Hypotheken in Spanien werden wieder teurer: Zahl der neuen Kredite fällt deutlich

Hypotheken in Spanien werden wieder teurer: Steigende Zinsen und höhere Kreditsummen belasten Immobilienkäufer (Credit: Jakub Zerdzicki/Unsplash)

Der spanische Immobilienmarkt zeigt erste Anzeichen einer Abkühlung. Im Juli wurden 3,5 Prozent weniger Hypotheken für den Kauf von Wohnungen und Häusern abgeschlossen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Zinssatz wieder über die Marke von drei Prozent.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Der spanische Hypothekenmarkt hat im Juli einen deutlichen Dämpfer erhalten. Nach den Daten des spanischen Statistikamts INE wurden insgesamt 43.372 Hypotheken auf Wohnimmobilien eingetragen. Das entspricht einem Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber Juli 2025.

Damit verzeichnet der Markt den stärksten Rückgang seit Juni 2024. Noch im Juni hatte sich die Entwicklung deutlich positiver dargestellt: Damals war die Zahl der neu abgeschlossenen Wohnhypotheken im Jahresvergleich um 10,8 Prozent gestiegen.

Durchschnittlicher Hypothekenbetrag erreicht Rekordwert

Während die Zahl der Hypotheken zurückging, stieg die durchschnittliche Kreditsumme deutlich an. Wer im Juli in Spanien eine Wohnimmobilie über eine Hypothek finanzierte, nahm im Durchschnitt 180.785 Euro auf. Das waren 10,9 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres.

Damit zeigt sich ein auffälliges Bild: Es werden weniger Hypotheken abgeschlossen, die einzelnen Kredite fallen jedoch deutlich größer aus. Ein wichtiger Grund dafür sind die weiterhin hohen Immobilienpreise. Wer heute in Spanien eine Wohnung oder ein Haus kaufen möchte, muss häufig eine größere Summe finanzieren als noch vor einigen Jahren.

Zinssatz steigt wieder über drei Prozent

Für Immobilienkäufer kommt gleichzeitig eine weitere Belastung hinzu: Die Finanzierung ist wieder etwas teurer geworden. Der durchschnittliche Zinssatz für neu abgeschlossene Hypotheken auf Wohnimmobilien stieg im Juli auf 3,01 Prozent. Damit liegt der Wert erstmals seit Januar 2025 wieder über der Marke von drei Prozent.

Im Mai hatte der durchschnittliche Zinssatz noch bei 2,98 Prozent gelegen. Der Anstieg fällt damit zunächst vergleichsweise gering aus. Bei einer langfristigen Finanzierung können sich jedoch auch kleine Veränderungen beim Zinssatz deutlich auf die Gesamtkosten eines Kredits auswirken.

Festzins bleibt besonders gefragt

Die Mehrheit der neuen Hypotheken wird in Spanien weiterhin mit einem festen Zinssatz abgeschlossen. Im Juli entfielen rund 62,3 Prozent der neuen Wohnhypotheken auf Festzinsmodelle. Rund 37,7 Prozent wurden mit variablem Zinssatz abgeschlossen.

Der durchschnittliche anfängliche Zinssatz lag bei Festhypotheken bei etwa 3,03 Prozent, während variable Hypotheken zunächst durchschnittlich bei 2,97 Prozent lagen.

Die Festzinsfinanzierung bleibt damit für viele Käufer eine wichtige Option. Sie bietet vor allem eine bessere Planbarkeit der monatlichen Belastung, während sich bei variablen Hypotheken die Kosten abhängig von der weiteren Zinsentwicklung verändern können.

EZB sorgt für verändertes Zinsumfeld

Die Entwicklung auf dem spanischen Hypothekenmarkt fällt in eine Phase, in der sich das europäische Zinsumfeld wieder verändert. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik 2026 verschärft und die Leitzinsen angehoben. Dadurch können sich die Bedingungen für die Finanzierung von Immobilien ebenfalls verändern.

