Fünf Weine, fünf Kategorien und fünf sehr unterschiedliche Regionen und Stilrichtungen: Spaniens Landwirtschaftsministerium hat die besten Weine des Jahres ausgezeichnet. Vom katalanischen Garnacha über weißen Rioja bis zum andalusischen Fino zeigt die Auswahl vor allem eines: Ein ausgezeichneter spanischer Wein muss nicht teuer sein.
Redaktion Spanien Press
Wer in Spanien vor einem Weinregal steht, hat ein Luxusproblem. Rioja oder Ribera? Ein Weißwein aus Galicien? Garnacha aus Katalonien? Rosado aus Navarra? Oder doch ein Fino aus Jerez?
Spanien produziert Wein in einer Vielfalt, bei der selbst Kenner gelegentlich den Überblick verlieren.
Nun gibt es zumindest fünf offizielle Empfehlungen.
Das spanische Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung hat bei den Premios Alimentos de España Mejores Vinos 2026 die herausragenden Weine des Jahres in fünf Kategorien ausgezeichnet: Rotwein, Weißwein, Rosé, Schaumwein und Likörwein.
Die Auszeichnung gehört zu den staatlichen Premios Alimentos de España, mit denen Spanien die Qualität seiner Lebensmittel und die Arbeit der dahinterstehenden Produzenten hervorheben will. Für den Weinpreis kommen ausschließlich spanische Weine mit anerkannter DOP oder IGP infrage, die zuvor beim internationalen Wettbewerb Bacchus 2026 zu den fünf bestbewerteten ihrer jeweiligen Kategorie gehört hatten.
Interessant dabei: Gesucht wurde nicht einfach der Wein, der bei einer Blindverkostung am besten schmeckte.
Die Bacchus-Bewertung macht 60 Prozent der Entscheidung aus. Die übrigen 40 Prozent entfallen unter anderem auf Innovation und Vermarktung des Weinguts, Nachhaltigkeit, den Beitrag zur lokalen Landwirtschaft und zum ländlichen Raum sowie die internationale Wahrnehmung spanischer Lebensmittel.
Das Ergebnis ist entsprechend vielfältig.
Bester Rotwein: Aires de Garbet 2021 aus Katalonien
Der beste Rotwein Spaniens 2026 kommt aus dem Empordà im äußersten Nordosten Kataloniens.
Aires de Garbet 2021, produziert von Cavas del Castillo de Perelada in Girona, wird ausschließlich aus Garnacha hergestellt.
Die Trauben stammen von der spektakulär gelegenen Finca Garbet. Der Wein wird anschließend in französischer Eiche ausgebaut.
Mit einem Marktpreis von ungefähr 48 Euro ist der Sieger kein Wein für jeden Dienstagabend – bewegt sich aber auch weit entfernt von den dreistelligen Preisen, die für spanische Spitzenweine inzwischen keine Seltenheit mehr sind.
Für Spanienurlauber, die einen besonderen Rotwein als Erinnerung mitnehmen möchten, ist er damit eine interessante Adresse.
Der beste Weißwein kommt ausgerechnet aus Rioja
Beim Begriff Rioja denken die meisten zunächst an Rotwein.
Der diesjährige Sieger der Weißwein-Kategorie erinnert daran, dass die Region erheblich mehr kann.
Los Altares 2016 von Unión Vitivinícola aus Cenicero in La Rioja wird unter anderem aus alten Viura-Reben und kleineren traditionellen Rebsorten aus hoch gelegenen Weinbergen hergestellt.
Der Wein orientiert sich an einer alten Rioja-Tradition: Weißweine, die nicht ausschließlich jung und frisch getrunken werden, sondern über Jahre reifen und dabei eine deutlich komplexere Struktur entwickeln.
Gerade für ausländische Weintrinker, die Rioja fast ausschließlich mit Tempranillo verbinden, dürfte Los Altares einer der interessantesten Sieger der Auswahl sein.
Die Überraschung aus Navarra: Spaniens bester Rosé für unter acht Euro
Der vermutlich spannendste Gewinner für den normalen Weineinkauf kommt allerdings aus Navarra.
Inurrieta Mediodía Rosado 2025 wurde zum besten Rosé des Jahres gewählt.
