Heute in Spanien: Nationaler Tag des Organspenders – Warum Spanien Weltmeister in Organspende ist

Credit Stephen Andrews (Unsplash)

Spanien führt seit Jahrzehnten die weltweiten Statistiken zur Organspende an – ein Erfolg, der auch für in Spanien lebende Deutsche und andere Expatriates ganz konkret etwas bedeutet

Redaktion Spanien Press

Einleitung: Ein Tag des Dankes

Jedes Jahr am ersten Mittwoch im Juni begeht Spanien den „Día Nacional del Donante de Órganos y Tejidos“, den nationalen Tag des Organspenders. An diesem Tag bedanken sich Krankenhäuser, Patientenverbände und die spanische Transplantationsorganisation ONT (Organización Nacional de Trasplantes) bei allen Spenderinnen und Spendern und ihren Familien. Zugleich soll die Öffentlichkeit daran erinnert werden, wie wichtig Organspende für tausende schwerkranke Patientinnen und Patienten ist.

Spanien als weltweiter Spitzenreiter

Spanien gilt seit Jahrzehnten als internationales Vorbild in der Organspende. Seit inzwischen rund 34 Jahren hat das Land die höchste Zahl an Organspendern pro Million Einwohner weltweit und liegt damit deutlich vor anderen europäischen Staaten und auch vor den USA. In den letzten Jahren lag die Spenderquote bei rund 50 Spendern pro Million Einwohner, während die EU im Durchschnitt bei etwa halb so vielen Spendern pro Million Einwohner liegt.

Diese Spitzenposition hat direkte Auswirkungen: 2024 und 2025 wurden in Spanien jeweils über 6.300 Organtransplantationen durchgeführt – ein historischer Höchstwert. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Leben durch eine Transplantation gerettet oder entscheidend verbessert werden konnte.

Das „spanische Modell“: Warum funktioniert es so gut?

Der Erfolg Spaniens beruht auf einer Kombination aus Organisation, Professionalität und gesellschaftlicher Haltung.

  • Zentrale Koordination durch die ONT
    Die ONT koordiniert ein landesweites Netzwerk von Transplantationskoordinatoren in nahezu allen Krankenhäusern mit Intensivstation. Dadurch können potenzielle Spender rechtzeitig identifiziert und alle medizinischen und organisatorischen Abläufe effizient gesteuert werden.

  • Starke Rolle der Spenderfamilien
    Auch wenn Spanien formal ein System der „mutmaßlichen Zustimmung“ kennt, werden die Angehörigen in der Praxis immer ausführlich informiert und einbezogen. Das hohe Vertrauen in Ärzte und Koordinatoren trägt dazu bei, dass die Zustimmung zur Organspende in vielen Fällen gegeben wird.

  • Ausbau der Spende nach Herz-Kreislauf-Stillstand (asistolia)
    Spanien ist zudem führend bei der sogenannten „donación en asistolia“, also der Organspende nach Herz-Kreislauf-Stillstand. Dieser Bereich ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat die Gesamtzahl der Spender deutlich erhöht.

  • Kontinuierliche Aufklärungskampagnen
    Kampagnen mit klaren Botschaften und konkreten Geschichten von Betroffenen haben die Organspende zu einem positiv besetzten Thema gemacht, das eng mit Solidarität und Gemeinschaft verknüpft ist.

 

View this post on Instagram

 

A post shared by EL ESPAÑOL (@elespanol2015)

Was bedeutet das für „Expatriates“ in Spanien?

Für in Spanien lebende Expats ist der spanische Spitzenplatz weit mehr als eine abstrakte Statistik.

  • Zugang zu einem der besten Transplantationssysteme der Welt
    Wer in das spanische Gesundheitssystem eingebunden ist – sei es über die Seguridad Social oder über bestimmte Abkommen – profitiert von einem äußerst leistungsfähigen Transplantationsnetzwerk. Viele Transplantationen werden in öffentlichen Krankenhäusern durchgeführt, die international ausgezeichnet sind.

  • Nationale Regeln gelten auch für Ausländer
    Grundsätzlich gelten die spanischen Regeln zur Organspende für alle Menschen, die sich in Spanien aufhalten – also auch für ausländische Staatsbürger. Gleichzeitig spielt der Wille der Familie im Ernstfall eine zentrale Rolle, weshalb es sinnvoll ist, innerhalb der Familie offen über das Thema zu sprechen.

  • Organspende-Kultur anders als im DACH-Raum
    Anders als in Deutschland, wo bislang das Zustimmungssystem („Opt-in“) gilt, basiert Spanien auf dem Prinzip der mutmaßlichen Zustimmung („Opt-out“), auch wenn die Praxis sehr familienorientiert bleibt. Für viele deutschsprachige Expatriates ist das ein wichtiger Unterschied, der oft erst bei genauerem Hinsehen auffällt.

Wie kann ich meine Haltung zur Organspende ausdrücken?

Auch wenn man als in Spanien lebende Ausländerin oder Ausländer nicht automatisch mit jeder Feinheit des Systems vertraut ist, gibt es einfache Schritte, um die eigene Position zu klären.

  • Mit Angehörigen sprechen
    In der Praxis ist das Gespräch mit der Familie der wichtigste Schritt. Wenn Angehörige im Ernstfall genau wissen, welche Entscheidung man sich gewünscht hätte, erleichtert das die Situation und unterstützt die Arbeit des medizinischen Teams.

  • Informationen einholen
    Auf den Webseiten der ONT und der regionalen Gesundheitsbehörden finden sich leicht verständliche Informationen zur Organspende, zu Abläufen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Viele Patientenverbände bieten zudem Material in mehreren Sprachen an oder unterstützen bei der Orientierung im System.

  • Dokumente aus der Heimat mitdenken
    Wer bereits einen Organspendeausweis aus UK, EU Länder un d der Schweiz besitzt, kann diesen weiterhin mit sich führen – wichtig ist jedoch, die eigene Haltung auch im spanischen Umfeld (Partner, Familie, Freunde) deutlich zu machen.

Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Mücken in Spanien: Warum manche Menschen stärker gestochen werden – und wie du dich effektiv schützt

Nächste Geschichte

Gesundheitschaos in Spanien? Ärzte kündigen fünftägigen Mega-Streik an

Neues von Blog

error: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop