Die Polizei hat am frühen Morgen das ehemalige Gymnasium B9 in Badalona nahe Barcelona geräumt. Das Gebäude im Stadtteil Sant Roc war seit mehr als zwei Jahren illegal besetzt und gehörte der Stadtverwaltung. Der Einsatz erfolgte nach einer gerichtlichen Anordnung, mit der die Stadt die Rückgewinnung der Immobilie durchsetzen konnte
Redaktion Spanien Press
Der Polizeieinsatz begann kurz vor 7 Uhr. Nach mehreren Lautsprecherdurchsagen, in denen die Bewohner zum freiwilligen Verlassen des Geländes aufgefordert wurden, setzte die Räumung bei Tagesanbruch ein. Während ein Teil der Menschen das Areal ohne Zwischenfälle verließ, kam es an den Zugängen zeitweise zu Widerstand und Gedränge. Gegen 8.45 Uhr drangen die Einsatzkräfte in das Gebäude ein.
Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich zahlreiche soziale Organisationen und Aktivistengruppen in der Umgebung des Gebäudes versammelt. Sie waren auf die Straße gegangen, um gegen die Räumung zu protestieren und diese nach Möglichkeit zu verhindern. Die Präsenz der Initiativen führte zu einer angespannten Atmosphäre, blieb jedoch überwiegend friedlich.
Desalojo comienza en poco #Badalona #Albiol #Racismo pic.twitter.com/laLfhBhvHy
— 🇵🇸 I support the Palestinian RESISTANCE 🇵🇸 (@Xi_Palestine) December 17, 2025
Bis zu 500 Menschen lebten zeitweise im Gymnasium
Zum Zeitpunkt der Räumung hielten sich nach Angaben sozialer Organisationen noch rund 200 Menschen in dem ehemaligen Schulgebäude auf. In den vergangenen Jahren lebten dort zeitweise bis zu 500 Personen unter prekären Bedingungen, überwiegend Migranten ohne reguläre Unterkunft. Seit 2023 versuchte die Stadt Badalona, das Gebäude auf juristischem Weg zurückzuerlangen.
Gesundheits- und Sicherheitsprobleme als Hauptgrund
Als Gründe für den Räumungsantrag nannte das Rathaus erhebliche Probleme im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. In der Vergangenheit wurden mehrere Tuberkulosefälle registriert. Zudem kam es wiederholt zu Gewaltvorfällen, Diebstählen und Drogenkonsum, wodurch das Umfeld des Gebäudes zu einem sozialen Brennpunkt wurde.
Soziale Betreuung und medizinische Unterstützung
Während des Einsatzes waren kommunale Sozialdienste vor Ort, um die betroffenen Personen zu unterstützen. Auch der katalanische Rettungsdienst stellte medizinische Hilfe bereit, um bei Bedarf schnell eingreifen zu können.
Politischer Druck nach schweren Zwischenfällen
Im Zusammenhang mit der Räumung wurde der Bürgermeister von Badalona, Xavier García Albiol, von mehreren dieser Organisationen scharf kritisiert. Die Initiatoren der Proteste werfen dem Rathaus vor, die soziale Dimension des Konflikts zu vernachlässigen. Ihrer Ansicht nach hätte die Räumung zumindest bis zum Frühjahr verschoben werden können, um alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen und die betroffenen Personen nicht in den Wintermonaten auf die Straße zu setzen.
Der Bürgermeister von Badalona, Xavier García Albiol, erklärte, die Räumung sei notwendig gewesen, um die Sicherheit im Viertel wiederherzustellen. In den vergangenen Monaten hatte das ehemalige Gymnasium mehrfach Schlagzeilen gemacht. Im Sommer kam es in unmittelbarer Nähe zu einer Messerattacke mit tödlichem Ausgang, die polizeiliche Ermittlungen wegen Mordes nach sich zog und den politischen Druck auf die Stadt weiter erhöhte.
Hoy DESALOJAN a 400 okupas de una nave en Badalona y Que SOLO hay mujeres defendiendo a los okupas delincuentes da MUCHO que pensar.pic.twitter.com/gDmfdCuQlx
— Anonymous Tabarnia 🃏 (@Anonymous_TA) December 17, 2025
Mit dem Einsatz am frühen Morgen beginnt nun die Rückführung des ehemaligen Gymnasiums in den Besitz der Stadt Badalona. Über die zukünftige Nutzung des Gebäudes sowie über langfristige Lösungen für die geräumten Personen soll in den kommenden Wochen entschieden werden.
