Neue Studien zeigen, dass in einem einzigen Liter abgefüllten Wassers bis zu 400.000 winzige Plastikteilchen enthalten sein können. Trotzdem greifen immer mehr Menschen in Spanien und Europa zu Wasser aus der Flasche – oft aus Bequemlichkeit oder Misstrauen gegenüber der Wasserqualität
Redaktion Spanien Press
Das Vertrauen in das Leitungswasser sinkt – der Konsum von Flaschenwasser steigt. Spanien gehört inzwischen zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Verbrauch an abgefülltem Wasser pro Kopf. Doch eine aktuelle Studie der Columbia University und der Rutgers University in den USA gibt Anlass zur Sorge: In jedem Liter Flaschenwasser fanden Forscher zwischen 110.000 und 400.000 winzige Plastikpartikel, sogenannte Nanoplastikteilchen, die mit bloßem Auge unsichtbar sind.
Etwa 90 % dieser Teilchen sind kleiner als ein Mikrometer – so klein, dass sie Zellmembranen durchdringen und möglicherweise in Blut, Lunge oder Organen landen könnten. Die Wissenschaftler warnen: Die meisten stammen nicht aus der Umwelt, sondern aus der Verpackung selbst – also aus den Kunststoffflaschen und den Deckeln. Auch moderne Filterverfahren, die zur Reinigung des Wassers eingesetzt werden, setzen winzige Plastikfragmente frei.
„Wir wissen noch nicht genau, welche gesundheitlichen Folgen diese Partikel haben“, erklärte Studienleiter Beizhan Yan. „Aber ihre Menge ist weitaus höher, als bisher angenommen wurde.“
Auch der bekannte italienische Infektiologe Matteo Bassetti warnte kürzlich vor dem täglichen Konsum von Wasser aus Plastikflaschen. Laut ihm stamme mehr als 60 % des Flaschenwassers nicht aus reinen Quellen, sondern sei gefiltertes Leitungswasser. Er betont, dass es viel sinnvoller ist, das eigene Leitungswasser zu Hause selbst zu filtern, anstatt Geld für dasselbe Produkt in Plastikflaschen auszugeben oder Wasser aus Glasflaschen zu wählen. Auf diese Weise könne man die Aufnahme von Mikroplastik reduzieren und zugleich die Umweltbelastung verringern.
Denn die Produktion und Entsorgung von Plastikflaschen verursacht jährlich Millionen Tonnen Abfall und CO₂-Emissionen. Laut dem spanischen Umweltministerium landet nur etwa ein Drittel der Flaschen tatsächlich im Recyclingkreislauf. Der Rest wird verbrannt oder landet in Deponien und Meeren.
Umweltschützer fordern daher eine Rückbesinnung auf das, was einst selbstverständlich war: das Trinken von Leitungswasser. In vielen Städten – von Sevilla bis Madrid – wird die Qualität regelmäßig kontrolliert und erfüllt EU-Normen.
Die beste Lösung, sagen Experten, ist das eigene Leitungswasser zu filtern – mit Aktivkohlefiltern oder Osmoseanlagen, die Schadstoffe, Chlor und Rückstände entfernen, ohne neue Kunststoffe einzubringen. So lässt sich nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch das Vertrauen ins Wasser aus dem eigenen Hahn zurückgewinnen.
„Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagt eine Sprecherin der NGO Ecologistas en Acción. „Entweder wir vertrauen wieder unserem Wasserhahn, oder wir trinken künftig Mikroplastik mit Stil.“
