,4 und hatte sein Epizentrum bei Ogíjares, rund sieben Kilometer südlich von Granada.

Insgesamt wurden während der Nacht mindestens zehn weitere seismische Ereignisse registriert. Mehrere davon waren in Gemeinden rund um Granada spürbar. Die Behörden setzen deshalb ihre Kontrollen fort. Die andalusische Regierung hält weiterhin die Vorwarnphase des regionalen Plans für das seismische Risiko aufrecht.

Was jetzt entscheidend ist

Für die kommenden Tage bleibt vor allem eine Frage offen: Wie entwickelt sich die Erdbebenserie weiter? Experten rechnen damit, dass weitere Erschütterungen auftreten können. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein noch stärkeres Erdbeben bevorsteht.

Die Entwicklung muss von den Seismologen weiter beobachtet werden. Und genau darin liegt derzeit die wichtigste Botschaft für die Bevölkerung: Die Erde lässt sich nicht auf die Stunde genau vorhersagen. Was sich beobachten lässt, sind die Bewegungen im Untergrund – nicht aber der genaue Zeitpunkt des nächsten Bebens. Granada bleibt deshalb aufmerksam.

Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell aus zunächst kaum wahrnehmbaren Erschütterungen eine Situation entstehen kann, die den Alltag einer ganzen Region verändert. Mehr als 420 registrierte Beben, ein Erdbeben der Stärke 5,0, ein weiteres mit 4,8, Verletzte, beschädigte Gebäude und hunderte evakuierte Menschen sind inzwischen Teil dieser außergewöhnlichen seismischen Serie. Noch ist nicht abzusehen, wann die Erde unter Granada endgültig wieder zur Ruhe kommt. Sicher ist nur: Die Region bleibt in Alarmbereitschaft.

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