Die Nachrichten aus Granada, wo rund 500 elektronische Zugangsschlösser an Ferienwohnungen zerstört wurden, zeigen einmal mehr die Spannungen zwischen Anwohnern und Tourismus. Ich verstehe die Sorgen der Einwohner: steigende Mieten, Wohnraummangel und das Gefühl, dass die Stadt „verkauft“ wird. Aber Vandalismus ist keine Lösung. Eigentümer kleiner Apartments, oft lokale Familien oder Selbstständige, werden direkt geschädigt, Gäste bleiben ausgesperrt – und die Stadt als touristischer Standort verliert Vertrauen.
Es ist wichtig, die Rolle des Tourismus klar einzuordnen: Spanien empfing 2025 rund 96,8 Millionen internationale Besucher, die Branche trägt etwa 12–13 % zum BIP bei und sichert Millionen Arbeitsplätze. Andalusien, zu der Granada gehört, verzeichnete im selben Jahr rund 38 Millionen Gäste, die sowohl Hotels als auch Ferienwohnungen nutzten und so viele Arbeitsplätze in Gastronomie, Einzelhandel und Kultur sicherten. In Granada generieren Orte wie die Alhambra Millionen Besucher pro Jahr – Restaurants, Hotels, kleine Läden und Kulturstätten hängen direkt vom Besucherstrom ab. Ferienwohnungen sind ein Teil dieser Infrastruktur, ermöglichen längere Aufenthalte und stärken die lokale Wirtschaft.
Die eigentliche Ursache für steigende Mieten ist jedoch nicht der Tourismus, sondern ein struktureller Wohnraummangel. Spanien baut jährlich deutlich weniger Wohnungen, als für eine ausgeglichene Nachfrage nötig wären – laut Branchenverbänden wären rund 200.000–250.000 Neubauten pro Jahr erforderlich, gebaut werden aber meist unter 100.000. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in Städten, Haushalte werden kleiner und sozialer Wohnraum ist knapp – in Spanien liegt er unter 3 % des Bestands. Ferienwohnungen machen landesweit nur 3–8 % des Wohnungsbestands aus.
Die Lösung liegt also nicht in Sabotage, sondern in kooperativen, strukturellen Maßnahmen: Neubau fördern, sozialverträgliche Vermietung sichern, Ferienwohnungen transparent registrieren und klare Regeln für Stadtplanung setzen. So kann Granada lebenswert bleiben – für Anwohner und Besucher zugleich.
Vandalismus schadet allen. Wer die Balance zwischen Wohnqualität und Tourismus wirklich will, muss dialogorientierte, legale Wege gehen. Tourismus ist kein Gegner, sondern eine Chance – wenn wir ihn klug gestalten.