Allerdings muss beim zeitlichen Zusammenhang zwischen den EZB-Entscheidungen und den spanischen Hypothekendaten genau unterschieden werden. Die aktuellen Zahlen beziehen sich auf den Juli. Spätere Zinsentscheidungen der EZB können deshalb nicht die Ursache für Hypotheken sein, die bereits im Juli abgeschlossen wurden.

Für die kommenden Monate könnte das veränderte Zinsumfeld allerdings eine größere Rolle spielen.

Immobilienmarkt zeigt unterschiedliche Signale

Trotz des Rückgangs im Juli kann derzeit nicht von einem Einbruch des spanischen Hypothekenmarktes gesprochen werden. Ein Blick auf die ersten sieben Monate des Jahres zeigt, dass die Zahl der neu eingetragenen Wohnhypotheken insgesamt weiterhin über dem Vorjahresniveau liegt. Der Rückgang im Juli kommt damit nach einem vergleichsweise starken ersten Halbjahr.

Auch bei den Immobilienverkäufen zeigt sich ein gemischtes Bild. Während die Hypothekenzahlen im bisherigen Jahresverlauf noch relativ robust sind, deuten andere Marktdaten auf eine verlangsamte Aktivität hin.

Große regionale Unterschiede

Die Entwicklung fällt außerdem von Region zu Region sehr unterschiedlich aus. Während einige Regionen im Juli weiterhin steigende Hypothekenzahlen verzeichneten, gingen die Zahlen in anderen Teilen Spaniens deutlich zurück.

Zu den Regionen mit besonders starken Rückgängen gehörten Kantabrien, Aragón und La Rioja. Zuwächse wurden dagegen unter anderem auf den Balearen, in Asturien und in Galicien registriert.

Die größten absoluten Hypothekenvolumen entfielen weiterhin auf die großen Immobilienmärkte Spaniens. Besonders viele Kredite wurden in Katalonien, Andalusien, Madrid und der Region Valencia abgeschlossen.

Was bedeutet die Entwicklung für Immobilienkäufer?

Für Menschen, die in Spanien eine Immobilie kaufen möchten, ergibt sich derzeit ein gemischtes Bild. Die Nachfrage nach Immobilien ist weiterhin vorhanden. Gleichzeitig müssen Käufer für den Erwerb einer Immobilie im Durchschnitt größere Kredite aufnehmen.

Hinzu kommen wieder etwas höhere Finanzierungskosten. Besonders bei größeren Darlehen können bereits geringe Veränderungen des Zinssatzes die monatliche Rate und die über die gesamte Laufzeit anfallenden Zinskosten spürbar verändern.

Für Käufer wird es deshalb wichtiger, verschiedene Finanzierungsangebote miteinander zu vergleichen und neben dem Zinssatz auch Laufzeit, Eigenkapital, Tilgung und mögliche zusätzliche Kosten zu berücksichtigen.

Noch kein Einbruch, aber erste Anzeichen einer Abkühlung

Die aktuellen Zahlen zeichnen ein differenziertes Bild des spanischen Immobilienmarktes. Die Zahl der neuen Hypotheken ist im Juli deutlich zurückgegangen, gleichzeitig erreicht die durchschnittliche Kreditsumme mit 180.785 Euro einen neuen Höchststand. Auch der durchschnittliche Zinssatz ist wieder über die Marke von drei Prozent gestiegen.

Damit treffen derzeit zwei Entwicklungen aufeinander: Immobilienkäufer nehmen weiterhin hohe Summen auf, müssen dafür aber mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Ob der Rückgang im Juli lediglich eine vorübergehende Schwankung darstellt oder sich in den kommenden Monaten eine länger anhaltende Abkühlung des Hypothekenmarktes entwickelt, werden die nächsten Daten des spanischen Statistikamts zeigen.

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