Die Bodega Inurrieta in Falces verwendet dafür Cabernet Sauvignon, Merlot, Graciano, Garnacha und Syrah.
Und dann kommt der interessante Teil:
Eine Flasche ist teilweise bereits für rund 7,65 Euro erhältlich.
Damit kostet einer der vom spanischen Landwirtschaftsministerium ausgezeichneten Weine weniger als manche Gläser Wein in einem Restaurant in Marbella, Madrid oder Barcelona.
Gerade das macht die Auszeichnung interessant. Gute spanische Weine findet man eben nicht ausschließlich im Bereich von 30, 50 oder 100 Euro.
Manchmal stehen sie für weniger als zehn Euro im Regal.
Cava: Ein bekannter Name gewinnt
Auch beim besten Schaumwein muss man kein Vermögen ausgeben.
Ausgezeichnet wurde Cuvée D.S. 2019 aus Sant Sadurní d’Anoia, dem Herzen der katalanischen Cava-Produktion.
Hinter dem Wein steht mit Freixenet einer der international bekanntesten Namen der spanischen Weinbranche.
Der Cava kostet im Handel ungefähr 14 Euro und wurde unter anderem für seine aromatische Komplexität, cremige Textur und Ausgewogenheit hervorgehoben.
Damit gibt es auch hier einen staatlich ausgezeichneten Wein zu einem Preis, bei dem man nicht erst auf einen besonderen Jahrestag warten muss.
Andalusien holt den Preis mit einem Fino aus Cádiz
Und natürlich wäre eine Liste der besten spanischen Weine kaum vollständig, ohne einen Blick nach Jerez.
Der Preis in der Kategorie Likörwein geht an Fino La Honda von Osborne aus El Puerto de Santa María in der Provinz Cádiz.
Der Fino wird aus Palomino-Fino-Trauben hergestellt und durchläuft eine etwa zwölfjährige biologische Reifung im traditionellen System der Criaderas y Soleras.
Preislich liegt die Flasche bei ungefähr 31,50 Euro.
Für viele ausländische Spanienbesucher ist Fino noch immer weniger vertraut als Rioja, Cava oder Albariño. In Andalusien gehört diese Weinwelt jedoch zu einer jahrhundertealten Kultur.
Und gerade ein trockener Fino kann eine der großen kulinarischen Entdeckungen Spaniens sein – besonders zu Jamón, Mandeln, Oliven, Meeresfrüchten oder frittiertem Fisch.
Nicht alle Sieger sind Luxusweine
Vielleicht ist genau das die interessanteste Erkenntnis der diesjährigen Auswahl.
Zwischen dem Rosé aus Navarra für weniger als acht Euro und dem deutlich teureren katalanischen Rotwein liegen völlig unterschiedliche Preisklassen.
Eine staatliche Auszeichnung bedeutet in Spanien also keineswegs automatisch Luxuspreis.
Die fünf Gewinner kommen zudem aus sehr unterschiedlichen Weinwelten: Empordà, Rioja, Navarra, Cava und Jerez.
Das ist fast eine kleine Weinreise durch Spanien.
Diese fünf Namen sollte man sich merken
Wer beim nächsten Einkauf nicht lange vor dem spanischen Weinregal stehen möchte, kann sich diese Namen notieren:
- Rotwein: Aires de Garbet 2021 – DOP Empordà
- Weißwein: Los Altares 2016 – DOCa Rioja
- Rosé: Inurrieta Mediodía Rosado 2025 – DOP Navarra
- Schaumwein: Cuvée D.S. 2019 – DOP Cava
- Likörwein: Fino La Honda – DOP Jerez-Xérès-Sherry
Die offiziellen Premios Alimentos de España verfolgen dabei ein größeres Ziel als lediglich fünf Flaschen auszuzeichnen. Das Landwirtschaftsministerium will damit die Qualität, Nachhaltigkeit und internationale Wahrnehmung spanischer Weine mit geschützter Herkunft stärken.
Für den Verbraucher ist die Botschaft wesentlich einfacher.
Man muss kein Weinkenner sein und auch keine 50 Euro ausgeben, um in Spanien einen ausgezeichneten Wein zu trinken.
Manchmal reichen nicht einmal acht Euro.
