16. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Kinder in Spanien verbringen fast vier Stunden täglich vor Bildschirmen – soziale Unterschiede nehmen zu

Ein Kind sitzt mit einem Tablet auf dem Sofa: Laut einer Studie der Gasol Foundation verbringen Kinder und Jugendliche in Spanien durchschnittlich fast vier Stunden täglich vor Bildschirmen (Credit: Annie Spratt/Unsplash)

Kinder und Jugendliche in Spanien verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen. Laut einer Untersuchung der Gasol Foundation kommen sie im Durchschnitt auf fast vier Stunden täglich. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen und der sozialen Herkunft: Jugendliche sowie Kinder aus Familien ohne Hochschulabschluss verbringen deutlich mehr Zeit mit digitalen Geräten.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bildschirmnutzung nicht bei allen jungen Menschen gleich ist. Die Stiftung fordert deshalb mehr Unterstützung für Familien und bessere Möglichkeiten, gesunde Freizeitgewohnheiten zu fördern.

Bildschirmzeit in Spanien ist seit 2019 gestiegen

Die Untersuchung basiert auf dem PASOS-Projekt der Gasol Foundation und vergleicht die Daten aus den Jahren 2019 und 2022. Insgesamt wurden 6.100 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren berücksichtigt.

Im Jahr 2022 lag die durchschnittliche Bildschirmzeit bei 224 Minuten täglich. Das sind 17 Minuten mehr als 2019, als der Wert noch 207 Minuten betrug. Hochgerechnet verbringen Kinder und Jugendliche damit rund 1.366 Stunden pro Jahr vor Bildschirmen.

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei der Zahl der jungen Menschen, die täglich mehr als zwei Stunden vor Bildschirmen verbringen. 71,7 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen überschritten diese Marke.

Jungen verbringen mehr Zeit vor Bildschirmen als Mädchen

Auch beim Geschlecht zeigen sich Unterschiede. Jungen kamen 2022 im Durchschnitt auf 243,1 Minuten Bildschirmzeit pro Tag. Bei Mädchen waren es 206,9 Minuten.

Der Abstand zwischen beiden Gruppen hat sich seit 2019 allerdings verringert. Damals lag er noch bei 45 Minuten täglich, 2022 waren es 36 Minuten. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Bildschirmzeit bei Mädchen stärker gestiegen ist.

Während Mädchen im Vergleich zu 2019 täglich 20,6 Minuten länger vor Bildschirmen verbrachten, betrug der Anstieg bei Jungen 11,7 Minuten.

Jugendliche verbringen fast fünf Stunden täglich vor Bildschirmen

Mit zunehmendem Alter steigt die Bildschirmzeit deutlich an. Jugendliche kamen 2022 im Durchschnitt auf 284,8 Minuten täglich – das entspricht rund vier Stunden und 45 Minuten.

91,8 Prozent der Jugendlichen überschritten dabei die im Bericht verwendete Vergleichsmarke von zwei Stunden pro Tag. Der Unterschied zwischen Jugendlichen und jüngeren Kindern hat sich seit 2019 weiter vergrößert: von 95 auf 108 Minuten täglich.

Besonders hohe Werte wurden bei Schülerinnen und Schülern der vierten Klasse der spanischen Sekundarstufe ESO festgestellt, die in der Regel 15 bis 16 Jahre alt sind.

Bildungsstand der Eltern spielt eine wichtige Rolle

Die Studie macht deutlich, dass die Bildschirmnutzung auch mit der sozialen Herkunft zusammenhängt. Kinder und Jugendliche, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, verbringen im Durchschnitt mehr Zeit vor Bildschirmen als Gleichaltrige aus Familien mit Hochschulabschluss.

Bei Kindern von Eltern ohne Hochschulabschluss lag die tägliche Bildschirmzeit bei durchschnittlich 241,7 Minuten. Das sind fast 46 Minuten mehr als bei Kindern von Eltern mit Hochschulabschluss.

Besonders hohe Werte wurden bei jugendlichen Jungen aus Familien ohne Hochschulabschluss festgestellt. Sie kamen auf 304,6 Minuten täglich – etwas mehr als fünf Stunden. Zum Vergleich: Mädchen im Kindesalter, deren Erziehungsberechtigte einen Hochschulabschluss haben, verbrachten durchschnittlich 128,9 Minuten täglich vor Bildschirmen. Zwischen diesen beiden Gruppen lag somit ein Unterschied von fast drei Stunden pro Tag.

Gasol Foundation fordert mehr Unterstützung für Familien

Die Gasol Foundation sieht in den Ergebnissen eine gesellschaftliche und gesundheitspolitische Herausforderung. Ihr Gründer und Präsident Pau Gasol betonte, dass Gewohnheiten, die in der Kindheit entstehen, das weitere Leben beeinflussen können.

Dabei geht es nicht nur um die reine Bildschirmzeit. Auch Schlaf, Ernährung, körperliche Aktivität und das emotionale Wohlbefinden spielen eine Rolle. Die Stiftung fordert deshalb, Familien stärker zu unterstützen und Kindern mehr Möglichkeiten für eine aktive Freizeitgestaltung zu bieten.

Zugleich sollen digitale Plattformen und Anbieter von Online-Inhalten stärker in die Verantwortung genommen werden, um ein sichereres digitales Umfeld für Minderjährige zu schaffen.

Gesundheitsministerin García setzt auf gesunde Freizeitangebote

Auch die spanische Gesundheitsministerin Mónica García nahm an der Vorstellung der Ergebnisse teil. Sie unterstrich die Bedeutung gesunder Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche und verwies auf den Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und gesundheitlichen Risiken.

García sprach sich dafür aus, Familien bessere Möglichkeiten zu bieten, damit Kinder sich bewegen, ausreichend erholen und gesunde Gewohnheiten entwickeln können.

In diesem Zusammenhang verwies sie auf das Programm „Tardes Con Plan“. Die Initiative soll gesunde Lebensgewohnheiten fördern und richtet sich insbesondere an Familien in sozial benachteiligten Gebieten. Im Mittelpunkt stehen Ernährung, Schlaf und Erholung, körperliche Aktivität sowie emotionales Wohlbefinden.

Bildschirmzeit ist nicht automatisch problematisch

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine zunehmende Nutzung digitaler Geräte und deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Sie bedeuten jedoch nicht, dass jede Minute vor einem Bildschirm grundsätzlich schädlich ist.

Die im Bericht verwendete Zwei-Stunden-Marke dient als Vergleichswert für die Auswertung und ist keine allgemeingültige Empfehlung für jede Altersgruppe und jede Art der Bildschirmnutzung. Auch die konkrete Verwendung – etwa für Schule, Unterhaltung oder soziale Kontakte – wird durch die angegebenen Durchschnittswerte nicht vollständig abgebildet.

Die Gasol Foundation plädiert deshalb für einen differenzierten Umgang mit dem Thema. Entscheidend sei, Familien zu unterstützen, gesunde Alternativen zu ermöglichen und die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen.

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