Mit Beginn des neuen Schuljahres kehrt in Málaga nicht nur der Alltag zurück, sondern auch der tägliche Verkehrsstau. Während Kinder und Jugendliche wieder in die Schulen und Universitäten strömen und viele Beschäftigte aus der Sommerpause zurückkehren, bleibt die Verkehrsinfrastruktur der Provinz vielerorts überlastet. Zahlreiche geplante Straßenbauprojekte sollen Abhilfe schaffen – doch viele davon stecken weiterhin in der Planungs- oder Genehmigungsphase fest.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich zuletzt auf der A-7 zwischen Fuengirola und Torremolinos. Nach einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen bildete sich ein rund 13 Kilometer langer Stau. So brauchten Autofahrer für eine Strecke, die normalerweise nur etwa zehn Minuten dauert, rund eine Stunde.
Die Probleme sind jedoch nicht allein auf Unfälle oder den touristischen Verkehr zurückzuführen. Auch die täglichen Wege innerhalb der Provinz belasten das Straßennetz. Die Infrastruktur hält vielerorts nicht mit dem Bevölkerungswachstum, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem steigenden Mobilitätsbedarf Schritt.
Málaga–Rincón de la Victoria: Mehr Verkehr, aber keine schnelle Lösung
Besonders deutlich wird die Situation auf der östlichen Zufahrt nach Málaga in Richtung Rincón de la Victoria und Axarquía. Die Provinzverwaltung sowie die Stadtverwaltungen von Málaga und Rincón de la Victoria haben dem spanischen Verkehrsministerium bereits vor mehr als einem Jahr einen Vorschlag zur Verbesserung von sieben Anschlussstellen vorgelegt. Die geschätzten Kosten liegen bei etwas mehr als 15 Millionen Euro. Eine Antwort steht bislang aus.
Die letzte zusätzliche Fahrspur auf diesem Abschnitt wurde 2011 im Bereich des Tunnels zwischen San José und Cerrado de Calderón eingerichtet. Seitdem ist der Verkehr weiter gewachsen. Die östliche Umgehungsstraße zwischen Málaga und Rincón de la Victoria ist inzwischen seit 23 Jahren in Betrieb. In diesem Zeitraum ist das tägliche Verkehrsaufkommen um rund 20 Prozent gestiegen.
Auf einzelnen Abschnitten und an bestimmten Anschlussstellen in El Palo und Rincón de la Victoria werden inzwischen mehr als 95.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Gleichzeitig sind die Linienführungen des Busverkehrs nicht mehr vollständig an die aktuelle Entwicklung angepasst.
Auch eine mögliche Verlängerung der Metro in Richtung Osten bleibt ungeklärt. Noch ist offen, ob eine Verbindung nach Rincón de la Victoria oder eine andere Streckenführung, etwa über den Technologiepark PTA oder Ciudad Jardín, weiterverfolgt werden soll.
Vor zwei Jahren hatte die spanische Regierung eine Studie zu möglichen Lösungen für die A-7 zwischen den Kilometern 962 und 989 in Auftrag gegeben. Untersucht werden sollte unter anderem, ob eine neue äußere Ringstraße im Hinterland gebaut oder die bestehende Autobahn erweitert werden könnte. Eine konkrete Umsetzung ist bislang nicht in Sicht.
A-7 zwischen Málaga und Torremolinos: Ausbau für rund 190 Millionen Euro
Auch westlich der Stadt ist die Verkehrslage angespannt. Für die Strecke zwischen Málaga und Torremolinos wird seit Jahren über eine zusätzliche Bus- und Fahrgemeinschaftsspur diskutiert. Ein entsprechender Vorschlag war bereits vor 17 Jahren im Haushalt berücksichtigt worden, wurde später jedoch zugunsten einer Erweiterung der Autobahn aufgegeben.
Inzwischen liegt ein rund neun Kilometer langes Ausbauprojekt vor. Es befindet sich seit mehr als einem Jahr im Umweltprüfungsverfahren. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf etwa 190 Millionen Euro. Vorgesehen ist unter anderem eine neue Gestaltung des Guadalhorce-Viadukts, der weiter nördlich verlaufen soll.
Nach Angaben der spanischen Verkehrsbehörde DGT liegt das tägliche Verkehrsaufkommen auf diesem Abschnitt bei mehr als 125.000 Fahrzeugen. Das sind rund 10.000 mehr als vor 20 Jahren.
Costa del Sol: Lösungen zwischen Torremolinos und Guadiaro lassen auf sich warten
Entlang der Costa del Sol untersucht das Verkehrsministerium mögliche Maßnahmen für den Abschnitt zwischen Torremolinos und Torreguadiaro in der Provinz Cádiz. Der Auftrag für die Alternativenstudie wurde mit 689.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer vergeben. Die vorgesehene Bearbeitungsfrist von einem Jahr ist bereits abgelaufen.
Auf der A-7 zwischen Fuengirola und San Pedro de Alcántara wurden 2019 mehr als 65.000 Fahrzeuge pro Tag registriert. In der Nähe von San Pedro lag der Wert bei 93.945 Fahrzeugen täglich.
Das Ministerium räumt ein, dass die Leistungsfähigkeit der A-7 nicht mehr dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen entspricht. Zu den untersuchten Möglichkeiten gehören zusätzliche Fahrspuren, eine Neuordnung der Zufahrten, Sammel- und Parallelstraßen sowie Veränderungen an Anschlussstellen. Auch Umgehungsstraßen in dicht besiedelten Bereichen und neue oder verbesserte Verbindungen zwischen A-7 und AP-7 stehen zur Diskussion.
