Ein KI-Projekt, das den „typischen Mann“ jedes Landes darstellen soll, sorgt derzeit für Gesprächsstoff in den sozialen Netzwerken. Die Serie, veröffentlicht von ReimagineUK, zeigt computererzeugte Porträts, die angeblich das Durchschnittsbild nationaler Männlichkeit widerspiegeln. Die spanische Version hat jedoch vor allem eines ausgelöst: Kopfschütteln.
Das Bild, das Spanien repräsentieren soll, zeigt einen muskulösen Mann mit einem schwarzen, eng anliegenden Anzug, reich verziert mit goldenen Stickereien. Er trägt eine rote Rose am Revers, posiert mit selbstbewusstem Blick – im Hintergrund sieht man ein Volksfest mit bunten Ständen und Girlanden. Viele spanische Nutzer fühlten sich an einen Stierkämpfer oder eine überzeichnete Figur aus einer Telenovela erinnert.
„So läuft hier niemand rum“, lautet einer der meistgeteilten Kommentare auf der Plattform X (ehemals Twitter). Viele kritisieren, dass das Bild alte Klischees über spanische Kultur und Männlichkeit aufwärmt, die mit dem modernen Spanien wenig zu tun haben. Besonders ärgerlich sei, dass die KI offensichtlich auf stereotype Bilddaten zurückgreift – etwa aus Tourismuswerbung oder folkloristischen Darstellungen.
Spanien ist heute ein vielfältiges, europäisches Land mit urbanen Lebensstilen, sozialen Kontrasten und regionalen Unterschieden. Das Leben in Madrid oder Barcelona hat wenig mit dem Bild eines andalusischen Festes zu tun – und schon gar nicht mit dem Ideal des „macho latino“, das hier immer noch durch die KI vermittelt wird.
Der Fall wirft Fragen darüber auf, wie künstliche Intelligenz kulturelle Inhalte verarbeitet – und in welchem Maß sie bestehende Stereotype verstärken kann, wenn keine kritische Kontrolle erfolgt. Denn die Technologie lernt aus dem, was im Netz vorhanden ist. Und das sind oft vereinfachte, überholte Darstellungen.
Das Fazit vieler Spanier: Wenn das der „typische Spanier“ sein soll, dann kennt die KI das moderne Spanien noch nicht.