Ein umfassender Ausbau könnte allerdings schwierig werden. In dicht bebauten Gebieten wären dafür möglicherweise umfangreiche Enteignungen nötig, die nicht nur teuer, sondern auch mit erheblichen Eingriffen in das bestehende Umfeld verbunden wären.
Nördliche Zufahrt zum Flughafen: Seit 2005 in der Planung
Ein weiteres Projekt betrifft die nördliche Zufahrt zum Flughafen Málaga. Erste Planungen wurden bereits am 7. Dezember 2005 angestoßen. 2018 wurde das Vorhaben trotz bereits vergebener Bauarbeiten neu aufgesetzt. Ein Grund dafür war die notwendige Abstimmung mit dem geplanten Vial Distribuidor.
Das Projekt verfügt inzwischen über eine Umweltgenehmigung, ein Baubeginn ist jedoch weiterhin nicht absehbar. Der aktuelle Entwurf sieht einen großen, elliptischen Kreisverkehr an der Ausfahrt der äußeren A-7-Ringstraße bei Alhaurín de la Torre vor. Er soll die Verbindungen zur neuen nördlichen Flughafenanbindung und zum westlichen Vial Distribuidor voneinander trennen.
Die neue Zufahrt soll künftig einen erheblichen Teil des Straßenverkehrs zum Flughafen aufnehmen. Dieser nähert sich einem jährlichen Passagieraufkommen von 30 Millionen Besuchern.
Vial Distribuidor: Eine geplante Entlastung für Industrie und Flughafen
Auch der sogenannte Vial Distribuidor soll zur Entlastung des Straßennetzes beitragen. Die geplante Verbindung soll vor allem dem Schwerlastverkehr eine Route vom Centro de Transporte de Mercancías (CTM) in Richtung Churriana ermöglichen und dabei mehrere Industriegebiete miteinander verbinden.
Die andalusische Regionalregierung hatte das Projekt bereits 2009 vergeben. Infolge der Wirtschaftskrise wurden die Arbeiten jedoch gestoppt.
Die Straße könnte künftig Alhaurín de la Torre, Churriana, Campanillas, den Flughafen, den Technologiepark PTA, Mercamálaga, das CTM und die Universität miteinander verbinden. Damit soll sie insbesondere die Zufahrten zu den Industriegebieten entlasten. Unternehmen und Arbeitgeberverbände aus den Gewerbegebieten fordern eine solche Verbindung seit Jahren.
Auch innerhalb der Stadt wächst der Druck
Nicht nur die Autobahnen sind betroffen. Auch innerhalb der Stadt Málaga stoßen Verkehrsplanungen zunehmend an ihre Grenzen. Neue Bau- und Entwicklungsprojekte werfen Fragen zur künftigen Verkehrsbelastung auf. Dazu zählen unter anderem die Umgebung der Plaza Mayor und mögliche Tunnel- beziehungsweise Verkehrsmaßnahmen entlang der Valle-Inclán-Achse.
Auf der Valle-Inclán werden zu Spitzenzeiten mehr als 60.000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Zusätzlichen Verkehr könnte künftig auch die geplante kommerzielle Nutzung des ehemaligen Salyt-Geländes verursachen.
Gleichzeitig fehlen bislang die vorgesehenen Park-and-Ride-Anlagen. Solche Einrichtungen waren unter anderem in der Nähe des Palacio de Deportes José María Martín Carpena und im Bereich Arroyo Totalán vorgesehen. Sie könnten es Pendlern ermöglichen, ihr Auto außerhalb des Zentrums abzustellen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
Dabei wird der öffentliche Nahverkehr bereits stark genutzt: Metro und EMT kommen gemeinsam auf mehr als 70 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Auch die Nutzung der Cercanías-Züge und der Überlandbusse nimmt zu.
Einzelne Projekte kommen voran
Trotz der zahlreichen Verzögerungen gibt es auch Fortschritte. Die andalusische Regionalregierung hat im vergangenen Jahr eine Bus- und Fahrgemeinschaftsspur stadteinwärts im Bereich der Polizeidienststelle eröffnet.
Zudem laufen umfangreiche Ausbauarbeiten an der A-404 bei Alhaurín de la Torre. Auch an der Autovía del Guadalhorce haben die Arbeiten zwischen Casapalma und Cerralba begonnen. Für den anschließenden Abschnitt bis Zalea befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase.
Diese Maßnahmen können einzelne Verkehrsprobleme lindern. Eine umfassende Entlastung der gesamten Region ist damit jedoch nicht verbunden.
Kurzfristig ist keine grundlegende Entlastung in Sicht
Die Verkehrssituation in Málaga zeigt, wie stark das Straßennetz durch Bevölkerungswachstum, Tourismus und wirtschaftliche Aktivität beansprucht wird. Zahlreiche Projekte sind seit Jahren angekündigt, befinden sich aber weiterhin in Studien, Umweltprüfungen oder anderen Verwaltungsverfahren.
Hinzu kommt, dass für eine Reihe von Vorhaben die Abstimmung zwischen staatlichen, regionalen und kommunalen Behörden erforderlich ist. Fehlende Haushaltsmittel und langwierige Genehmigungsverfahren erschweren die Umsetzung zusätzlich.
Zu Beginn des neuen Schuljahres bleibt damit ein vertrautes Bild: volle Straßen, lange Staus und große Infrastrukturprojekte, deren Wirkung für die Verkehrsteilnehmer vorerst auf sich warten lässt.
